Der Siedlungsraum Sopron als wirtschaftlicher und kultureller Knotenpunkt der Ostkelten

Der Siedlungsraum Sopron als wirtschaftlicher und kultureller Knotenpunkt der Ostkelten

Der spätbronze- bis eisenzeitliche Kulturraum Sopron nimmt sowohl kulturell als auch geografisch am Schnittpunkt wichtiger Verkehrswege eine Schlüsselposition zwischen Nord- und Süd- („Bernsteinstraße“) sowie Südost- und Mitteleuropa ein. Daher finden sich dort auch in der Spätbronze- und Eisenzeit, also der vorkeltischen und keltischen Periode, wichtige Fundplätze, die weite und überregionale Verbindungen und Bedeutung besessen hatten. An diesem Siedlungsraum dokumentieren sich eindringlich die weiten überregionalen Kulturbeziehungen im frühen Keltentum ebenso wie etwa in der späten Bronzezeit, die aus der besonderen Siedlungsgunst, der Verkehrslage der Region und dem Handel mit Rohstoffen, Halb- und Fertigprodukten resultieren.

Ein deutsch-ungarisches Arbeitsteam hatte sich im Jahr 2000 dazu entschlossen, diese Forschungsregion wieder intensiv in den Blick zu nehmen. Dabei sollte der vorgeschichtliche Siedlungsplatz von Sopron mit Gräberfeld aufgearbeitet werden. Die Aufarbeitung der Grabungsergebnisse der Siedlung Sopron-Krautacker gehört zu einem Markstein innerhalb von Forschungsvorhaben, die seit Jahrzehnten in der Bundesrepublik Deutschland, Österreich, Ungarn und Tschechien zu einer immensen Ausweitung des archäologischen Kenntnisstandes in Bezug auf die Wirtschaft der Kelten geführt haben. Die ökonomischen Grundlagen und ihr Einfluss auf die Kultur- und Sozialentwicklung werden als wesentliche Ursachen für historischen Wandel und Ereignisse angesehen; vorindustrielle Züge keltischer Wirtschaft treten in Siedlungen wie Sopron deutlich hervor und dokumentieren etwa 500 Jahre europäischer Wirtschafts- und Kulturentwicklung.
Die Bearbeitung des umfangreichen Gesamtkomplexes wurde in Einzelthemen unterteilt und wurde im Zuge von Magisterarbeiten bzw. Dissertationen durch Nachwuchswissenschafter an der Philipps-Universität Marburg realisiert. Der Fachbereich Montanarchäologie beschäftigte sich in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Archäometallurgie mit den Funden aus der Metallverarbeitung in der Siedlung (Schmieden, Abfälle der Buntmetall- und Eisenverarbeitung usw.) und nahm die deutsche Projektkoordination war. Ersteres ist ein montanarchäologisch interessantes Vorhaben, liegen doch im Hinterland des Soproner Beckens wichtige Eisenerzlagerstätten etwa in der Oberpullendorfer Bucht. Eisenverhüttung spielte hier auch ab dem frühen Mittelalter (Awaren- und Arpadenzeit) eine große wirtschaftliche Rolle. Zur Bearbeitung der vielfältigen Themen (eisenzeitliche Siedlung, Töpferei, urnenfelderzeitliches Gräberfeld und Siedlung u.a.) wurde ein Wissenschaftleraustausch zwischen mehreren deutschen Universitäten und Forschungseinrichtungen und der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, Institut für Archäologie, durchgeführt.


Abgeschlossene Dissertationen

Franka Schwellnus
Die Siedlung von Sopron-Krautacker (Westungarn) in der Späthallstatt- bis Frühlatènezeit

Manuel Zeiler
Die jüngerlatènezeitliche Siedlung von Sopron-Krautacker (Westungarn)



Projektträger

Deutsches Bergbau-Museum Bochum

Förderung

Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD)

Magyar Ösztondíj Bizottság (MÖB)

