Das Deutsche Bergbau-Museum (DBM) hat in seinem jetzt 75-jährigen Bestehen drei Direktoren erfahren, die jeweils einen Großteil ihres Lebens in dieser Stellung verbracht haben. Im Folgenden sollen sie vorgestellt werden.

Dr.-Ing. Heinrich Winkelmann
Direktor des Bergbau-Museums Bochum von 1930 bis 1966


Heinrich Winkelmann wurde am 30. August 1898 in (Witten-)Vormholz geboren. Er studierte zunächst an der Technischen Hochschule Hannover Maschinenbau und wechselte dann an die Bergakademie Berlin, wo er das Studium des Bergfachs mit dem Diplomexamen abschloss und 1927 mit einer Arbeit über die Zinnerz-Lagerstätten in Bolivien zum Dr.-Ing. promovierte. Auch beruflich orientierte sich Heinrich Winkelmann zunächst auf das Gebiet der Lagerstättenkunde, und zwar im süddeutschen Raum. Durch Zufall erhielt er Kenntnis von der Suche der Westfälischen Berggewerkschaftskasse nach einem Wissenschaftlichen Mitarbeiter, der die Vorarbeiten zur Gründung eines Museums für Bergtechnik in Bochum betreiben sollte. Mit Prof. Dr.-Ing. Fritz Heise, dem Direktor dieser Gemeinschaftsorganisation des Ruhrbergbaus und „legendärem Bergschuldirektor”, verband ihn seit seiner Einstellung im Jahre 1928 ein enges Verhältnis.

Heise hatte den richtigen Mann an den richtigen Platz gestellt: Mit dem Aufbau des Bergbau-Museums hatte Winkelmann seine Lebensaufgabe gefunden. In mehr als drei Jahrzehnten gelang es ihm, das Bergbau-Museum zu einen anerkannten Technischen Museum auszubauen, das auch international einen guten Ruf genoss. Mit der Gründung der „Vereinigung der Freunde von Kunst und Kultur im Bergbau e.V., Bochum”, und der von ihr herausgegebenen Zeitschrift „Der Anschnitt” band er alle Bemühungen zur Förderung bergmännischer Kunst und Kultur auf das engste an das Museum, die Leitung beider Institutionen hatte er in Personalunion inne. Mit 68 Jahren trat er 1966 in den Ruhestand. Für seine Verdienste und Arbeiten auf den Gebieten der bergmännischen Kunst und Kultur erhielt Winkelmann 1953 das Verdienstkreuz 1. Klasse, 1964 das Große Verdienstkreuz. Die Technische Universität verlieh ihm 1963 die akademische Würde eines Doktor-Ingenieur ehrenhalber. Nach seinem Tod am 20. November 1967 schrieb Otto Dünbier, langjähriger Weggefährte Winkelmanns in der „Vereinigung”, in seinem Nachruf: „Mit Heinrich Winkelmann hat der deutsche Bergbau den Mann verloren, der Jahrzehnte lang seine Geschichte und seine Kultur gehütet hat”1

Hans Günter Conrad
Direktor des Deutschen Bergbau-Museums Bochum von 1966 bis 1987

Hans Günter Conrad wurde am 09. Dezember 1931 in Brauneberg (Mosel) geboren. Er nahm nach dem Abitur im Sommersemester 1953 an der Universität Mainz ein Geschichtsstudium auf und wechselte zum Wintersemester 1953/1954 an die Bergakademie Clausthal-Zellerfeld, um dort Bergbau zu studieren. Zum Sommersemester 1956 setzte er das Bergbaustudium an der TU Berlin fort und beendete es im Sommersemester 1958 mit dem Dipl.-Ingenieur-Examen. Die staatliche Ausbildung bei den Oberbergämtern Bad Ems und Dortmund von 1958 bis 1961 schloss er am 16. November 1961 mit der Großen Staatsprüfung und der Ernennung zum Bergassessor ab. Zum 01. Mai 1962 trat er als Assistent des Direktors des Bergbau-Museums bei der Westfälischen Berggewerkschaftskasse (WBK) Bochum ein, wurde zum 01. Januar 1966 zum stellv. Direktor ernannt und am 01. September 1966 zum Museumsdirektor bestellt. Zum 01. Oktober 1980 übernahm Hans Günter Conrad in Personalunion auch die Leitung des damals bestehenden Geschäftsführungsbereichs 3 der WBK, der das Deutsche Bergbau-Museum Bochum und die Allgemeine Verwaltung der WBK beinhaltete. Seit dem 01. April 1993 gehörte er der Geschäftsführung der DMT-Gesellschaft für Forschung und Prüfung mbH an, wechselte nach Essen und ging in dieser Funktion zum 31. Dezember 1995 in den Ruhestand.

Von 1970 bis 1992 war Hans Günter Conrad Mitglied des Aufsichtsrats der Gewerkschaft Auguste Victoria in Marl, von 1993 bis 1997 - bis zur Liquidation - Mitglied des Aufsichtsrates der Erzgebirgischen Steinkohlenenergiegesellschaft mbH in Zwickau.

