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Forschungsmuseen präsentieren Konservierungsforschung zum Schutz des kulturellen Erbes

Forschungsmuseen präsentieren Konservierungsforschung zum Schutz des kulturellen Erbes

Im Kontext des Europäischen Jahrs des Kulturerbes präsentieren die acht Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft ihre oft im Verborgenen bleibende Arbeit zum Erhalt des kulturellen Erbes einem breiteren Publikum. Mit Aktionswochen, spezifischen Ausstellungen und einer Videoreihe gewähren die Leibniz-Forschungsmuseen Einblicke in ihre Werkstätten und Forschungslabore.

Unser kulturelles Erbe zu bewahren und zu erforschen ist eine der zentralen Aufgaben der Leibniz-Forschungsmuseen mit ihren naturkundlichen und kulturhistorischen Sammlungen. Dabei geht es um Fragestellungen, wie zum Teil Jahrhunderte alte Sammlungsobjekte für Gesellschaft und Forschung erhalten werden können, wie sich daher natürliche Alterungsprozesse von Materialien aufhalten lassen oder welche Aussagen über Geschichte und Zukunft von Mensch und Umwelt sich mit sammlungsbasierter Forschung treffen lassen.

„Im Verbund der Leibniz-Gemeinschaft verfügen die Forschungsmuseen über das notwendige breite Spektrum an Forschungsressourcen und Fachwissen, um die mehr als 100 Millionen Objekte ihrer Sammlungen auch für zukünftige Generationen als Forschungsgegenstände und Ausstellungsobjekte für museale Vermittlung zu bewahren“, sagt Stefan Brüggerhoff, Direktor des Deutschen Bergbau-Museums Bochum und Projektleiter des gemeinsamen Programms der Forschungsmuseen im Europäischen Kulturerbejahr 2018.

Matthias Kleiner, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft betont: „Die konservatorische Arbeit und die Forschung zur Sicherung und zum Erhalt von Sammlungsobjekten ist ein wesentlicher Bestandteil des Aufgabendreiklangs eines Forschungsmuseums aus Sammeln, Erforschen und Vermitteln. Auch wenn diese Arbeit meist unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet, ist sie ungemein wichtig und verdient eine größere Sichtbarkeit.“
In den Leibniz-Forschungsmuseen sind mehr als 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf dem Gebiet der Restaurierungs- und Konservierungsforschung tätig. Diese kommen aus unterschiedlichsten Fachrichtungen von den Naturwissenschaften über die Materialwissenschaften bis hin zu Archäologie und Geschichtswissenschaften und natürlich der Restaurierung und Konservierung als wissenschaftlicher Disziplin selbst. In den vergangenen fünf Jahren haben die Leibniz-Forschungsmuseen mehr als 150 Projekte in diesem Feld bearbeitet. Deren Bandbreite spannt sich von einem Pionierarbeit leistenden Projekt zum Schutz der Fellsammlung des Berliner Museums für Naturkunde über Untersuchungen der Tafelmalerei des Spätmittelalters am Germanischen Nationalmuseum mit kunsthistorischen und kunsttechnologischen Mitteln bis hin zu einem berührungslosen 3D-Monitoring großer Objekte für präventive Konservierungsmaßnahmen am Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven.

In einer mit der Leipziger Autorengemeinschaft Libellulafilm Mair & Jahn und dem italienischen Künstler Cosimo Miorelli realisierten Filmreihe stellen die Leibniz-Forschungsmuseen die Arbeit ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf den Gebieten Konservierung und Restaurierung vor. Die Filme zeigen die Begeisterung für die spezifischen Tätigkeiten, zum Beispiel die Kunststoffforschung am Deutschen Bergbau-Museum Bochum und am Deutschen Museum in München, die Erfassung der genetischen Biodiversität für die Forschung zum Artensterben am Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn oder Untersuchungen an einem römischen Handwaschgeschirr des 2. Jahrhunderts zur Aufklärung des damaligen (Alltags)Lebens am Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz. Die acht Museumsfilme werden auf dem YouTube-Kanal der Leibniz-Gemeinschaft unter http://bit.ly/LeibnizMuseen-Kulturerbefilme veröffentlicht. Ein Trailer und ein erster Film sind seit heute online, die weiteren Folgen erscheinen wöchentlich jeweils an Freitagen.

In Aktionswochen mit Live-Untersuchungen und Werkstatt-Führungen erzählen die „Experten des Bewahrens“ der Leibniz-Forschungsmuseen über ihre Arbeit an und mit dem Kultur- und Naturerbe. Kleine Ausstellungen widmen sich exemplarisch der Restaurierungs- und Konservierungsgeschichte anhand ausgewählter Forschungsobjekte. So präsentiert zum Beispiel das Deutsche Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven ab dem 19. August eine Sonderausstellung „Der Zahn der Gezeiten - Maritime Schätze unter der Lupe“ und das Römisch-Germanische Zentralmuseum in Mainz bietet vom 10. bis 16. September und vom 5. bis 11. November zwei Themenwochen unter dem Motto „Was erzählt uns Kulturgut?“ an.

Eine Liste mit allen Veranstaltungen der Leibniz-Forschungsmuseen im Kontext des Aktionsplans ist online verfügbar unter www.leibniz-gemeinschaft.de/institute-museen/forschungsmuseen/aktionsplan-leibniz-forschungsmuseen/veranstaltungen/

Wie spannend die präventive Konservierung von Sammlungsobjekten sein kann, vermitteln die Forschungsmuseen in einem mit der niederländischen Firma ijsfontein entwickelten Computerspiel für großflächige Multitouchtische, die im Laufe des Jahres in allen acht Leibniz-Forschungsmuseen aufgestellt werden. Alleine und im Team schlüpfen die Spieler ab dem Grundschulalter in die Rolle der „Bewahrer“ und müssen versuchen, Objekte aus den Sammlungen der Forschungsmuseen gegen schädliche Einflüsse zu schützen. Das Spiel kann ab sofort im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt am Main getestet werden. Es wird dort im Rahmen einer kleinen Ausstellung die Restaurierungsgeschichte der fossilen Schädeldecke von Sangiran II, einem besonders gut erhaltenen Fossil einer ausgestorbenen Art der Gattung Homo, erzählt. Die anderen Häuser werden in Schritten mit ihren Tischen folgen.

Die Aktivitäten im Kulturerbejahr sind Teil des gemeinsamen Aktionsplans der Leibniz-Forschungsmuseen, der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung zusammen mit den Ländern Bayern, Berlin, Bremen, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz gefördert wird. Der Aktionsplan soll die besondere Rolle der Forschungsmuseen als Orte von Forschung, Bildung und Wissenstransfer stärken. Neben den Aktionen im Kulturerbejahr finden gemeinsame Projekte auf den Gebieten Wissenschaftskommunikation, Vermittlungsforschung und internationale Vernetzung statt.

Die Leibniz-Gemeinschaft
Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 93 selbständige Forschungseinrichtungen. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Forschung, auch in den übergreifenden Leibniz-Forschungsverbünden, sind oder unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer, vor allem mit den Leibniz-Forschungsmuseen. Sie berät und informiert Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Einrichtungen pflegen enge Kooperationen mit den Hochschulen - u.a. in Form der Leibniz-WissenschaftsCampi, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 19.100 Personen, darunter 9.900 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,9 Milliarden Euro.

www.leibniz-gemeinschaft.de


30. Juli 2018

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