Wissensspeicher Industriekultur:

Transdisziplinäre Erforschung und Vermittlung - Objekte regionaler Industriekultur (RETRIEVAL-ObRIK)

Eine immense Vielfalt an Objekten unterschiedlicher Funktion, Dimension und materialtechnischer Ausformung zeugen in Museen und bürgerschaftlich gepflegten Sammlungen von der Industriekultur. In hoher Dichte sind ihnen Wissen aus naturwissenschaftlicher, technischer und formalästhetischer Forschung und Entwicklung immanent. Auch belegen sie ökonomische und politische Strömungen sowie entstehende und vergehende gesellschaftliche Bedürfnisse und den kollektiven Willen, diesen zu entsprechen durch Einbindung großer Anteile des soziokulturellen Potentials in die dafür notwendige Arbeit. Die Spuren der Herstellung, Nutzung und Alterung sind den Objekten eingeprägt. Es sind zeitgleich vorhandene nonverbale Informationen aus unterschiedlichen Zeiten, die das Faszinierende, ja für viele Rezipienten Berührende dieser Objekte, die die Herkunft unserer modernen Lebenswelt belegen, ausmachen. Werden sie in ihrem authentischen Zustand belassen, öffnen sie den Rezipienten zeithistorische Räume – ein selten bewusst wahrgenommenes Phänomen.

Das Projekt geht der Frage nach, wie die mehr atmosphärisch als konkret fassbaren nonverbalen Aspekte der Objekte in transdisziplinärer Methodik anhand der materiellen Gegebenheiten, der „tangibles“, wissenschaftlich erfasst und in ihren komplexen historischen und aktuellen Bedeutungsebenen geisteswissenschaftlich durchdrungen werden können. Um den Quellenwert des kulturhistorischen Objekts zugänglich zu machen, dienen empirisch erfasste Daten, wie maßgenaue Zeichnungen und Kartierungen, 3D-Visualisierungen sowie materialanalytische Daten als Basis für eine Erkenntnisfolge durch den Abgleich mit analytisch gewonnenen archäometrischen Daten sowie Schriften. Eingebunden sind die Fachgebiete der Denkmalpflege und Archäologie, Technik-, Film-, Foto- und Kunstgeschichte, der Natur- und Ingenieurwissenschaft, der Konservierungs- und Restaurierungswissenschaft sowie der Fotografie und des Kommunikationsdesigns.
Kooperierende Partner stellen ihre Objekte für die exemplarische Erforschung zur Verfügung. Seitens des DBM werden es im Wesentlichen montanhistorisch bedeutsame Atemschutzgeräte als Sachzeugen in den Musealen Sammlungen des montan.dok sein. Eine publizierte Theorie und Methode zur Erforschung und Kontextualisierung von industriehistorischen Objekten wird das wissenschaftliche Ergebnis sein. Die Ergebnisse des Projekts werden mit kommunikationstechnischer Kompetenz in einheitlicher Gestaltung (populär-) wissenschaftlich zugänglich gemacht. Sie werden verbreitet und verstetigt durch einen partizipatorischen und crossmedialen Ansatz, der Akteure und Rezipienten in kommunikative Prozesse integriert sowie an Retrieval und Vermittlung auf Basis verschiedener Medienkanäle beteiligt. Eine dezentrale Präsentation wird sich nach der Projektlaufzeit anschließen.


Projektträger

Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Studiengang Restaurierung / Prof. Ruth Keller

Förderung

Deutsches Bergbau-Museum Bochum

(später DFG, BMBF)

Kooperation

Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Studiengang Restaurierung (Technisches Kulturgut)

Ruhr-Universität Bochum, Lehrstuhl für Technikgeschichte / Prof. Dr. Helmut Maier

Laufzeit

2013 ff.