Soziale Sicherungssysteme

Seit dem 13. Jahrhundert sind Bruderschaften mit sozialfürsorgerischen Funktionen im Bergbau nachweisbar. Diese für den deutschen Raum strukturprägende Form der Risikoregulierung in Knappschaften ist ein wichtiger Forschungsschwerpunkt des Forschungsbereichs Bergbaugeschichte.

Auch hier wird ein Ansatz verfolgt, der die Ausformung der sozialen Sicherungssysteme des Bergbaus epochenübergreifend aber auch im Hinblick auf unterschiedliche regionale und nationale Kontexte hin untersucht. Inhaltlich konzentriert sich der medizin- und körperhistorische Forschungsschwerpunkt auf das knappschaftliche Medizinalsystem im Ruhrgebiet zwischen 1770 und 1970 mit den drei inhaltlichen Säulen „Knappschaftskrankenhäuser“, „Knappschaftsärztesystem“ und „bergmännische Berufskrankheiten“. Das Knappschaftssystem wird dabei als ein biopolitisches Regime der Körperregulierung aufgefasst. Es wird sowohl nach dem Wandel von Objektivierungs- und Subjektivierungsprozessen, soweit diese auf den Körper des Bergmanns bezogen sind, gefragt. Weiterhin interessiert uns die Formierung biopolitischer Dispositive, die sich in spezifischen Verknüpfungen von Körperkonzepten, Institutionen, Infrastrukturen sowie sozialen, medizinischen und ökonomischen Praktiken im Ruhrkohlenbergbau manifestierten. Diese Forschungen sollen Grundlage für vergleichende Studien anderer biopolitischer Regime – insbesondere in England und Frankreich – schaffen.


Forschungsprojekte

Partizipative Risikopolitik? Die Regulierung der Silikose im westdeutschen und britischen Steinkohlenbergbau

Neben den allgegenwärtigen Unfallrisiken des Steinkohlenbergbaus entstand im Verlauf des 20. Jahrhunderts eine neue Gefahr für die Gesundheit und das Leben von Millionen Bergleuten: die Silikose (Staublunge). Obwohl das Bild des siechen, hustenden Bergmanns seit jeher bekannt war, führten die Ausweitung und Mechanisierung des Steinkohlenabbaus seit den 1920er Jahren zu einem dramatischen Anstieg von Silikoseerkrankungen. Für die modernen westlichen Wohlfahrtsstaaten tat sich insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg der Abgrund der drängenden medizinischen, technischen und letztlich sozialen Frage nach der Vergesellschaftung dieses beruflichen Risikos auf.

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Der Körper des Bergmanns in der Industrialisierung

Der Körper des Bergmanns in der Industrialisierung

Biopolitik im Ruhrkohlenbergbau 1880-1980. Die Arbeit des Bergmanns war vor allem im Untertageabbau lange Zeit geprägt durch harte körperliche Anstrengung und spezifische Umweltbedingungen (Dunkelheit, Schmutz, Enge, Feuchtigkeit usw.), welche eine lang andauernde berufsbezogene Identitätsbildung der Bergleute begünstigte. Diese war durch eine männlichkeits- und produktionsorientierte Risikokultur gekennzeichnet.

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Abgeschlossene Forschungsprojekte

Auf breiten Schultern – 750 Jahre Knappschaft

Im Jahr 2010 stand das 750-jährige Jubiläum der erstmaligen Erwähnung einer Knappschaft am Rammelsberg in Goslar an. Diesem außergewöhnlichem Ereignis widmete sich das Deutsche Bergbau-Museum Bochum.

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