Römischer Bergbau im Kosovo

Römischer Bergbau im Kosovo

Blei und Silber für Ulpiana

Südlich der Hauptstadt des Kosovo, Priština, liegt die römische/spätantike Stadt Ulpiana, ein Zentralort der römischen Provinz Moesia Superior. Das Archäologische Institut des Kosovo (Instituti Arkeologjik i Kosovës), das Kosovo Museum (Museu i Kosovës) und die Römisch-Germanische Kommission in Frankfurt (RGK) arbeiten seit 2008 in einem gemeinsamen Projekt an der Erforschung der antiken Stadt Ulpiana.

Aufgrund von Inschriften ist bekannt, dass sich in der Region ein römischer Metallbezirk befand. Seit 2009 finden Surveys zusammen mit dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum statt; archäometallurgische Analysen werden in Zusammenarbeit mit dem geochemischen Labor der Goethe-Universität Frankfurt durchgeführt. Das Ziel der Untersuchungen bestand darin zu klären, ob und in welchem Umfang noch Überreste des römischen Bergbaus erhalten sind.
Bei den Surveys entdeckten wir Verhüttungsplätze unterschiedlicher Zeitstellung (von der römischen Zeit bis zum Mittelalter) und Überreste von Bergbau. Als Hauptfundplatz stellte sich Shashkoc heraus, ein ca. 10-15 km südöstlich von Priština gelegenes Bergbauareal, das sich im Bereich des Eisernen Hutes befindet. Zahlreiche große Halden, Pingen sowie einige Mundlöcher von relativ kleinen Gruben, die sich z. T. noch befahren lassen, zeugen von einer lange andauernden Nutzung.
Im direkten Umfeld des Bergbaus, teilweise auf den Halden, fanden wir Ambosssteine, die zur Zerkleinerung der Erze dienten. Einige in den anstehenden Fels eingetiefte „Wannen“ können ebenfalls Pochplätze sein, zumindest zwei dieser Wannen besaßen einen Zulauf; hier wurden die Erze vermutlich gewaschen.
Ausgebeutet wurde eine polymetallische Lagerstätte, die bisherigen Funde deuten auf den Abbau vor allem von Blei-/Silbererzen hin. Keramikfunde und ein vor Ort entdecktes Bergeisen zeigen, dass hier seit römischer Zeit bis ins Mittelalter hinein Bergbau betrieben wurde. Damit konnte eines der Bergbaureviere identifiziert werden, die Ulpiana mit Rohstoffen versorgt haben.
Geplant sind weitere Prospektionen, archäologische Ausgrabungen im Bergbauareal und auf Verhüttungsplätzen in der Region sowie materialkundliche Analysen. Ein Ziel besteht darin, die Lagerstätte näher zu charakterisieren, die verschiedenen Nutzungsperioden voneinander zu trennen und vor allem, den Bergbau selbst zu untersuchen, um seinen Umfang und seine Bedeutung zu erfassen.


Projektträger

Deutsches Bergbau-Museum Bochum, Forschungsbereich Montanarchäologie

Kooperationspartner

Dr. Guntram Gassmann, Fa. ARGUs, Tübingen

Dr. Enver Rexha, Milot Berisha M.A., Archaeological Institute of Kosova, Prishtina

Prof. Dr. Friedrich Lüth, Deutsches Archäologisches Institut

PD. Dr. Felix TeichnerVorgeschichtliches Seminar, Philipps-Universität Marburg

Laufzeit

seit 2013



Veröffentlichungen