(Stiftung Jutta und Rolfroderich Nemitz, Essen)
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Die wichtigste Schutzpatronin der Bergleute ist die Heilige Barbara: Die nach der Legende des Jacobus Voraginis aus Nikomedien (Türkei) stammende Königstochter wandte sich dem Christentum zu. Ihr Vater Dioskur versuchte, sie unter allen Umständen von ihrem Glauben abzubringen, schloss sie in einen Turm ein und ließ sie schließlich enthaupten, worauf Dioskur von einem Blitz getötet wurde, der von einem plötzlich aufgezogenen Unwetter herabschlug. Vor ihrem Tode soll die Märtyrerin zu Christus gebetet haben, weshalb die Heilige oft mit Kelch und Turm abgebildet wird. Die Heilige Barbara wurde zunächst von den Glockengießern als Schutzpatronin angerufen, später von den Artilleristen, die mit ihren Kanonen "künstlich" Blitz und Donner hervorrufen konnten. Mit der Einführung des Schießpulvers in den Bergwerken (17. Jahrhundert) gewann die Heilige Barbara auch für die Bergleute an Bedeutung: Heute ist sie die wichtigste und weithin verbreitete Heilige der Knappen. Die Ausstellung zeigt die vielfältigen Gestaltungs- und Erscheinungsformen dieser Schutzpatronin: Neben Skulpturen, Gemälden, Drucken und Darstellungen auf Münzen und Medaillen sind es vor allem die zahlreichen Barbara-Ikonen, welche den Besucher in seinen Bann schlagen. Die Mehrzahl der ausgestellten Exponate stammt aus der Stiftung Jutta und Rolfroderich Nemitz, Essen. Die Jutta und Rolfroderich Nemitz - Stiftung Die Realisierung des Buchprojektes "St. Barbara - Weg einer Heiligen durch die Zeit" von Rolfroderich Nemitz und Dieter Thierse beanspruchte lange Zeit. Allein vier Jahre gingen für die Suche nach Darstellungen der Hl. Barbara in aller Welt und das Sammeln von Literatur über die Heilige ins Land. Die Sichtung von Bild- und Textmaterial dauerte noch einmal drei Jahre, 1995 erschien die erste Ausgabe des Buches auf dem deutschen Markt. Der Initiator Rolfroderich Nemitz hatte als Bergmann nach einigen gravierenden Erlebnissen im Bergbau den Weg zu seiner Schutzpatronin, der Hl. Barbara, zu suchen begonnen. So war er im untertägigen Praktikum mehrfach in extrem schwierige Situationen geraten, die er nur mit Glück unbeschadet überstanden hat: Nur einen Tag, nachdem er als Student auf einer Pyritgrube in Italien zu Gast gewesen war, erfolgte dort eine Methangasexplosion, die fast sämtliche Bergleute, die sich in der Grube aufhielten, das Leben kostete. Außerdem half er bei den Rettungsarbeiten der Bergleute in Lengede (1963) und im Jahr darauf in Champagnole (Frankreich). In späteren Jahren zählte es für ihn als Vorsitzendem einer Dienstleistungsgesellschaft im Bergbau zu seinen Aufgaben, jeweils am 04. Dezember, dem Barbaratag, den Mitarbeitern Sinn und Wirken der Heiligen zu erläutern. Literatur dazu gab es wenig, so dass im Laufe der Zeit der Plan entstand, ein Buch über die Heilige zu schreiben. Woher aber sollten die Abbildungen genommen werden? Ohne gezielte Suche begegnete man der Heiligen nicht allzu oft nur in speziellen Kirchen und höchstens an Bergwerkseingängen, Schächte und Tunneln. So entwickelte sich beim Autor der Gedanke, die Dokumentation der Heiligen auf eigene Recherche und Materialien zu gründen. Der regelmäßige Besuch von Kunst- und Antiquitätenmessen führte zum Erwerb erster Stücke. In den 1970er und 1980ger Jahren stiegen seine Möglichkeiten weiterer Anschaffungen, die z. T. aber an finanzielle Grenzen stießen, doch gelangten einige einzigartige, schöne und seltene Erwerbungen: Diese betrafen Beispiele der Barbara-Verehrung von der Renaissance über die Gotik, den Barock bis in die Moderne und dabei aus Holz (mit oder ohne Fassung), Stein oder Terrakotta bzw. Ton. Barbara-Darstellungen auf Gemälden und in Büchern wurden im Handel und auf Auktionen entdeckt und erworben. Mit dem Erwerb wuchs auch die Sachkunde über Zustand, Alter, Herkunft und Echtheit der Artefakte. Sämtliche Kunstwerke fanden zunächst ihren Platz im Hause von Rolfroderich Nemitz. Eines Tages entdeckte Dr. Rolfroderich Nemitz auch eine Darstellung der Heiligen als Ikone aus Russland. Hier wurde sie nicht als Schutzpatronin der Bergleute oder der Artillerie, sondern vielmehr als eine der 14 Nothelfer verehrt. Ein neues Feld tat sich auf: Im Laufe der Zeit konnte der Sammler mehr als