Laufzeit

2001 - 2004

Abschlusspublikation in Vorbereitung



Veröffentlichungen

  • J. Gömöri, Castrum Supron. Sopron vára és környéke az Árpád-korban (Sopron 2002).
  • B. Havasi, Sopron-Várhely (Burgstall). In: E. Jerem (Hrsg.), Exkursionsführer Tagung der AG Eisenzeit in Sopron 10.-13. Oktober 2002 (Budapest 2002) 5-6.
  • E. Jerem, Sopron-Krautacker (Kom. Győr-Sopron). Arch. Ért. 104, 1977, 263.
  • E. Jerem, Sopron-Krautacker (Kom. Győr-Sopron). Arch. Ért. 107, 1980, 240.
  • E. Jerem, Sopron-Krautacker (NW-Wohnviertel) (Kom. Győr-Sopron). Arch. Ért. 108, 1981, 263-264.
  • E. Jerem, Bemerkungen zur Siedlungsgeschichte der Späthallstatt- und Frühlatènezeit im Ostalpenraum. Veränderungen in der Siedlungsstruktur: archäologische und paläoökologische Aspekte. In: Hallstattkolloqium Veszprém 1984 (Budapest 1986) 107-118, 363-365.
  • 1987/88: E. Jerem, Sopron-Krautacker (Kom. Győr-Sopron). Arch. Ért. 114-115, 1987-1988, 263.
  • E. Jerem, The Sopron-Krautacker settlement. In: The Celts (Venezia 1991) 379.
  • E. Jerem, Iron Age horse burial at Sopron-Krautacker (NW Hungary). Aspects of trade and religion. In: Man and the animal world. Studies in Archaeozoology, Archaeology, Anthropology and Palaeolinguistics in memoriam Sándor Bökönyi (Budapest 1998) 319-334.
  • E. Jerem / J. Kardos / L. Kriston / O. Morozová / T. Träger / K. Zimmer, Scientific investigations of the Sopron-Krautacker Iron Age pottery workshop. Archaeometry 27/1, 1985, 83-93.
  • E. Jerem / M. Balla / L. Balázs, Early Celtic stamped pottery in the Eastern Alpine Area: Workshop activity and trade. In: Archaeometrical Research in Hungary II (Budapest, Kaposvár, Veszprém 1998) 85-95.
  • E. Jerem / G. Facsar, Zum urgeschichtlichen Weinbau in Mitteleuropa, Rebkernfunde von Vitis vinifera L. aus der urnenfelder-, hallstatt- und latènezeitlichen Siedlung Sopron-Krautacker. In: Urgeschichte – Römerzeit – Mitelalter. Materialien zur Archäologie und Landeskunde des Burgenlandes 1. Festschrift für Alois-J. Ohrenberger (Eisenstadt 1985) 121-143.
  • F. Schwellnus, Die Siedlung von Sopron-Krautacker (Westungarn) in der Späthallstatt- bis Frühlatènezeit (Diss. Philipps-Universität Marburg 2009).
  • F. Schwellnus, Pintadere: Überblick über die Fundgruppe der Tonstempel ausgehend von zwei Funden aus Sopron-Krautacker (Westungarn). Arch. Korrbl. 40, 2010, 207-226.
  • F. Schwellnus, Die Siedlung von Sopron-Krautacker (Westungarn) in der späten Hallstatt- und frühen Latènezeit. Arch. Korrbl. 41, 2011, 359-373.
  • M. Zeiler, Die jüngerlatènezeitliche Siedlung von Sopron-Krautacker (Westungarn) (Diss. Philipps-Universität Marburg 2009).
  • M. Zeiler, Rekonstruktion von Töpfereien der jüngeren vorrömischen Eisenzeit (Ha D-Lt D) In: Architektur: Interpretation und Rekonstruktion. Beiträge zur Sitzung der AG Eisenzeit während des 6. Deutschen Archäologie-Kongresses in Mannheim 2008 (Langenweißbach 2009) 263-280.
  • M. Zeiler, Untersuchungen zur jüngerlatènezeitlichen Keramikchronologie im östlichen Mitteleuropa (Rahden/Westfalen 2010).
  • M. Zeiler, Die Siedlung von Sopron-Krautacker (Westungarn) in der jüngeren Latènezeit. Arch. Korrbl. 41, 2011, 375-394.
  • M. Zeiler / P. C. Ramsl / E. Jerem / J. V. S. Megaw, Stempelgleiche Frühlatène-Keramik zwischen Traisental und Neusiedlersee. In: Relics of Old Deceny: archaeological studies in later prehistory. Festschrift for Barry Raftery (Dublin 2009) 259-276.