Die Gründung des Deutschen Bergbau-Museums als eine bis heute unselbstständige Abteilung der ehemaligen Westfälischen Berggewerkschaftskasse (WBK) bzw. ihrer Nachfolgeinstitution DMT-Gesellschaft für Lehre und Bildung mbH (DMT-LB) reicht bis in die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts und wurzelt in der Ausstellungstradition des 19. Jahrhunderts, dem sich auch das Montanwesen als einer der bedeutendsten Wirtschaftszweige des Kaiserreiches nicht verschließen wollte. So gründete das Preußische Ministerium für Handel und Gewerbe in Berlin im Jahre 1868 ein Museum für Bergbau und Hüttenwesen zur Aufnahme seiner Ausstellungsgegenstände von der Pariser Weltausstellung des Jahres 1867. 1873 wurden zahlreiche berg- und hüttenmännische Ausstellungsgegenstände unmittelbar von der Wiener Weltausstellung in die Obhut des Berliner „Museums für Bergbau und Hüttenwesen” übergeben.

Die WBK in Bochum als Gemeinschaftsorganisation des Steinkohlenbergbaus an Ruhr und Rhein reagierte prompt auf diese Entwicklung und richtete ebenfalls im Jahre 1868 eine ständige Ausstellung „Bergbauliche Utensilien” ein, doch zeigte sich die Öffentlichkeit im Ruhrrevier kaum interessiert. So beklagte denn auch der zweite Verwaltungsbericht der WBK, der ihr Wirken in den Jahren 1867 bis 1869 darstellte: „Ende 1868 ist der Versuch gemacht worden, eine permanente Ausstellung bergbaulicher Utensilien und Materialien im Gewerkschaftshause zu begründen: mehr als 30 Fabrikanten haben dieselbe zum Teil sehr reichlich beschickt. Während die Bereitwilligkeit des Produzentenkreises anzuerkennen ist, muß beklagt werden, daß das bergbautreibende Publikum dem neuen Unternehmen so wenig Interesse entgegengebracht hat…”.

Noch also war der von dem damaligen jungen Bochumer Bergschuldirektor Hugo Schultz entwickelte Plan einer ständigen Bergbauausstellung nicht durchführbar. Schultz beschränkte sich deshalb in den nächsten Jahren darauf, die Lehrmittelsammlung der Bochumer Bergschule auszubauen. Zwanzig Jahre nach dem ersten missglückten Versuch, eine ständige Bergbauausstellung zu schaffen, konnte er mit Stolz berichten, dass die Bochumer Sammlung an Reichhaltigkeit und Schönheit der Modelle kaum übertroffen werde. Einziger Zweck dieser Sammlung von Modellen und Geräten war nach wie vor, dem Bergschulunterricht als Anschauungsmittel zu dienen; lediglich auf den verschiedenen, von der Berggewerkschaftskasse in aller Welt beschickten Ausstellungen wurden Teile dieser Sammlungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Zuweilen erhielt die WBK nach dem Ende solcher Ausstellungen von Zechen oder Zulieferfirmen die von ihnen auf diesen Ausstellungen gezeigten Modelle oder Geräte als Geschenk.

Nachdem die WBK im Jahre 1893 das alte Bergschulgebäude durch einen Neubau erweitert und die Stadt Gelsenkirchen die erste rein bergmännische Ausstellung im Deutschen Reich ausgerichtet hatte, versuchte Hugo Schultz erneut, die nun auf größerem Raum untergebrachten Sammlungen zu einem „Museum des westfälischen Steinkohlengebirges” umzugestalten. Im Mittelpunkt des Hauses sollten in einem großen Saal eine paläontologische, eine mineralogisch-petrographische und eine technische Abteilung eine möglichst vollständige Übersicht über alle wissenschaftlich und technisch bemerkenswerten Ereignisse und Erzeugnisse aus dem westfälischen Steinkohlenbecken geben. Diesen Überblick aber sollte das Museum offensichtlich nur den Bergschülern und gelegentlichen Besuchern der Bergschule, nicht aber der breiten Öffentlichkeit vermitteln. Außerdem war deutlich das Bestreben spürbar, die in die Sammlungen aufgenommenen Maschinen und Modelle stets auf dem neuesten Stand der Technik zu halten: Das Veraltete sonderte man aus. Man dachte noch nicht daran, die geschichtliche Entwicklung des Bergbaus darzustellen.

