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Call for Papers „Materielle Kulturen des Bergbaus“

materielle kulturen
Foto: Helena Grebe

Vom 05. bis 07. Dezember 2019 veranstaltet das montan.dok die internationale Fachtagung „Materielle Kulturen des Bergbaus / Material Cultures of Mining“ im Deutschen Bergbau-Museum Bochum. Vortragsangebote für die Tagung werden bis zum 15. Juni 2019 erbeten. Weitere Informationen entnehmen Sie bitte dem Call for Papers.

Call for Papers „Materielle Kulturen des Bergbaus

Die vieltausendjährige Geschichte des Bergbaus ist per se eine Geschichte von Artefakten, mit der sich insbesondere die bergbauarchäologische Forschung befasst. Mit der Zunahme schriftlicher Quellen geriet die materielle Überlieferung jedoch in den Hintergrund. Dies gilt vor allem für die Geschichte des industriellen Bergbaus des 19. und 20. Jahrhunderts, die sich vornehmlich auf Schriftquellen stützt. So gibt es bislang kaum methodisch reflektierte Ansätze, das materielle und museal überlieferte Bergbauerbe für eine montanhistorische Geschichtsschreibung fruchtbar zu machen.

Die Forschungsobjekte sind dabei immer wieder in der Ambivalenz von Materialität und Bedeutungszuweisungen zu hinterfragen. Ebenso sind sie als Artefakte in ein Netzwerk von Mensch-Ding-Beziehungen eingebunden, das sich etwa in einem spezifischen Gebrauchswissen widerspiegelt. Objekte sind aus diesem Grund nicht statisch und autonom, sondern als „temporary bundles of matter, energy and information“ (Hodder) ständig in Bewegung. Blickt man von hier aus auf die für die Archäologie typische Objektüberlieferung über Fundstellen, so stehen historische Artefakte als „assemblages“ in einem Kontext synchroner und diachroner Beziehungen sowohl zwischen Dingen untereinander als auch in ihren Gebrauchs-Beziehungen zum Menschen.

Zugleich besitzen Objekte eine materiell begründete Funktionalität. So können etwa experimentell ausgerichtete Rekonstruktionen Auskunft über Herstellungsverfahren und Praktiken des Gebrauchs geben. Auch die in der Archäologie verbreitete Beschäftigung mit Gebrauchsspuren basiert auf einer primären Materialität der Objekte. Zudem muss eine Forschung mit Objekten nicht zwangsläufig das besondere Einzelobjekt im Blick haben: Gruppen aufeinander bezogener Objekte können durch eine Analyse von Gemeinsamkeiten und Unterschieden bzw. Entwicklungsreihen für das Einzelobjekt von Bedeutung sein.

Das Ziel der Tagung ist es, neuere Ansätze der Material Culture Studies methodisch zu reflektieren und auf die jüngere Geschichte des Bergbaus anzuwenden. Angesprochen sind hier neben Bergbauhistorikerinnen und Bergbauhistorikern insbesondere Vertreterinnen und Vertreter aus der Technik- und Wissenschaftsgeschichte, der Zeitgeschichte, der Museologie und der Archäologie.

Die Beiträge sollten sich nach Möglichkeit in einem der folgenden Themenbereiche verorten lassen:

  • Wissensobjekte
    Bergbauobjekte sind z. B. Teil der bergmännischen Ausbildung, bei der sie etwa in Lehre und Forschung in Form von Modellen zum Einsatz kamen. Zu fragen ist nach der Überlieferung dieser und ähnlicher Objekte und ihrer Rolle innerhalb einer wissensbezogenen Geschichte des Bergbaus. Hierzu gehört ebenso die Wissensvermittlung in musealen Kontexten, die etwa in der Aufstellung von Dioramen und der Errichtung von Anschauungsbergwerken ablesbar ist.
  • Gedächtnisobjekte
    Objekte wie Bergbaufahnen oder figürliche bzw. bildliche Darstellungen der Heiligen Barbara stehen oft im Spannungsverhältnis persönlicher Erinnerungen und einer branchenbezogenen Gedächtniskultur. Zu fragen wäre hier nach den institutionellen Rahmenbedingungen, in denen sich das Sammeln, die Präsentation und die Umdeutung dieser Objekte vollziehen. Zugleich geht es um die mit ihnen verbundenen bergbauspezifischen Erzählungen und Geschichtskonstruktionen.
  • Alltagsobjekte
    Gemeint sind hier im Kern Gebrauchsgegenstände und Massenprodukte. Als serielle und normierte Objekte stehen sie etwa als Kunststoff-Schutzhelm für einen bestimmten Sicherheitsstandard im Bergbau. Welche Rolle spielen diese Objekte in der Geschichte des Bergbaus und wie lassen sie sich etwa im Spannungsverhältnis von Standardisierung und Normierung einerseits und alltäglichem Gebrauch andererseits beschreiben?
  • Technische Objekte
    Die Bergbautechnik gehört zum Kernbestand vieler historisch ausgerichteter Sammlungen. Das Spektrum reicht hier von Werkzeugen und Maschinen bis hin zu erhaltenen Bauwerken über und unter Tage. Eine Frage könnte hier beispielsweise lauten, welche Rolle bestimmte Materialien wie Kunststoff oder Aluminium bei ihrer Entwicklung und Herstellung spielten.

Die internationale Tagung „Materielle Kulturen des Bergbaus / Material Cultures of Mining“ findet vom 05. bis 07. Dezember 2019 im Deutschen Bergbau-Museum Bochum statt. Veranstalter der Tagung ist das Montanhistorische Dokumentationszentrum (montan.dok) des Deutschen Bergbau-Museums Bochum.

Die Tagungssprachen sind Deutsch und Englisch.

