Prähistorische Kupferproduktion in den südlichen Alpen, Region Trentino Orientale

Prozessrekonstruktionen zur spätbronzezeitlichen Kupferverhüttung in den Südalpen

Nach der zufälligen Aufdeckung einer vorgeschichtlichen Ofenbatterie für die Kupferverhüttung in Acqua Fredda 1979 wurde das DBM von der Denkmalpflege Trentin zu gemeinsamen Untersuchungen eingeladen. Nach Surveys und Grabungen zwischen 1984 bis 1990 bewilligte die VolkswagenStiftung ein dreijähriges Projekt. Die Ergebnisse wurden im Rahmen der Dissertation Jan Ciernys dokumentiert und ausgewertet.

Im Verlaufe des Projekts nahm unsere Kenntnis über die prähistorischen Verhüttungsstellen enorm zu: Waren vor Projektbeginn bereits 85 bekannt, so stieg deren Zahl auf 110 weitere Fundstellen an. 116 solcher Plätze dokumentierten wir und sammelten einige Schlacken und – falls vorhanden – Holzkohlenstücke auf. Prähistorische Stollen, Schächte oder Abbauspuren konnten trotz intensiver Suche nicht lokalisiert werden. Vermutlich fielen sie der regen Bergbautätigkeit seit dem Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert zum Opfer.
Für Ausgrabungen wählten wir acht Verhüttungsstellen aus: Besonders aufschlussreich war Fundstelle Acqua Fredda mit ihren neun Kupferverhüttungsöfen. Im Umfeld entdeckten wir Arbeitsplattformen mit gemauerten Kanten, auf denen sich Feuerstellen befanden. Sie dienten der Nassaufbereitung des Erzes und hauptsächlich der Wiederaufbereitung der Schlacken: Ein mit Holz ausgelegter Kanal regulierte den Wasserzufluss. Die durch Bohrungen entdeckte 110 m lange und bis zu 40 m breite Schlackensandhalde ist die Größte in den Alpen! Die Menge des Schlackensandes wird auf rund 1300 t geschätzt. Allein aufgrund dieser Daten wurden in Acqua Fredda mindestens zwischen 150 bis 200 Tonnen Kupfer produziert. Es ist damit die zurzeit größte Anlage ihrer Art in den südlichen Alpen. Das Ausgrabungsmaterial und die Radiokarbonanalysen datieren diese und die weitere Fundstellen in die Bronzezeit zwischen 1600 bis 800/700 v. Chr.
Aus der Frühbronzezeit sind kaum Verhüttungsstellen bekannt, aus der nachfolgenden Mittelbronzezeit (MBZ) keine einzige; 95 Prozent der bekannten Fundstellen entfallen auf die Spätbronzezeit. Warum das lokale Kupfererz während der Mittelbronzezeit nicht abgebaut und verarbeitet wurde, ist direkt nicht zu erklären. Im archäologischen Fundgut der Siedlungen und Gräbern ist ein Rückgang der Bronzeobjekte während dieser Periode nicht bemerkbar.
Während der Spätbronzezeit wurde das in der Region produzierte Kupfer nicht nur für die lokale Produktion verwendet. Einige der typischen Metallobjekte der inneralpinen spätbronzezeitlichen Laugen Kultur, mit dem Verbreitungsschwerpunkt in Südtirol und Trentino, finden sich in den benachbarten Regionen wieder. Fundstellen der nachfolgenden Eisenzeit fehlen. Bronzeobjekte aus dieser Zeit bezeugen jedoch, dass die Nachfrage an Kupfer bzw. Bronze unverändert geblieben sein dürfte. Dagegen ist die Zahl der Produktionsstätten praktisch auf null gesunken.


Laufende Dissertation

Prozessrekonstruktionen zur spätbronzezeitlichen Kupferverhüttung in den Südalpen

Abgeschlossene Dissertation

Jan Cierny
Prähistorische Kupferproduktion in den südlichen Alpen, Region Trentino Orientale


Projektleiter

Prof. Dr. Gerd Weisgerber

Förderung

VolkswagenStiftungen

Deutsches Bergbau-Museum Bochum

Deutsche Forschungsgemeinschaft

Kooperation

Franco Marzatico (Castello del Buonconsiglio, Trento)

Renato Perini (Trentiner Denkmalpflege)

Ruhr-Universität Bochum

Laufzeit

abgeschlossen

 


Veröffentlichungen

  • Cierny, J., Prähistorische Kupferproduktion in den südlichen Alpen, in: Der Anschnitt, Beiheft 22 (= Veröffentlichungen aus dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum, Nr. 163), 2008.
  • Cierny, J., Weisgerber, G. & Perini, R.: Ein spätbronzezeitlicher Hüttenplatz in Bedollo/Trentino, in: Lippert, Andreas/Spindler, Konrad (Hrsg.): Festschrift zum 50jährigen Bestehen des Institutes für Ur- und Frühgeschichte der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck (= Universitätsforschungen zur prähistorischen Archäologie, Bd. 8), Bonn 1992, 97-105.
  • Cierny, J., Hauptmann, A., Hohlmann, B., Marzatico, F., Schröder, B. & Weisgerber, G.: Endbronzezeitliche Kupferproduktion im Trentino. Ein Vorbericht, in: Der Anschnitt 47, 1995, H. 3, 82-91.
  • Hohlmann, B., Hauptmann, A. & Schröder, B.: Der spätbronzezeitliche Verhüttungsplatz von Acqua Fredda am Passo Redebus (Trentino) – Rohstoffbasis, metallurgische Untersuchungen und Versuch einer Prozessrekonstruktion. In: G. Weisgerber & G. Goldenberg (Hrsg.), Alpenkupfer – Rame delle Alpi. Der Anschnitt, Beiheft 17 (= Veröffentlichungen aus dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum, Nr. 122), 2004, 261-267.
  • Perini, R., Testimonianze di attività metallurgica dall'Eneolitico alle fasi finali dell'età del Bronzo in Trentino , in: AA.VV., Per Giuseppe Sebesta, a cura del Comune di Trento, Trento 1989, 377-404.
  • Preuschen, E., Bronzezeitlicher Kupfererzbergbau im Trentino, in: Der Anschnitt 20, 1968, H. 1, 3-15.
  • Sebesta, G., La via del rame (= Supplemento a "Economia Trentina" n. 3, Camera di Commercio I.A.A. Trento), Trento 1992.