Ancient mining and metallurgy at the West Central Plateau

Teilprojekt Veshnaveh: Bronzezeitliche Kupfergewinnung und frühgeschichtlicher Opferplatz

Ancient mining and metallurgy at the West Central Plateau

Der Iran ist reich an Lagerstätten, die für die Hochkulturen des Zweistromlands große Bedeutung hatten, weil sie selbst keine ausreichenden Erzressourcen besaßen. Bisher gab es nur wenige Ansätze, die Kenntnislücke zur primären Rohstoffgewinnung zu schließen. Diese bezogen sich auch nur auf die vor- und frühislamische Zeit und fanden 1978 mit dem Ausbruch der Iranischen Revolution ein abruptes Ende.

Das im Jahr 2000 vom Deutschen Archäologischen Institut (DAI), der Berguniversität Freiberg und dem DBM zusammen mit iranischen Stellen initiierte Projekt "Ancient Mining and Metallurgy" war demnach ein echter Neubeginn. Ziel war es, Aktivitätsmuster der regionalen Metallversorgung, ihre technischen und wirtschaftlichen Strukturen, in der Zeit vom 4. bis zum Ende des 2. Jahrtausends v. Chr. aufzuklären.
Initiiert durch Erzfunde bei Ausgrabungen des DAI im Dorf Arisman, ca. 200 km südlich von Teheran gelegen, wurde das DBM eingebunden. Zusammen mit iranischen Partnern forschen wir zur Herkunft des Erzes. Der Fokus lag dabei auf Veshnaveh, das ca. 150 km südlich von Teheran entfernt ist, und seinen umliegenden drei prähistorischen Grubenrevieren: Laghe Morad, Mazrayeh und Chale Ghar. Dort führten wir nach einer ersten Survey- und Vermessungskampagne montanarchäologische Ausgrabungen durch. Lagerstättenkundliche Kartierungen, archäobotanische Untersuchungen, Radiokarbondatierungen, Tierknochenanalysen ergänzten unsere Feldarbeiten. Es galt, die Grubenbaue zu datieren, sowie die Gewinnungstechnik und Arbeitsabläufe vor Ort zu klären. Weiterhin beschäftigten uns Fragen zur allgemeinen Betriebsführung – etwa zur Saisonarbeit in den Grubenbauen –, zur Herkunft und Nutzung von Ressourcen wie Holz und Steinmaterial für die Steinschlägel oder zu den Transportwegen.
Die archäologischen Feldarbeiten konzentrierten sich auf eine systematische Erfassung der heute noch zugänglichen Gruben: In mehreren Fällen untersuchten wir Gruben vollständig, in anderen Fällen gelang es durch Sondagen, die Zeitstellung des Abbaus zu klären. Dabei zeigte sich eine komplexe Verzahnung von prähistorischer Abbautätigkeit und zeitgleicher, wie auch jüngerer Siedlungstätigkeit in und vor den Gruben. Anhand naturwissenschaftlicher Daten konnten wir verschiedene Nutzungsphasen zuverlässig zwischen dem frühen 3. und dem späten 2. Jahrtausend v. Chr. datieren.
Als sensationell erwies sich die Entdeckung eines frühgeschichtlichen Opferplatzes in einem unter Wasser stehenden Teil der Grube 1 des Reviers von Chale Ghar. Die Erforschung dieser Kultstätte wurde von der DFG gefördert. Somit gelang im Iran erstmals der Nachweis eines mit Wasser und vermutlich Fruchtbarkeit verbundener Ritus. Dieser wurde von einer ländlichen Bevölkerung, wahrscheinlich aus dem alten Veshnaveh, ab der ersten Hälfte des 1. Jahrtausends v. Chr. bis in frühislamische Zeit hinein ausgeübt. Er ist für das Verständnis der lokalen zoroastrischen Religion von größter Bedeutung.
Seit 2005 arbeitet ein Team aus deutschen und iranischen Wissenschaftlern die zahlreichen Grabungsbefunde auf. Einen besonderen Schwerpunkt stellen dabei die in den Gruben 1 und 2 nachgewiesenen rituellen Plätze mit ihren tausenden Funde dar. Vor allem die Konnotation mit Wasser hat dabei vielfach zu Diskussionen zum religionsgeschichtlichen Hintergrund des nachgewiesenen Opferrituals geführt. So konnte zusammen mit Iranisten, Archäologen und Historikern im Jahr 2008 ein Workshop in Bochum organisiert werden, der diese Fragen im Detail diskutierte. Auch die Fundmaterialien wurden schließlich detailliert von Aydin Abar (Magisterarbeit Berlin 2008) und Natascha Bagherpour-Kashani (Dissertation Bochum 2011) besprochen und ausgewertet. Die Untersuchungen zur Archäozoologie führen Monika Doll aus Tübingen, jene zur Archäobotanik Rainer Pasternak aus Kiel durch.


Zugehöriges Projekt

Die Salzmänner von Zanjan


Projektträger

Deutsches Bergbau-Museum Bochum

Förderung

Wilhelm Mommertz Stiftung

Deutsches Bergbau-Museum Bochum

Deutsche Forschungsgemeinschaft

Kooperation

Deutsches Archäologisches Institut, Eurasien-Abteilung

TU Bergakademie Freiberg, Institut für Archäometrie

Research Centre of Conservation of Cultural Relicts (RCCCR)

Iranian Cultural Heritage Organization (ICHO)

Geological Survey of Iran (GSI)

Ruhr-Universität Bochum

Laufzeit

2000 - 2005

Abschlusspublikation für 2014 geplant



Veröffentlichungen