Dieser Gedanke wurde zunächst an anderer Stelle und in einem anderen Rahmen verwirklicht: Nachdem sich im Jahre 1902 mehrere Bergwerksgesellschaften lebhaft an der Industrie- und Gewerbeausstellung in Düsseldorf beteiligt hatten, Berlin im Jahre 1903 Sitz des Deutschen Arbeitsschutz-Museums geworden und im gleichen Jahr das „Deutsche Museum von Meisterwerken der Naturwissenschaft und Technik” von Oskar von Miller in München nach dem Vorbild des „South-Kensington-Museums” in London und des „Conservatoire des Arts et Métiers” in Paris gegründet worden war, und in letzterem unter den 36 Ausstellungseinheiten auch das „Bergwesen” einen prominenten Platz erhalten hatte, sollte das einzige Anliegen dieser in der Bochumer Bergschule befindlichen Abteilung, die sich vorwiegend mit dem Erzbergbau und dem Steinsalzbergbau befasste, darin bestehen, die Geschichte des Bergbaus lebendig werden zu lassen. Dazu sollten sowohl Originale und Modelle von Maschinen und Einrichtungen als auch Schnittzeichnungen und andere erläuternde Darstellungen dienen. Damals moderne Möglichkeiten der Veranschaulichung wurden dazu genutzt, den Arbeitsablauf bzw. die Funktion einer Maschine auch Laien verständlich zu machen.

Vielleicht unter dem Eindruck der viel beachteten festlichen Eröffnung des „Deutschen Museums” am Ende des Jahres 1906 erhob die WBK wenig später die technischen Sammlungen der Bergschule Bochum zur Abteilung „Bergmännisches Museum”, die geologischen und mineralogisch- petrographischen Sammlungen bezog man allerdings nicht mit ein. Ein Bergschullehrer begann sofort, das im Lichthof des neuen Gebäudes der Berggewerkschaftskasse untergebrachte „Museum” zu ordnen: Entsprechend der damals gebräuchlichen Einteilung der Bergbaukunde, gliederte er die Sammlungen in sieben Abteilungen:
  • Tiefbohren,
  • Schachtabteufen,
  • Gewinnung,
  • Förderung,
  • Wetterversorgung,
  • Wasserhaltung und
  • Aufbereitung.
Die Bearbeitung eines ausführlichen Katalogs über die Sammlungsgegenstände bekundete die Absicht, das „Bergmännische Museum” für alle Interessenten zu öffnen. Dieser Katalog, der jedem Modell, jeder Maschine und fast jedem Gerät einige erläuternde Worte widmete, wurde indessen leider nie veröffentlicht, weil das Manuskript angesichts des schnellen technischen Fortschritts ständig erneuert werden musste und gleichermaßen eine wachsende Anzahl von Sammlungsgegenständen als veraltet bezeichnet wurde. Für sie musste man eine andere Unterbringungsmöglichkeit finden.

Im Jahre 1912 verhandelte die WBK daher mit der Stadt Bochum über die Aufnahme einiger besonders wertvoller Sammlungsgegenstände in den zum Heimatmuseum umgestalteten alten Bochumer Herrensitz Haus Rechen. Darunter befand sich auch die, von Friedrich Harkort 1839 als eine der ersten im Ruhrgebiet gebauten Dampffördermaschinen, an die Gewerkschaft Wülfingsburg abgelieferte Balanziermaschine. Da der in Haus Rechen vorhandene Raum nicht ausreichte, konnten die Pläne nicht verwirklicht werden. Fortan aber nahm die Stadt Bochum regen Anteil an allen Vorschlägen und Versuchen, in Bochum ein bergmännisches Museum zu schaffen. Dabei entwickelte sich auch ein unausgesprochener, aber latent existierender Wettstreit mit dem benachbarten Essen, das Sitz nicht nur verschiedener Zechengesellschaften, sondern auch der bekanntesten Organisationen des Ruhrbergbaus war. Dem „bergmännischen Image” in der Öffentlichkeit hinderlich war auch die Auflösung des Berliner „Museums für Bergbau und Hüttenwesen” infolge der Zusammenlegung der Bergakademie mit der Technischen Hochschule.

