Die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl in den strategischen Überlegungen der Unternehmen des Ruhrbergbaus

 

Im Rahmen der Gründung der sogenannten Montanunion im Jahr 1952 verloren die Unternehmen des Ruhrbergbaus Teile ihrer Entscheidungshoheit über die Bereiche Preisbildung, Investitionen, Produktion und Außenhandel an die Hohe Behörde, das Exekutivorgan der EGKS.
Die EGKS gilt als Wurzel der europäischen Integration, zugleich wird häufig die institutionelle Schwäche der Hohen Behörde betont.

Im Mittelpunkt des vorgeschlagenen Projektes steht die Rolle der EGKS für die Entwicklung des Ruhrbergbaus bis zum Ende der 1960er Jahre. Gefragt wird, inwieweit die Bergbauunternehmer an der Ruhr versuchten, sich die supranationale Organisation zu Nutze zu machen, um eigene Ziele zu erreichen und inwieweit diese Bemühungen von Erfolg gekrönt waren. Die Fragestellung fußt auf der Annahme, dass die Hohe Behörde – das Exekutivorgan der EGKS – sich häufig nicht gegen nationale oder unternehmerische Interessen durchzusetzen vermochte. Die Beziehung zwischen der supranationalen Behörde und den Unternehmen des Ruhrbergbaus kann als Prinzipal-Agenten-Problem begriffen werden. Über eine Analyse von Seite der Agenten her, deckt deren Durchsetzungskraft gegenüber dem Prinzipal – der Hohen Behörde der EGKS – auf.

Das institutionenökonomische Prinzipal-Agenten-Modell geht davon aus, dass der Agent dem Prinzipal gegenüber einen Informationsvorsprung inne hat, welchen er ausnutzt, um seine eigenen Ziele zu erreichen. Der Prinzipal sieht sich also mit einem Kontrollproblem konfrontiert. Dies wirft die Frage auf, wie die EGKS versuchte ihre Interessen gegenüber den privatwirtschaftlichen Unternehmen des Ruhrbergbaus durchzusetzen und wie diese versuchten, sich den getroffenen Maßnahmen zu entziehen. Zu prüfen ist dabei, ob und in welchem Maße die Ruhrindustriellen die institutionelle Schwäche der EGKS bewusst ausnutzten, um diese zur Erreichung ihrer Ziele zu instrumentalisieren und inwieweit sich die diesbezügliche Strategie der Unternehmer des Ruhrbergbaus in Boom und Krise unterschied. Daraus resultierend fragt die Studie nach dem Machtverhältnis zwischen EGKS und den Unternehmern des Ruhrbergbaus und will analysieren, inwieweit letztere die supranationale Behörde als strategisches Instrument zu nutzen vermochten.

Die quellenbasierte empirische Analyse stützt sich für die Seite der Agenten auf archivalische Überlieferungen einzelner Unternehmen des Ruhrbergbaus, um deren Ziele mit den wirtschaftspolitischen Grundsätzen der EGKS und der Umsetzung dieser Ziele durch die Hohe Behörde abzugleichen.

Auch wenn die Bewertung der Arbeit des EGKS nicht das explizite Ziel der vorgeschlagenen Untersuchung ist, so wird implizit auch der Erfolg der Hohen Behörde bei der Durchsetzung ihrer Interessen gegenüber gegebenenfalls divergierenden Zielen privatwirtschaftlicher oder nationaler politischer Akteure betrachtet werden.


Projektleiter

Dr. Lars Bluma

Projektträger

Deutsches Bergbau-Museum Bochum

Förderung

RAG-Stiftung

Kooperationspartner

Ruhr-Universität Bochum

Laufzeit

seit 2015