Mit der Einstellung von Hans Günter Conrad im Jahre 1962 und seiner Ernennung zum Direktor des Museums im Jahre 1966 veränderte sich die Richtung der Aktivitäten des DBM entscheidend: Der Weg hin zum Forschungsmuseum wurde zielstrebig eingeschlagen und die personelle Struktur verändert. Hatte das Museum im Jahre 1970 nur einen einzigen wissenschaftlichen Mitarbeiter, so verfügte es 1987 bereits über acht Fachgruppen mit insgesamt elf Wissenschaftlern. Dieser neue Weg war aus der Erkenntnis heraus konzipiert worden, dass es sich als unumgänglich erwiesen hatte, für die Finanzierung des Museums zusätzliche Zuwendungsgeber zu gewinnen: Dies gelang Conrad im Jahre 1977: Seither ist das Museum als Forschungsinstitut für Montangeschichte anerkannt worden, zugleich wurde der Forschungsanteil, der die Hälfte des Gesamtetats des Hauses ausmacht, von Bund und Land gefördert. Dass die Finanzierung des Museums in dieser Weise möglich geworden ist, und dass das Museum inzwischen mit seinen Forschungsschwerpunkten auf den Bereichen Archäometallurgie, Montanarchäologie, Bergbaugeschichte, Denkmalpflege/Materialkunde und Kulturgut-Management zu einer weithin anerkannten Anlaufstelle in der internationalen, wissenschaftlichen Fachwelt geworden sind, verdankt das Museum Hans Günter Conrad. Mit großem Nachdruck hat er sich weiterhin um die Einrichtung eines zentralen Historischen Archivs für die Aufnahme von Altakten der Bergbauunternehmen bemüht: 1970 wurde das Bergbau-Archiv unter Beteiligung der Bergbau-Verbände gegründet, es zählt heute zu den bedeutendsten Wirtschaftsarchive in der Bundesrepublik Deutschland.

Auch die Gründung des heutigen Fachbereichs „Denkmalpflege/Materialkunde” muss in diesem Zusammenhang besonders erwähnt werden, dessen Gründung im Jahre 1979 auf eine Initiative der Stiftung Volkswagenwerk zurückgeht. Im Jahre 1983 konnte er - damals noch Zollern-Institut genannt - in den Haushalt des DBM inkorporiert werden und trug mit seinem chemisch-analytischen Labor ganz entscheidend dazu bei, dass das Museum als Forschungsinstitut anerkannt worden ist.

Das dem Verfall preisgegebene historische Bethaus der Bergleute im Wittener Muttental wurde unter Conrads Ägide zu einer Außenstelle des Museums umgestaltet und restauriert.

Fest steht, dass unter der Leitung von Hans Günter Conrad der Schritt vom Regionalmuseum zu einem anerkannten Forschungsmuseum mit internationalem Ansehen vollzogen worden ist: In Würdigung dieser Entwicklung wurde das Museum im Jahre 1976 in Deutsches Bergbau-Museum Bochum umbenannt.

Prof. Dr. phil. Rainer Slotta
Direktor des Deutschen Bergbau-Museums Bochum seit 1987

Rainer Slotta wurde am 01. Mai 1946 in Braunschweig geboren und besuchte dort die Volksschule und anschließend den altsprachlichen Zweig des dortigen Max-Planck-Gymnasiums. Nach einem Umzug der Familie nach Saarbrücken 1961 bestand er dort 1966 das Abitur am Humanistischen Ludwigsgymnasium. Danach studierte er am Ort Vor- und Frühgeschichte, Klassische Archäologie, Geschichte und Kunstgeschichte, unterbrochen durch 18 Monate Wehrdienst und ein Gastsemester an der Universität Braunschweig. In den Semesterferien nahm er vorwiegend an Ausgrabungen im Orient teil. 1974 wurde er an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken bei Prof. Dr. Wilhelm Messerer mit dem Thema „Romanische Architektur im lothringischen Departement Meurthe-et-Moselle” promoviert.

Im gleichen Jahr nahm er am Deutschen Bergbau-Museum seine Tätigkeit als Stipendiat der Fritz-Thyssen-Stiftung mit der Inventarisierung Technischer Denkmäler auf, 1977 erhielt er eine Festanstellung im DBM als Wissenschaftlicher Mitarbeiter für den Bereich „Technische Denkmäler”. Seitdem widmet er sich vorrangig den Themenbereichen „Industriearchäologie” und der bergbaulich geprägten Kunst und Kultur.

Zum 01. Mai 1987 wurde Rainer Slotta zum Direktor des Deutschen Bergbau-Museums bestellt; damit übernahm er auch die Geschäftsführung der „Vereinigung”. 1997 wurde ihm der Titel eines „Professors”, 1985 die „Frontinus-Medaille” der gleichnamigen Gesellschaft verliehen, 1989 ernannte ihn der damalige französische Kulturminister Jack Lang zum „Chevalier de l’Ordre des Arts et Lettres” und 2002 ehrte ihn der ehemalige georgische Staatspräsident Eduard Schewardnadze mit dem georgischen Verdienstorden.

Slotta setzte den Ausbau des DBM zu einem international tätigen Forschungsmuseum mit zahlreichen Kooperationsverträgen fort. Unter seiner Leitung erfolgten die den Bekanntheitsgrad des DBM wesentlich steigernden „großen” Sonderausstellungen „Meisterwerke bergbaulicher Kunst und Kultur”, „Bernstein – Tränen der Götter”, „Silber und Salz in Siebenbürgen”, „Persiens Antike Pracht. Bergbau-Handwerk-Archäologie”, während seiner Amtszeit wurde das DBM aktives Mitglied in der „Leibniz-Gemeinschaft” (WGL) und im „Wissenschaftsforum Ruhr”. Die Renovierung des DBM-Gebäudes in den Jahren um 2000 erfolgte gleichfalls unter Slottas Ägide.



1. Otto Dünbier: Heinrich Winkelmann zum Gedächtnis, in: Glückauf 104, 1968, S. 1226.




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