Abstracts im Umfang von max. 500 Wörtern und ein CV werden bis zum 15. Juni 2019 erbeten an Dr. Stefan Siemer (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!). Die Entscheidung über Annahme oder Ablehnung des Vorschlags erfahren die Einsenderinnen und Einsendern bis zum 15. Juli 2019.

Die Reise- und Übernachtungskosten der Vortragenden können vom Veranstalter übernommen werden. Eine Veröffentlichung der Tagungsbeiträge ist geplant.


Call for Papers „Material Cultures of Mining“

The history of mining spans millennia. Given the lack of other sources, it is overwhelmingly a history of (archaeological) artifacts. In contrast, the abundance of written sources in the modern era has largely diverted the historiographic view from considering objects and artefacts. This is especially true in the case of industrialized mining in the 19th and 20th centuries. Accordingly, there has little work been done so far in terms of a methodology to integrate and approach the material heritage of mining both in historiographic and museal practice.

Researching objects is always shaped by an ambiguous balance between materiality and the allocation of meaning. As artefacts they are entangled in networks of human-nonhuman relationships which are reflected in specific forms of knowledge and usage. Rather than being static or autonomous, objects can be understood as „temporary bundles of matter, energy and information“ (Hodder) which are subject to change. Even in archaeology itself historical artefacts are seen as „assemblages“, bound together in both synchronous and diachronous relations between things and between things and their social uses.

At the same time, objects have a material functionality. Thus, experimental reconstructions can provide insights into the ways of production and uses of an object. Likewise, the interpretation and analysis of signs of use in archaeology is based on the essential materiality of an object. Furthermore, object research is not necessarily restricted to individual artefacts but can involve groups of objects in order to gather information on similarities and differences, lines of development etc.

The conference aims to discuss new approaches in the study of material culture and see whether and to what extent such approaches can be usefully applied to the history of mining. We intend to encourage a cross-disciplinary debate among historians of mining, technology and science as well as contemporary historians, museologists and archaeologists.

Contributions should potentially focus on the following themes:

  • Objects of knowledge:
    Mining objects are part and parcel of mining related vocational training and education, e.g. the use of geological and technical models in mining colleges and schools. At the same time, the history of their subsequent uses, storage and collection histories can shed light on changing allocations of meaning. The integration of mining objects, visitors’ mines and dioramas into the museum sphere constitutes a further aspect of knowledge production through objects.
  • Objects of memory:
    Often, artefacts such as mining banners or representations of Saint Barbara define a cross point between individual memory and an industry related memorial culture. On the one hand, the specific narratives and constructions of history linked with these objects can be analyzed; on the other hand one could ask for the institutional frameworks in which collecting and presenting these objects is constituted.
  • Everyday objects:
    By everyday objects we mean mass produced, serial and standardized objects. The thermoplastic hard hat, for instance, stands in for a specific history of health and safety underground. What is the role of such objects in the history of mining and what can the potential traces of the everyday tell us about the tensions between standards and norms on the, one hand, and lived practice, on the other?
  • Technical objects:
    Technology objects constitute a central part of most historical mining collections, from tools and machinery to mining architecture above and below the surface. To what extent does materiality and form add to our knowledge about the specific mining historical contexts (e.g. the role of materials such as plastics and aluminium agents of change)?

The international conference will take place from December 5th to 7th 2019 at the Deutsches Bergbau-Museum Bochum. It is organized by the Montanhistorisches Dokumentationszentrum (Mining History Document Centre) – short form: montan.dok – at the Deutsches Bergbau-Museum Bochum.

The conference will be held in German and English.

Please submit your paper proposal as an abstract of no more than 500 words and a CV until June 15th 2019 to Dr. Stefan Siemer (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!). Selection of the proposals is scheduled for June 2019, notification by July 15th 2019 latest.

The organizers can cover basic expenses for travel and accommodation for accepted contributors. It is intended to publish the contributions of the conference.

Literatur/Literature:

  • Breidbach, Olaf (Hrsg.): Experimentelle Wissenschaftsgeschichte, München/Paderborn 2010 (= Laboratorium Aufklärung, 3).
  • Daston, Loraine (Hrsg.): Things That Talk. Object Lessons from Art and Science, New York 2004.
  • Hodder, Ian: Entangled. An Archaeology of the Relationships between Humans and Things, New York 2012.
  • Joyce, Rosemary/Pollard, Joshua: Archaeological assemblages and practices of deposition, in: Hicks, Dan/Beaudry, Mary C. (Hrsg.): The Oxford Handbook of Material Culture Studies, Oxford 2010, S. 291-309.
  • LeCain, Timothy J.: The Matter of History. How things create the past, Cambridge 2017.
  • Ludwig, Andreas: Materielle Kultur, Version: 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 30.05.2011, unter: http://docupedia.de/zg/ludwig_materielle_kultur_v1_de_2011 (Stand: 19.09.2018).

Kontakt/Contact:

Dr. Stefan Siemer
Deutsches Bergbau-Museum Bochum
Montanhistorisches Dokumentationszentrum (montan.dok)
Am Bergbaumuseum 28
44791 Bochum
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Tel.: +49 (0) 234 5877 158

Den Call for Papers erhalten Sie hier zum Download:

Download (pdf)

18. April 2019

Anschrift

Am Bergbaumuseum 28
44791 Bochum

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geschlossen

Letzte Grubenfahrt 15:30 Uhr
Letzte Turmfahrt 16:30 Uhr

Preise (gültig ab 28.11.2017)

Erwachsene
5,00 €
ermäßigt
2,00 €
Familienkarte
11,50 €
Jahreskarte
12,50 €
Familien-Jahreskarte
25,00 €
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