Rheinisch-Westfälisches Kohlen-Syndikat und die Konzentration im Ruhrbergbau

Rheinisch-Westfälisches Kohlen-Syndikat und die Konzentration im Ruhrbergbau

1893 vereinten sich 98 Zechen des Ruhrgebiets zum Rheinisch-Westfälischen Kohlen-Syndikat (RWKS) mit der Zielsetzung, für die Zukunft einen ungesunden Wettbewerb auf dem Kohlemarkt zu vermeiden. 1904 wurden vom Syndikat 98 % der Ruhrkohlenförderung produziert. 1945 erfolgte die Auflösung des Syndikats auf Anordnung der alliierten Besatzungsmächte. Trotz seiner 52-jährigen Existenz war das RWKS niemals so stabil, wie es nach außen erschien.

Von Beginn an tobten in seinem Inneren Verteilungskämpfe, die spätestens mit der zur Sicherung des Zwecks des Syndikats notwendigen Aufnahme der Hüttenzechen des Reviers nicht mehr auf kooperativem Wege auszugleichen waren. Sie hätten 1915 zur Auflösung des RWKS geführt, wenn nicht durch den Staat, der in den Kartellen eine Kriegsnotwendigkeit sah, die Verlängerung erzwungen worden wäre. Für Mitglieder wie Hugo Stinnes und August Thyssen schien die Zeit der Kartelle beendet und der Trust das geeignete Gebilde für den deutschen Weg in die Zukunft zu sein. Eine historische Untersuchung kann Licht auf diese Entwicklung werfen und gleichzeitig eine Erklärung für die Wirkung von Kartellen auf den Konzentrationsprozess der deutschen Wirtschaft geben.

Ziel der Arbeit ist es, die Bedeutung des Syndikats für den Konzentrationsprozess des Ruhrbergbaus zu untersuchen. Im Fokus der Untersuchung stehen folgende Fragen:

  • Wie gestaltete sich die Entwicklung des Syndikats? Wie gelang es dem Syndikat, die gegensätzlichen Interessen seiner Mitglieder auszugleichen, und warum gelang dieser Ausgleich 1915 nicht mehr auf einer freiwilligen Basis?
  • Welche Anreize zur horizontalen und vertikalen Konzentration setzte es den wirtschaftlichen Akteuren und wie nutzten diese jene?
  • Wie gestaltete sich das Verhältnis zwischen dem Kartell und den staatlichen Instanzen?

Ausgehend von den theoretischen Annahmen der Neuen Institutionenökonomik sollen Strukturen, Strategien und Prozesse der maßgeblichen Akteure anhand einer kritischen Auswertung der Sekundärliteratur und der insbesondere im Bergbau-Archiv Bochum vorhandenen Quellen dargestellt werden. Das Projekt wird in Form einer Dissertation an der Ruhr-Universität Bochum (RUB) erarbeitet.


Kontakt

Thomas Jovovic

Projektleiter

Dr. Michael Farrenkopf

Projektträger

Deutsches Bergbau-Museum Bochum

Förderung

Deutsches Bergbau-Museum Bochum/Sondertatbestand im Bund-Länder-Haushalt

Laufzeit

2008 - 2013