Prähistorische Blei- und Silbergewinnung auf Ibiza

Prähistorische bis antike Blei-/Silbergewinnung auf Ibiza (Balearen, Spanien)

Die Montangeschichte Ibizas ist bisher nicht systematisch aufgearbeitet. Urkundlich wird ein Erzabbau erstmals 1374 erwähnt. Unser Ziel ist es, verschiedene Aspekte des prähistorischen Abbaus und des Handels zu untersuchen. In einer von der Fritz-Thyssen-Stiftung geförderten Vorphase des Forschungsvorhabens über vorrömische Blei- und Silbergewinnung auf Ibiza führten wir in zwei kurzen Kampagnen in den Jahren 2011 und 2012 die ersten Geländearbeiten durch. Zudem konnten wir einige phönizische und punische Objekte im archäologischen Museum der Stadt Ibiza beproben. In den darauffolgenden Jahren 2013 bis 2016 konnten gemeinsam mit dem Deutschen Archäologischen Institut, Madrid im Bergbaurevier S’Argentera kleine Sondagen durchgeführt werden. Dabei wurden die ersten konkreten Hinweise auf vorrömischen Erzabbau beobachtet.

Anhand der bleiisotopischen Zusammensetzung der beprobten Erze lassen sich, zunächst tendenziell, zwei Erzprovenienzen auf der Insel Ibiza erkennen: S’Argentera und Can Vincent. Diese setzen sich von den geologisch verwandten Lagerstätten auf der Iberischen Halbinsel, Almería und Cartagena, deutlich ab. Weiterhin belegen die bisherigen Analysen metallurgischer Artefakte vom Fundplatz Sa Caleta eine Verwendung einheimischer Erze schon in phönizischer Zeit. Ebenfalls zeichnet sich ab, dass dort gleichzeitig auch Blei aus Cartagena verarbeitet wurde, wahrscheinlich auch Blei aus der Sierra Morena. Die zeitliche Eingrenzung einer Besiedlung von Sa Caleta in das späte 7. bis frühe 6. Jahrhundert v. Chr. liefert somit einen indirekten Hinweis auf mögliche Bergbautätigkeit in vorrömischer Zeit auf der Insel.

Die bisherigen Ergebnisse werden derzeit zur Publikation vorbereitet. Außerdem sollen die Forschungen in einer Hauptprojektphase intensiviert werden. Hierzu ist ein mittelfristiges Forschungsprojekt in Planung, in dessen Rahmen nun die zeitliche Einordnung der prähistorischen Abbautätigkeit im Bergbaurevier von Ibiza genauer erfasst werden soll. Weiterhin wollen wir den Umfang dieser Abbautätigkeiten diachron untersuchen und in einen kulturhistorischen Kontext zum Rohstoffhandel im westlichen Mittelmeerraum setzen. Ziel ist es, das Verhältnis der Erz führenden Balearen und besonders der größeren Pityusen-Insel Ibiza, zur Iberischen Halbinsel und anderen Erzrevieren im westlichen Mittelmeer, etwa zur Insel Sardinien, näher zu betrachten. Der zeitliche Schwerpunkt dieser Untersuchung liegt dabei auf der vorrömischen, genauer auf der phönizisch-punischen Periode.


Projektleiter

Prof. Dr. Unsal Yalcin

Teammitglieder DBM

Dr. Michael Bode

Projektträger

Deutsches Bergbau-Museum Bochum, Forschungsbereich Archäometallurgie

Deutsches Archäologisches Institut

Kooperationspartner

Dr. Marcus Heinrich Hermanns, Deutsches Archäologisches Institut

Laufzeit

seit 2010


Veröffentlichungen

  • M. H. Hermanns, Bleibarrenfund vor der Nordwestküste von Ibiza (Balearen, Spanien). Überlegungen zum Bleihandel in vorrömischer Zeit, Madrider Mitt. 51, 2010, 184-221.
  • M. H. Hermanns, M. Prange & Ü. Yalçın, Pre-Roman mining on Ibiza. In: A. Hauptamann et al. (Hrsg.), Internat. Conf. Archaeometallurgy in Europe III. Deutsches Bergbau-Museum, Bochum June 29th - July 1st 2011. Abstracts, Metalla. Sonderheft 4, 2011, 132.