Laurion: montan- und siedlungsarchäologische Studien zum attischen Revier in Vorgeschichte und Antike

Das Laurion, eines der bedeutendsten Montangebiete der griechischen Antike, war schon früh Gegenstand der archäologischen Forschung. Die Bergwerke dieser in Südostattika gelegenen Region gewannen mit Beginn der Münzemission der berühmten „athenischen Eulen“ in spätarchaischer Zeit zunehmend an wirtschaftlicher Bedeutung für die Polis Athen: Die Ausbeutung der Silberminen ermöglichte nicht nur den Flottenbau zur Abwehr der persischen Invasion, sondern trug auch entscheidend zum Aufstieg Athens zu einem der wichtigsten Machtzentren dieser Zeit bei.

Die zahlreichen, außerordentlich gut erhaltenen Monumente, die die antiken Abbau-, Aufbereitungs- und Verhüttungstätigkeiten umfassend dokumentieren, bieten eine hervorragende Quelle sowohl für die Erforschung der antiken Technik, als auch für sozial- und wirtschaftshistorische Fragestellungen.

Trotz dieser weithin bekannten und durch die antiken Schriftquellen überlieferten Bedeutung des Laurion sowie der Fülle von Monographien und Artikeln zu diesem Thema ist das wissenschaftliche Erkenntnispotenzial dieses bedeutenden Montanreviers noch lange nicht ausgeschöpft. Drei Jahrzehnte nach der Veröffentlichung der grundlegenden Monographie „Le Laurium antique“ von K. Konophagos versprechen Sichtung und Auswertung der seither durchgeführten Detailuntersuchungen wichtige neue Erkenntnisse. Eine kritische Auseinandersetzung mit vorherrschenden Lehrmeinungen unter neuen Gesichtspunkten und mit neuen Methoden scheint überfällig.

Besonders das Nebeneinander von Bergbau und Landwirtschaft im Laurion, das in der Forschung bisher kaum Beachtung fand, soll mit den Methoden der modernen Siedlungsarchäologie eingehender untersucht werden und bildet einen Forschungsschwerpunkt, der epochenübergreifende Erkenntnisse für die Wirtschafts- und Sozialgeschichte Attikas verspricht. Exemplarische Kartierungen bestimmter Areale sollen eine differenzierte Analyse der Raumnutzung und des Lagebezuges der verschiedenen technischen Installationen zueinander ermöglichen.

Zwar stammen viele der heute noch sichtbaren Überreste aus der klassischen Epoche, doch bemerkte bereits Xenophon im ausgehenden 4. Jh. v. Chr., dass schon zu seiner Zeit nicht mehr bekannt war, wann die Ausbeutung der Bergwerke im Laurion begann. Gerade für die frühe Zeit bieten die Möglichkeiten einer eingehenden archäologischen Erforschung große Chancen und versprechen einen nicht zu unterschätzenden Erkenntnisgewinn.
Seit der erneuten Verhüttung der antiken Schlacken und der Wiederaufnahme des Bergbaus im 19. Jh. sowie dem großflächigen Sommerhausbau im 20. Jh. sind die Hinterlassenschaften dieses einzigartigen Montanreviers in ihrem Bestand stark geschrumpft. Da die antike Kulturlandschaft des Laurion heute stärker denn je bedroht ist, scheinen weitere Anstrengungen zu einer archäologischen Erforschung dringend geboten.


Dissertation

Sophia Nomicos / Ruhr-Universität Bochum

Betreuer

Prof. Dr. Hans Lohmann / Ruhr-Universität Bochum

Prof. Dr. Ernst PernickaErhard-Karls-Universität Tübingen

Prof. Dr. Thomas Stöllner

Projektträger

Deutsches Bergbau-Museum Bochum

Ruhr-Universität Bochum

Laufzeit

2011 - 2014



Veröffentlichungen

  • Nomicos, S., 2013. Laurion: : Some remarks on the settlement pattern and the “helicoidal washeries”. Metalla 20.2, pp. 25-27.