Silber und Silberwirtschaft in Haithabu

Richtete sich die Wirtschaft des Baltikums vor dem 10. Jahrhundert auf Russland und Zentralasien aus, so wandte sie sich nun viel stärker dem Westen zu: auf das angelsächsische England und die germanischen Reiche.

Der wikingerzeitliche Handelsplatz Haithabu liegt im Schnittbereich dieser Wirtschaftsräume. Daher bietet sich der Fundort für eine Erforschung der wirtschaftlichen Neuorientierung an, deren Auslöser Wissenschaftler im Zusammenhang mit einer zunehmenden Verbreitung von Silber sehen. Daher ist es das Ziel des Promotionsvorhabens, Silberfunde im Hinblick auf die Herkunft des verwendeten Silbers zu untersuchen. Vergleichende Analysen werden in erster Linie an Münzen aus Haithabu, Zentralasien und Westeuropa vorgenommen. Bleisotopenanalysen und die chemische Zusammensetzung eines Fundobjekts können Aufschluss über den Austausch von Metallen geben. Somit tragen die Ergebnisse zum weiteren Verständnis der Silberwirtschaft im 10. und frühen 11. Jahrhundert bei. Außerdem wird die Verarbeitung und Veredelung von dem in Haithabu entdeckten Silber untersucht, um so Informationen über den Wert und den Reinheitsgrad des Metalls zu gewinnen. Die geplante Arbeit baut auf bisherigen Forschungsergebnissen und dem Einsatz archäometallurgischer Methoden auf. Für die Charakterisierung der Bleiisotopen-Signaturen ausgewählter Silbergegenstände Nordeuropas und Zentralasiens wird zusätzlich die Massenspektronomie (MC-LA-ICP-MS) angewandt. Sie ist eine viel versprechende Untersuchungsmethode, bei der mikroskopisch kleine Proben von Gegenständen genügen, um Informationen über die Isotopenzusammensetzung zu erhalten. Mit deren Hilfe können zuverlässig Silber- und Bleiablagerungen bestimmt werden.
Die Isotopenanalysen werden an etwa 200 Silbermünzen Zentralasiens, Deutschlands und Englands durchgeführt. Hierfür bieten sich Emissionen von 7 – 10 Prägestätten an. Deren Auswahl richtet sich nach ihrer politischen und wirtschaftlichen Bedeutung im Fernhandel mit dem Nord- und Ostseeraum, ihrer Rolle in der Wirtschaft Haithabus und/oder ihrer Nähe zu bekannten oder vermuteten Bergbauregionen. Zusätzlich werden ungefähr 30 Funde (Barren, Kupellen und Metallbruchstücke) aus Haithabu, die in Zusammenhang mit Silber- und Bleimetallurgie stehen, untersucht, um so gegebenenfalls die Verarbeitung und Veredelung von Silber mit lokalen Prägungen von Haithabu verbinden zu können. Die geplanten Analysen sind erste Schritte zu einem tieferen Verständnis im Hinblick auf die Gewinnung von und den Handel mit Silber in der Wikingerzeit.


Dissertation

Stephen William Merkel

Projektträger

Deutsches Bergbau-Museum

Laufzeit

2011 - 2014



Veröffentlichungen

  • Merkel, S., Hauptmann, A.,Hilberg, V. and Lehmann, R., (in press). Isotopic Analysis of Silver from Hedeby and some nearby Hoards: Preliminary Results. In: Eriksen, M.H. et al. (Ed.), Viking Worlds: Things, Spaces, and Movement. Conference Proceedings from the Viking Worlds, 12.-13.03.2013 in Oslo. Oxford: Oxbow Books.
  • Merkel, S., 2013. The relationship of hacksilver and minting in 10th century Southern Scandinavia.’ Metalla 20.2, pp. 75-79.
  • Merkel, S., Sverchkov, L., Hauptmann, A., Hilberg, V., Bode M. and Lehmann, R., 2013. Analysis of Slag, Ore and Silver from the Tashkent and Samarkand Areas: Medieval Silver Production and the Coinage of Samanid Central Asia. Archäometrie und Denkmalpflege 2013. Metalla Sonderheft 6, pp. 62-66.
  • Merkel, S., Hauptmann, A., and Hilberg, V., 2012. Analysis of Technical Ceramics from Haithabu: Gold and Silver-smithing in the Viking Age. Archäometrie und Denkmalpflege 2012. Metalla Sonderheft 5, pp. 106-109.
  • Merkel, S. and Rehren, Th., 2007. Parting layers, ash-trays, and Ramsesside glassmaking: an experimental study. In: E.B. Pusch and Th. Rehren (Hrsg.), Hochtemperatur-technologie in der Ramses-Stadt- Rubinglas für den Pharao. 2007, Hildesheim: Gerstenberg-Verlag, pp.201-221.