Umbau Deutsches Bergbau-Museum Bochum

Forschung im DBM

Schon gewusst

Wissenschaftliche Tagungen

Programm September - Dezember 2017

Packendes Museum - Das DBM im Aufbruch

Objekt auf Reisen - heute: Gemälde von Theodor Rocholl

Foto: DBM/montan.dok

In unserer Rubik „Objekt auf Reisen“ berichten wir dieses Mal über ein Gemälde von Theodor Rocholl von 1914. Es ist aus den Musealen Sammlungen des montan.dok innerhalb Bochums als Leihgabe auf Reisen gegangen und aktuell in der Ausstellung „Hundertsieben Sachen“ im Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte zu sehen.

Zur Ausstellung ist ein gleichnamiges Buch im Klartext Verlag erschienen. Darin enthalten der Beitrag „Schlagende Wetter und ein Kaiserbesuch in Bochum-Gerthe“ von Dr. Michael Farrenkopf, der das Gemälde in den Zeitkontext einordnet:

Rocholl
Foto: DBM/montan.dok


Theodor Rocholl: Besuch von Kaiser Wilhelm II. auf der Zeche Lothringen in (Bochum-)Gerthe anlässlich der Schlagwetterexplosion am 8. August 1912.

Öl auf Leinwand
Höhe: 205 cm
Breite: 233 cm
Tiefe: 6,5 cm

1914 - Depositum EBV GmbH, Hückelhoven
montan.dok 030006845001

Am 08. August 1912 hatte sich während der Frühschicht um 9.20 Uhr bei der Entzündung schlagender Wetter in 350 Metern Teufe auf der Schachtanlage I/II der Steinkohlenzeche Lothringen eine Explosion ereignet, welche bis heute zu den schwersten Grubenunglücken des Ruhrbergbaus zählt. Einen Tag später besuchte der damals anlässlich der Hunderjahrfeier der Firma Krupp im Ruhrgebiet weilende Kaiser Wilhelm II. das Zechengelände. Festgehalten wurde dieses Ereignis im Gemälde „Besuch von Kaiser Wilhelm II. auf der Zeche Lothringen in (Bochum-)Gerthe anlässlich der Schlagwetterexplosion am 8. August 1912“.

Zu dem Gemälde gibt es eine offensichtlich verschollene erste Fassung aus dem Jahr 1913 in einer Gouache mit dem Titel „Der Kaiser vor den Rettungsmannschaften der Zeche Lothringen“, die für die Leipziger „Illustrierte Zeitung“ bestimmt war.
Das ein Jahr später im Unternehmensauftrag angefertigte Gemälde, unser aktuelles Objekt auf Reisen, weist einige wichtige inhaltliche und kompositorische Veränderungen auf.

Abgesehen davon, dass Rocholl diese zweite Fassung in das für Historienbilder repräsentativere Querformat veränderte, rückte er die dargestellten Personen bedeutungsperspektivisch weiter in den Vordergrund. Wesentlich neu gestaltet und farblich besonders hervorgehoben wurde die Figur Wilhelms II., der nun die Reihe der weiterhin rechts angeordneten Retter abschritt und dem Bergmann Strauch zum Dank für seinen Einsatz die Hand schüttelte. Strauch hatte, wie sein Nachbar Thielker, als Zeichen der Ehrerbietung seinen Hut gezogen.Wesentlich geändert wurden in der zweiten Fassung die Anzahl und vor allem die Verteilung der dargestellten Personengruppen: Während sich die Gruppe der Rettungskräfte um sechs Personen verringerte, wuchs die Zahl der bürgerlichen Honoratioren um den Regierungs-Assessor von Kretschmann, den Oberbergrat Overthun sowie die Bergräte Höchst und Grassy weiter an. Indem so das ursprünglich ausgewogene Zahlenverhältnis zwischen der wirtschaftsbürgerlichen und bürokratischen Führungsschicht sowie der Bergarbeiterschaft in eine Zweidrittelmehrheit der erstgenannten Repräsentanten verändert wurde, waren für den zeitgenössischen Betrachter die Machtverhältnisse im wilhelminischen Kaiserreich aus einer monarchisch-konservativen Warte klar erkennbar.
Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass sich das Gemälde von Theodor Rocholl aus dem Jahr 1914 – es kann als erstes Historiengemälde in der Bildenden Kunst des Deutschen Reiches gelten, das sich dem Thema eines Grubenunglücks widmete – nachträglich dem wilhelminischen Gesellschaftsentwurf in besonderer Weise verpflichtet sah: Gerade im Angesicht der sozialpolitisch bedeutsamen Katastrophe im Ruhrbergbau als einem Leitsektor der Ökonomie des Kaiserreichs wurde Wilhelm II. als nationale Klammer stilisiert, die durch den Händedruck mit einem Bergarbeiter gleichsam die Klassengegensätze im Deutschen Reich am Vorabend des Ersten Weltkriegs überbrückte. Ein solches „Bild“ war im Besonderen auch für die Bergbau AG Lothringen als Auftrag gebendes Unternehmen in mehrfacher Hinsicht funktional.

Bis 1970 blieb das Gemälde in Bochum-Gerthe auf der Zeche Lothringen selbst beheimatet. Anschließend gelangte es nach Kohlscheid in die Hauptverwaltung der Eschweiler-Bergwerks-Verein AG (EBV), die bereits 1957 die Mehrheitsbeteiligung an der Bergbau AG Lothringen erworben hatte. Im Jahr 1999 ist das Gemälde schließlich vom EBV als Dauerleihgabe an das Deutsche Bergbau-Museum Bochum übergeben worden, welches es seither zumeist an prominenter Stelle in seinem Eingangsbereich ausgestellt hat.

Literaturhinweis: Farrenkopf, Michael: Schlagende Wetter und ein Kaiserbesuch in Bochum-Gerthe, in: Wölk, Ingrid (Hrsg.): Hundertsieben Sachen. Bochumer Geschichte in Objekten und Archivalien, Essen 2017, S. 286-295.

Informationen zur aktuellen Ausstellung: Die Ausstellung „Hundertsieben Sachen. Bochumer Geschichte in Objekten und Archivalien“ ist bis Juni 2018 im Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte zu sehen.
Zur Ausstellung ist ein gleichnamiges Buch im Klartext Verlag erschienen, in dem Michael Farrenkopfs Beitrag sowie die vieler anderer Bochumer Autorinnen und Autoren veröffentlicht wurden. Darunter auch Beiträge von DBM-Direktor Prof. Dr. Stephan Brüggerhoff und DBM-Forschungsbereichsleiter Prof. Dr. Thomas Stöllner.

01. Dezember 2017

Anschrift

Am Bergbaumuseum 28
44791 Bochum

Zentrale
Tel +49 (234) 5877 0
Fax +49 (234) 5877 111

Besucherinformation
Tel +49 (234) 5877 126/128
(außer montags)

Öffnungszeiten

Mo
geschlossen
Di-Fr
08.30-17.00 Uhr
Sa-So, Feiertage
10.00-17.00 Uhr
01. Jan, 01. Mai, 24.-26. und 31. Dez
geschlossen

Letzte Grubenfahrt 15.30 Uhr

Preise (gültig ab 28.11.2017)

Erwachsene
5,00 €
ermäßigt
2,00 €
Familienkarte
11,50 €
Jahreskarte
12,50 €
Familien-Jahreskarte
25,00 €
RUHR.Visitorcenter