Die Gespräche um ein „echtes” Bergbaumuseum im Ruhrgebiet entwickelten sich nach dem Ende des Weltkriegs im Jahre 1919 zu einer öffentlichen Diskussion, als Heinrich Rürup, Führer des bedeutenden Gewerkvereins der christlichen Bergarbeiter Deutschlands und Abgeordneter der verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung, es unumwunden als einen unhaltbaren Zustand bezeichnete, dass „das größte deutsche Kohlenbecken, Rheinland-Westfalen, wo sich Förderturm an Förderturm reiht, außer dem Bergbaumuseum an der Bergschule in Bochum, welches aber nur einem kleinen Teil von Personen zugänglich ist, kein Bergbaumuseum besitzt”. Ein solches Museum, so meinte Rürup, würde das Verständnis der Öffentlichkeit für die Arbeit der Bergleute heben. Die Angehörigen der Bergleute könnten hier die Arbeit des Familienvaters kennenlernen, während die Bergleute selbst sich beruflich weiterbildeten. Der Vorstand der Berggewerkschaftskasse war in seinem Bereich einem kleinen Teil dieser Forderungen schon zuvorgekommen. Auf Antrag der Stadt Bochum hatte er 1919 beschlossen, die Sammlungen der Bergschule an einem Nachmittag in der Woche zur allgemeinen Besichtigung zu öffnen. Zugleich sorgte er für die Veröffentlichung eines „Führers durch die Sammlungen der Westfälischen Berggewerkschaftskasse zu Bochum”, der sich mit einer zusammenfassenden Charakterisierung der angewachsenen Abteilungen begnügte. Neu hinzugekommen waren die Abteilungen
  • „Abbau”, die in fünf Modellen die im Steinkohlenbergbau üblichen Abbauverfahren darstellte,
  • „Beleuchtung”, die schon eine stattliche Anzahl von Grubenlampen aus verschiedenen Zeiten enthielt,
  • „Berieselung” mit zwei vollständigen Berieselungseinrichtungen zur Verhütung von Kohlenstaubentzündungen und
  • „Verschiedenes”, zu der Modelle von Kokereien und Turbinen, eine Dampfmaschine und das Modell einer Schießstrecke für Versuche mit Sprengstoffen gehörten.
Der Anstoß zu dem entscheidenden Schritt, anstelle des „Bergmännischen Museums” der Berggewerkschaftskasse ein eigentliches, der Öffentlichkeit zugängliches Museum zu setzen, ist dem Direktor der Bochumer Bergschule, Fritz Heise, zu verdanken. Er trug seine Gedanken im Bergbauverein vor und gewann im Jahre 1921 die Stadt Bochum für das Vorhaben. Sie war es, die 1922 beim Vorstand der Berggewerkschaftskasse anregte, gemeinsam ein bergbaugeschichtliches Museum zu errichten. In einem Schreiben des Magistrats der Stadt Bochum vom 22. Januar 1922 (unterzeichnet von den Herren Graff und Stumpf) an den Vorsitzenden der Berggewerkschaftskasse Hoppstaedter sind bereits viele grundsätzliche Gedanken zur Trägerschaft, zum Auftrag und zur Gestaltung des Museums niedergelegt worden, heißt es doch darin u. a.: „Das große Interesse, welches die geologischen und sonstigen Sammlungen der hiesigen Berggewerkschaftskasse, die bekanntlich zu den bedeutendsten ihrer Art zählen, mit ihrem zunehmenden Ausbau in verstärktem Maße in der Oeffentlichkeit gefunden haben, hatte immer mehr den Wunsch aufkommen lassen, diese Sammlungen dem öffentlichen Besuche zugänglich zu machen. Der Magistrat der Stadt Bochum war daher an die Leitung der Berggewerkschaftskasse mit der Bitte herangetreten, diesem Wunsche zu entsprechen, und er hatte sich bereit erklärt, zu den Kosten, welche dadurch entstehen würden, beizutragen. Die Leitung der Bergschule sah sich aber außerstande, der Bitte im vollen Umfange stattzugeben, weil die Sammlungen in erster Linie für die besonderen Zwecke der Berggewerkschaftskasse und des Unterrichts an der Bergschule eingerichtet sind und durch den ständigen Besuch fremder Personen ihrem eigentlichen Zwecke entzogen würden. Sie gab dafür die Anregung zurück, ein Bergbaumuseum zu errichten, das in allgemein verständlicher Form einen Überblick über die geschichtliche Entwicklung des Bergbaus geben und gleichzeitig der für den Bergbau arbeitenden Industrie Gelegenheit bieten sollte, ihre Erzeugnisse in Modellen oder Mustern zur Schau zu stellen.

