Im Jahre 1928 traten die Stadt Bochum und die Westfälische Berggewerkschaftskasse (WBK) in konkrete Verhandlungen zur Gründung eines Bergbaumuseums. Unter den vorgeschlagenen städtischen Grundstücken fiel die Wahl auf das Gelände zwischen der Voedestraße (heute Am Bergbaumuseum), der Gartenstraße (heute Schillerstraße), der Thomasstraße (heute Wielandstraße) und dem in den 1920er Jahren in repräsentativen Formen entstandenen Polizeipräsidium: Auf diesem Gelände befand sich der städtische Schlachthof, für den ein Neubau an der heutigen Freudenbergstraße bereits 1926 begonnen und 1929 bezogen wurde. Aus einem Stadtviertel, das sich zu einer der auch heute noch besten Wohngegenden („Stadtpark“) ent-wickelte, zogen der Schlachthof aus und das Museum ein. Mit dem Bau des ersten Schlachthofes war im November 1876 begonnen worden - als eine der ersten Städte des Ruhrgebiets hatte Bochum ein solches Projekt in Angriff genommen; er konnte am 01. Oktober 1877 seine Arbeit aufnehmen.

Während die Museumspläne für dieses Areal in den 1920er Jahren „reiften“, gehörten zu den Gebäuden u. a.: eine Schlachthalle für Großvieh, eine für Schweine und Kleinvieh, eine Pferdeschlachtzelle, Stallungen, eine Kaldaunenwäsche und das Verwaltungsgebäude. Die alten Stallungen und das Häutelager etwa bestimmten noch jahrelang das Aussehen des Museumsgeländes, obgleich Werkstatt, Lager und Garage für das Museum schon umfunktioniert waren. So gut es eben ging, bereitete man nach der offiziellen Gründung des Bergbau-Museums am 01. April 1930 die ersten Räume für das Museum in den noch nicht zum Abbruch bestimmten Schlachthofhallen vor: Der Abbruch der alten Stallungen und der Museumsaufbau lagen somit dicht nebeneinander.

Gleichzeitig gingen der WBK so zahlreiche Stiftungen von bergmännischen Geräten und Gegenständen zu, dass die „Bergschule“ die erste Halle des freigewordenen Schlachthofsbereits im Verlauf des Jahres 1929 – also schon vor der offiziellen Gründung des Museums! - mit Ausstellungsobjekten einzurichten begann. Die ersten drei Sammlungsabteilungen zeigten die Entwicklung des Grubengeleuchts, der Bohrarbeit und der Kokereitechnik. Von Firmen und Privatpersonen wurden Modelle, Maschinen und Geräte in großer Zahl gestiftet: eine Lampenstube aus Zwickau und das Modell einer Kokerei aus Bochum, außerdem Grubenlampen, Bohrhämmer, Bergeisen, Grubengasanzeiger, Grubenausbauringe, Haspel, Pumpen, Kienspäne, Förderwagen, Schachthüte, Stempel, Elektromotoren, Schichtenbücher und weitere Exponate.

Das Grubengeleucht wurde als erste Sammlungsabteilung in Halle I bereits 1930 in Angriff genommen. Vier doppelseitige Glasschränke wurden mit Grubenlampen aus verschiedenen Zeitepochen und Revieren bestückt: mit Tonlampen aus römischen Gruben, offenen Öllampen aus dem Tiroler, Harzer und Westfälischen Bergbau, mit Freiberger Blenden, Benzinsicherheitslampen und modernen elektrischen Mannschaftslampen. Ausgestellt war außerdem ein Abbaumodell mit Ortsbeleuchtung. Zu den Glanzstücken der Abteilung zählte das Modell einer Lampenstube für eine Grube mit 2.000 Mann Belegschaft und einer entsprechenden Lampenzahl - gestiftet von der Firma Friemann & Wolf aus Zwickau.

Die Sammlungsabteilung „Bohrtechnik“ wurde ebenfalls in der Halle I dem Grubengeleucht gegenüber aufgestellt und aufgeteilt in die Darstellung des Handbohrensund des maschinellen Bohrens. Lebensgroße Figuren an Modellen sollten die Herstellung von Bohrlöchern für die Sprengarbeit deutlich machen. Besonders zahlreich waren in den Anfangsjahren des Museums die Zugänge von mechanischen Bohreinrichtungen wie Bohrwagen, Stoßbohrmaschinen, Drehbohrmaschinen und Bohrhämmern.