zwei Dutzend Darstellungen der Heiligen als Ikone, z. T. auch mit Silber Oklad bzw. in einem Kästchen, finden und erwerben. Auch Bronze-Ikonen und Klapp-Altärchen sowie Emaille- Amuletts und schließlich eine doppelseitige Goldbrosche mit dem Bildnis der Hl. Barbara fanden ihre Aufnahme in die Sammlung. Diese Ikonen wurden in Deutschland, der Schweiz, Österreich, Polen, Griechenland, Jugoslawien und Russland entdeckt. Der Import der ausländischen Stücke war häufig mit beträchtlichen Schwierigkeiten verbunden. Im Laufe der Zeit erweiterte sich das Spektrum. Ein "Schweizer Scherenschnitt", eine Brokatstickerei, ein Altarsaum mit eingestickten Figuren oder Barbara-Gravierungen auf Zinngefäßen und Glas kamen hinzu. Zum Schluss ergänzten auch neuzeitliche Darstellungen und Kuriositäten die Sammlung, u. a. eines der weit verbreiteten Lackkästchen aus Russland oder die mundgeblasene Darstellung von St. Barbara in einer Weinflasche, sogar eine Tonfigur aus Brasilien, ein Amulett sowie eine größere Anzahl Münzen und Medaillen mit der Darstellung der Heiligen. Letztere wurden aus Anlass besonderer bergmännischer Ereignisse - z. B. der Fertigstellung von Schächten, Straßen, Wasserstollen oder Tunneln - herausgegeben. Moderne gegossene oder gebrannte Figuren der Hl. Barbara, die zu besonderen Anlässen vergeben oder einfach käuflich erworben werden konnten, rundeten die Sammlung ab. Mit großem Enthusiasmus trug der Sammler ein Belegstück nach dem anderen zusammen. Mittlerweile hatten die Recherchen und Nachforschungen in ganz Europa zu immer neuen Beispielen und Darstellungen z. B. in Kirchen, Krankenhäusern, Apotheken und Kasernen geführt. Im Verlauf der Arbeiten an dem Buch musste aus einer Dokumentation von über 2.000 Darstellungen eine Zahl von nur 250 ausgewählt werden, darunter Werke von hervorragenden Künstlern oder an berühmten Standorten wie das Bildnis der Heiligen bei der Sixtinischen Madonna oder ein Gemälde von Peter Paul Rubens (die Hl. Barbara auf der Flucht). Da die eigene Sammlung keinem interessierten Nachfolger in der Familie übergeben werden konnte, entschloss sich das Ehepaar Nemitz - nach Abstimmung mit ihren Kindern - im Jahre 1999 zur Gründung einer Stiftung, um die Sammlung als Ganzes zu erhalten und sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Noch vor dem Tod der Stifterin wurde dies in einem Erbvertrag festgelegt und im Sommer 2002 eine rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts unter dem Namen "Jutta und Rolfroderich Nemitz - Stiftung" mit Sitz in Essen gegründet. Zuvor waren Verhandlungen mit dem Deutschen Bergbau-Museum aufgenommen worden, um eine Präsentation für die Öffentlichkeit zu sichern. Das Museum übernahm die Exponate. Ein Vertrag schuf die Grundlage dafür, dass diese größte existierende Sammlung von Darstellungen der Hl. Barbara in würdiger Weise und langfristig der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Zweck der Stiftung ist die Fördeung der Kunst und Kultur. Dieser Stiftungszweck wird insbesondere verwirklicht durch die konservatorische Betreuung der im Eigentum der Stiftung befindlichen Kunstwerke durch die Organisation einer Dauerausstellung der Kunstwerke im DBM, um diese einem breiten Publikum zugänglich zu machen sowie durch die Förderung der Präsentation und des Bekanntheitsgrades dieser Kunstwerke durch die Herausgabe von Fachpublikationen und Katalogen und die dauerhafte Sicherung des Bestandes der Sammlung. Seit Sommer 2002 hat die Sammlung ihren festen Platz im Deutschen Bergbau-Museum Bochum (Halle 17) und ergänzt die dort dokumentierte technische und kulturelle Entwicklung des Bergbaus. Annähernd 150 Stücke - Figuren, Gemälde, Ikonen, Bücher, Gefäße und Schmuck - sind nun zu sehen. Die Barbara - Ausstellung wird gut besucht und von Zeit zu Zeit durch spezielle Vorträge erläutert; es lohnt, sie sich anzusehen: vor allem am Barbaratag, dem 04. Dezember eines jeden Jahres! Stiftungsvorstand Dr.-Ing. Rolfroderich Nemitz, Essen (Vorsitzender) Prof. Dr. Rainer Slotta, Bochum (stellvertretender Vorsitzender) Jan Braumann, Mülheim a. d. Ruhr (Vorsitzender des Kuratoriums) Maria Büse, Essen-Kettwig Karl-Heinz Buttkus, Steinenstadt-Neuenburg Dr.-Ing. Siegfried Müller, Bochum Tibor Nemitz, Mülheim a. d. Ruhr |
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