Im Laufe seiner Jahrtausende zählenden Geschichte unterlag der Bergbau einem ständigen Wechselspiel verschiedener Kräfte und Faktoren. Diese wurden geprägt von natürlichen Voraussetzungen, politischen und wirtschaftlichen Zielvorstellungen, gesellschaftlichen Normierungen, sozialen Komponenten und geistigen Gegebenheiten. Die Tatsache, dass Bergbau betrieben wurde, hat somit wesentliche Einflüsse auf das Kunst-, Kultur- und Geistesschaffen ausgeübt, aber auch auf Entwicklungen, die für die Technikund Sozialgeschichte schlechthin von Bedeutung sind.

Salvador Dalí (1904-1989) Trilogie "Kohle heute", "Kohle morgen, "Kohle übermorgen"

Die Sammlungshalle „Bergbau in Kunst und Kultur” ist in thematisch-sachlicher Hinsicht von den übrigen Abteilungen abgehoben. Indem sie den genannten Strömungen und Wechselbeziehungen nachgeht, bildet sie gewissermaßen das Bindeglied sämtlicher Sammlungshallen. Beim Rundgang durch die Halle gibt eine drahtlose Übertragungsanlage Kommentare.

Der älteste Bereich, der zur Darstellung kommt und interpretiert wird, sind die kulturschöpferischen Leistungen, die im Zusammenhang mit dem ägyptischen Kupferbergbau bei Timna, im heutigen Südisrael, entstanden. In dieser Region wurden schon vor 6000 Jahren Kupfererze gewonnen. Darstellungen vom Erzbergbau im klassischen Griechenland führen weiter zum Stein von Linares, dessen Betrachtung man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Es ist ein Steinrelief, das im 3. Jahrhundert entstand und Sklaven auf ihrem Weg zu einer römischen Blei- und Silbergrube im spanischen Linares zeigt.

Das Titelblatt des „Kuttenberger Kanzionale”, um 1500 in Prag geschaffen, ist die erste umfassende bildliche Darstellung eines Bergbaubetriebes, die von der Gewinnung der Erze bis zur Verteilung des Silbers reicht. Eine Ton-Dia- Schau zeigt - auf Knopfdruck - Ausschnittvergrößerungen und kommentiert sie. Den Segen eines ertragreichen Bergbaubetriebes versinnbildlichen auch verschiedene Bergkannen.

Sieht man auf dem Annaberger Bergaltar von 1521 - der in einer Kopie gezeigt wird - die verschiedenen Arbeitsbereiche schon recht klar gegliedert, so analysiert Georg Agricola drei Jahrzehnte später in seinen „Zwölf Büchern vom Bergbau” sämtliche Arbeitsabläufe mit wissenschaftlicher Akribie. Eine Vitrine enthält die erste lateinische, deutsche und englische Ausgabe seines Werkes, dem ersten technischen Lehrbuch der Welt. Das „Schwazer Bergbuch”, 1556 in Tirol verfasst, ist eine kostbare Handschrift und Quelle für die Geschichte des Bergbaus.

Das „Schwazer Bergbuch”

Wirtschaftsgeschichtliche Aspekte werden im Umfeld der ausgestellten Münzen und Medaillen mit bergbaulichen Motiven angesprochen. Die absolutistische Prachtentfaltung, wie sie etwa am sächsischen Hof bestand, basierte zum großen Teil auf dem heimischen Silberbergbau. Die Stiche von der Hochzeitsfeier im Plauenschen Grund von 1719, Bergparaden sowie Paradeuniformen mit entsprechendem Zubehör sind ein beredtes Zeugnis dafür.

Kostbare Holz- und Porzellanfiguren aus dem 18. Jahrhundert, die Berg- und Hüttenleute darstellen, stehen in diesem Zusammenhang. Sie leiten über zu den Werken Constantin Meuniers, dem großen belgischen Künstler, der an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert vor allem den Berg- und Hüttenarbeiter in seiner sozialen Situation für die bildende Kunst entdeckte. Sozialgeschichtlich aufschlussreich sind die Laienarbeiten von Bergleuten. Sie repräsentieren nicht nur die besonders ausgeprägte Liebe zum ausgewählten Beruf, sie deuten auch die soziale Lage an: Heimarbeit bedeutete eben auch einen zusätzlichen Broterwerb.






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Tel.: +49-(0)234-5877-0
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