Die Hallen II, III, IV und V

Die stetige Weiterentwicklung des Museums wurde von der ungünstigen Wirtschaftslage zwar beeinträchtigt, letztlich aber nicht entscheidend behindert: Die beiden Träger, d. h. die Westfälische Berggewerkschaftskasse und die Stadt Bochum, hielten an ihrem Entschluss, ein attraktives Bergbaumuseum zu schaffen, fest und bauten es weiter aus. Von den Gebäuden des ehemaligen Schlachthofes wurden 1931/1932 drei weitere Hallen für Museumszwecke hergerichtet, so dass das Museum damals über fünf Ausstellungshallen mit einer Gesamt-Ausstellungsfläche von rund 2.000 m2 verfügt hat. Um dem Museum auch ein würdiges Äußeres zu verleihen, wurde ein Teil des alten Schlachthofgeländes (2.300 m2) mit Boden angefüllt und von der Städtischen Gartenbauverwaltung als Teil einer Grünanlage mit Blühsträuchern bepflanzt. Bis 1933 waren 5 Hallen in den alten Gebäuden des ehemaligen Schlachthofes für das Museum eingerichtet. Die damit zur Verfügung stehende Ausstellungsfläche von etwa 2.000 m2 war thematisch folgendermaßen aufgeteilt:

Halle I: Sprengarbeit, Sprengbohrtechnik, Geleucht

Halle II: Kokereitechnik, Kohlenaufbereitung, Wasserhaltung, Kunstabteilung

Halle III: Schachtabteufen, Schachtförderung, Schachtsignaleinrichtungen

Halle IV: Kohlengewinnung, Bergeversatzeinrichtungen, Streckenförderung

Halle V: Atmungsgeräte

Von Beginn an war die Ausstellungstechnik des Museums daraufhin angelegt, die Originalmaschinen und Modelle betriebsfähig auszustellen, um ihre Arbeitsweise dem Laien zu verdeutlichen. In der Sammlungsabteilung „Streckenförderung“ dominierten Haspel und Grubenlokomotiven neben Schlepptrögen und Förderwagen. Die Dampffördermaschine der Zeche Wülfingsburg aus dem Jahre 1839, die die WBK seit 1908 besaß, stellte den Mittelpunkt der „Schachtförderung“ dar. Leitgedanke der Halle V mit der Darstellung der Atmungs- und Rettungsgeräte war, „die geschichtliche Entwicklung dieser Technik mit allen ihren sich aus der Praxis heraus ergebenden Verbesserungen möglichst eingehend zu zeigen“.

Die große Akzeptanz des Bergbaumuseums zeigte sich u. a. im hohen Publikumsandrang, so dass die Öffnungszeiten erweitert werden mussten: Wurde das Museum bislang mittwochs von 15.00 Uhr bis 18.30 Uhr der Öffentlichkeit bei freiem Eintritt gezeigt, öffnete man es nun seit dem 1. Januar 1932 montags, dienstags, donnerstags und freitags von 9.00 bis 18.30 Uhr sowie sonntags von 10.00 Uhr bis 13.00 Uhr gegen ein Eintrittsgeld von 30 Pfg. je Person; Mittwoch nachmittags war der Besuch wie bisher kostenfrei. Nach dieser Maßnahme verdoppelte sich die Besucherzahl auf rd. 18.000, so dass die Sammlungen monatlich im Durchschnitt von 1.500 Besuchern angeschaut wurden.

Die Hallen VI und VII in den Jahren 1933 bis 1935

Durch den 1933/1934 erfolgten Abbruch mehrerer für Museumszwecke ungeeigneter Gebäude des früheren Schlachthofes wurde Raum für den weiteren Ausbau des Museums geschaffen: Das äußere Bild des gesamten Geländes konnte durch eine erhebliche Vergrößerung der im Vorjahre angelegten Grünflächen und durch Anpflanzungen zum Vorteil des Museums verändert werden. Die Verwaltung des Museums wurde von der Bergschule zum Museum verlegt und ein bislang als Wohnhaus dienendes Gebäude, das auch die Archiv- und Lagerräume des Museums aufnahm, bezogen. Innerhalb des Museums wurde eine Transformatorenanlage eingebaut, wodurch das elektrische Netz des gesamten Geländes wesentlich vereinfacht und übersichtlicher gestaltet werden konnte.

Mit der Fertigstellung der Halle VI erweiterte das Museum sein „Ausstellungsprogramm“ um einen wichtigen Komplex: den Grubenausbau. In 18 Nischen wurden Querschlags-, Streckenund Abbaubetriebe vorgestellt, unterschiedliche Ausbauarten nach Holz und Eisen getrennt eingerichtet. Die Halle VII wurde im Untergeschoss der Halle VI angelegt und war hauptsächlich dem Streckenausbau in Stahl vorbehalten, beide Hallen wurden ausschließlich künstlich beleuchtet, um „realistische“ Lichtverhältnisse anzudeuten. Als eine Besucherattraktion entpuppte sich ein 1935 aufgestellter Panorama-Apparat, in dem Serien von Stereo-Untertageaufnahmen gezeigt wurden – die Faszination dieser Aufnahmen hat sich bis heute erhalten.





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Deutsches Bergbau-Museum . Am Bergbaumuseum 28 . 44791 Bochum
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Tel.: +49-(0)234-5877-0
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