Das war vor einem Jahr. Inzwischen ist der Gedanke weiter verfolgt worden und es hat sich immer mehr gezeigt, daß seine Durchführung auch in der jetzigen Zeit nicht hinausgeschoben werden darf, sollen nicht ungeheure Werte verloren gehen. Der Magistrat der Stadt Bochum hat sich bereit erklärt, den Plan nach jeder Richtung zu unterstützen und sowohl einmalig und laufend Beiträge zu geben, als auch ein Grundstück zur Errichtung zur Verfügung zu stellen. Aber die Kräfte einer Stadt allein dürften nicht ausreichen, wenn wirklich etwas Großes zustande kommen soll, wie es geplant ist. Da das Museum Bedeutung für den gesamten Bergbau des ganzen rheinisch-westfälischen Industriebezirks bekommen soll, dürfte auch der ganze Bezirk an ihm Interesse nehmen. Weswegen gerade Bochum für das Museum in Frage kommt, ist in dem anliegenden Plan gesagt. Als Interessent für den Plan kommt einmal der Bergbau selbst in Frage. Es wird gebeten, durch Hergabe von Unterlagen das Unternehmen zu unterstützen, damit ein möglichst vollständiger Überblick gegeben werden und das Museum sich würdig den anderen Einrichtungen an die Seite stellen kann, die der Bergbau in der Berggewerkschaftskasse sich geschaffen hat. Daneben aber auch wird der Bergbau eine möglichst weitgehende geldliche Unterstützung zur Verfügung zu stellen sicher bereit sein. Neben ihm wird die Industrie, welche für den Bergbau arbeitet, dem Plan großes Interesse entgegenbringen. Ihr wird durch das Museum Gelegenheit geboten, ihre Erzeugnisse an möglichst sichtbarer Stelle zur Schau zu stellen, so daß sie das Museum gleichsam als Ausstellungsraum benutzen kann. Ihr Interesse dürfte also abgesehen von der ideellen Seite auch ein ganz unmittelbares sein.

Der Plan, welcher hiermit weiteren Kreisen mitgeteilt wird, baut sich auf rein praktischen Erwägungen auf. Er will das, was noch an geschichtlichen Erinnerungen vorhanden ist, an einer Stelle sammeln und an einer Stelle einen Überblick über den rheinisch-westfälischen Bergbau geben, dessen Bedeutung gerade in den letzten Jahren so stark hervorgetreten ist. Zu seiner Durchführung sollen sich alle Kreise, die am Bergbau beteiligt sind, zu einheitlichem Vorgehen sammeln und der Bergbau wie die für ihn arbeitende Industrie, Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollen dort ein Spiegelbild ihrer Arbeit, ihrer Mühen und ihrer Erfolge geben. Sie alle werden zu tätiger Mitarbeit aufgerufen. Die Durchführung will die Stadt Bochum in die Hand nehmen. Sie hofft auf die Unterstützung weitester Kreise, die dem Plane Interesse entgegenbringen. Mit ihnen zusammen möchte sie sich zu einem Verbande vereinigen, welcher der Träger des Unternehmens werden soll”.

Damit nahm die Museumsgründung „Fahrt” auf. Vom 10. Februar 1922 stammen eine Konzeption sowie eine Entwurfszeichnung des geplanten Museums aus der Hand von Dr. Paul Kukuk mit „Erläuterungen zu dem zeichnerischen Entwurf eines Bergbau-Museums”; diese Konzeption hat sich letztlich zwar nicht durchgesetzt, doch findet sich in ihr schon Manches vom später realisierten „Geschichtlichen Bergbau-Museum” wieder, so dass diese Entwürfe hier wiedergegeben werden sollen.





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Deutsches Bergbau-Museum . Am Bergbaumuseum 28 . 44791 Bochum
Infoline: 01805 - 877234 (0,14 €/Min. aus dem Festnetz der dt. T-Com)
Tel.: +49-(0)234-5877-0
info(at)bergbaumuseum(dot)de



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