Die Hellwegzone: Technologie- und Rohstofftransfer zwischen römischem Reich und „Germanen“

Die Buntmetallfunde von Kamen-Westick: Eine Studie zu Metallimporten, Umgang mit Metall und Recycling

Im Zentrum der Dissertation steht die Siedlung der römischen Kaiserzeit von Kamen Westick, die in der Hellwegzone liegt. Der Begriff Hellwegzone umschreibt das Gebiet zwischen Ruhr und Lippe in Nordrhein-Westfalen und leitet sich von der historischen Handelsroute ab.

In der jüngeren römischen Kaiserzeit bestanden in dieser Region mehrere Siedlungen, in denen zahlreiche römische Importe vorgefunden wurden. Ihren chronologischen Zenit erreichten sie im 4. und frühen 5. Jahrhundert n. Chr. In Kamen-Westick fanden erstmals 1926 archäologische Untersuchungen statt. Weitere wissenschaftliche Untersuchungen wurden in den 1930er Jahren und im Zeitraum zwischen 1998 und 2001 sowie 2005 unternommen. Die Siedlung entstand im Zusammenfluss der Seseke, einem Nebenfluss der Lippe, und der Körne. Zu den zahlreichen Siedlungsbefunden gehören u.a. drei größere Hausbauten, zahlreiche Pfosten- und Abfallgruben, Brunnen und Eisenverhüttungsreste.
Zum Fundmaterial der Siedlung zählen u.a. Tierknochen, römische und germanische Tonscherben und Metallobjekte. Unter den Buntmetallartefakten befinden sich mehr als 100 römische und germanische Fibeln, die vom 1.-5. Jahrhundert datieren. Am zahlreichsten sind die Fibeln mit kastenförmigem Nadelhalter vertreten. Hinzu kommen Haarnadeln, ca. 1500 römische Münzen, Gürtelbestandteile, Fragmente römischer Gefäße, römische Militaria und Alltagsgegenstände.
Die kaiserzeitlichen Fundstücke Edel- und Buntmetallfunde sollen erstmals ausgewertet und vorgelegt werden. Von besonderem Interesse ist das Spektrum der römischen Importstücke. Wann führten römisch-germanische Kontakte zu einem Importstrom in die Hellwegzone und wie gelangten die Stücke in den Besitz der Germanen? In der Dissertation soll außerdem untersucht werden welchen Zugang die Bewohner dieser Siedlung zu Metallen und welchen Wert diese hatten? Wer hatte Zugriff zu den Metallimporten und damit auch zu Rohstoffen? Waren es einzelne in der Bevölkerung oder hatte ein größerer Teil der Bewohner Zugang zu den römischen Gütern?
Zerschnittene römische Gefäßfragmente, Tiegel und Schmelzreste zeugen von einer Buntmetallverarbeitung vor Ort, deren Basis das Recycling römischer Objekte war. Es soll geklärt werden, wie der Recyclingprozess ausgesehen hat. Was wurde eingeschmolzen? Wurden zu bestimmten Zeiten bevorzugte Legierungen für Gegenstände genutzt? Sind bei der Herstellung germanischer Objekte römische Techniken miteingeflossen? Die Fragen werden interdisziplinär durch archäologische, historische und naturwissenschaftliche Methoden geklärt.


Kontakt

Patrick Könemann / Ruhr-Universität Bochum

Projektträger

Deutsches Bergbau-Museum Bochum

Ruhr-Universität Bochum

Laufzeit

2011 - 2014



Veröffentlichungen

  • Könemann, P., 2013. Political and cultural approaches for the procurement and use of raw materials concerning Germanic groups. Metalla 20.2, pp. 68-74.