Archäometrie von Dreifußkesseln: Neue Daten zu politischen und wirtschaftlichen Verknüpfungen Griechenlands ca. 1200 – 700 v. Chr.

Archäometrie von Dreifußkesseln
Foto: Moritz Kiderlen

Die Entwicklung von Heiligtümern mit Zentralortsfunktionen (z. B. Olympia, Delphi, Kalapodi) ist eines der grundlegenden siedlungsgeographischen und politischen Phänomene des früheisenzeitlichen Griechenlands. Durch das Fehlen von epigraphischen und literarischen Anhaltspunkten stehen zur Ermittlung der Einzugsbereiche und Vernetzungen vor allem Fundassemblagen wie die bronzenen Dreifußkessel zur Verfügung. Sie bildeten die oberste Kategorie der metallenen Votive.

Dreifußkessel wurden in den Heiligtümern vermutlich dazu verwendet, das Fleisch von Opfertieren zu garen. Die Versammlungen waren vor allem große, prächtige Festessen, bei denen die Kultgemeinde das Mahl unter sich aufteilte. Im spirituellen Sinne waren Dreifußkessel ein Geschenk an die im Heiligtum „herrschende“ Gottheit. Dadurch verpflichtete der Weihende den Gott zu einer Gegenleistung, oder er bedankte sich für einen bereits erfüllten Wunsch (z. B. für eine reiche Ernte, Kriegsbeute oder gesunde Kinder). Der Ablauf eines solchen „Gottesdienstes“ war durch Konventionen und Institutionen streng geregelt, womit dieser gesellschaftliche Bereich zu den frühesten gehörte, für den eine politische Struktur aus Gremien und Regeln anzunehmen ist.

Der Wert eines Dreifußkessels war erstaunlich, denn er betrug entsprechend seines Metallgewichts den von mehreren Sklaven und/oder Rindern. Dies können wir Szenen in Homers Epen entnehmen, in denen Dreifüße taxiert werden. Etwa zeitgleiche altorientalische Kaufverträge nennen Kupferpreise in ähnlichen Größenordnungen. Zahlreiche Abnutzungsspuren und Reparaturen zeigen, dass die Dreifußkessel sehr lange gepflegt und aufbewahrt wurden. Von großer Wichtigkeit für unser Projekt ist, dass die dem Heiligtum gestifteten Dreifußkessel nicht recycelt wurden, sondern man sie in einem rituellen Prozess zerschlug und rund um den Altar verteilte. Dass heute z. B. allein in Olympia noch mehr als 1000 große Fragmente überliefert sind, zeigt, dass damals eine Mischung aus sozialer Kontrolle und handfester Überwachung vorgeherrscht haben muss, die Metalldiebstahl verhinderte. Insgesamt wurden von den Archäologen Reste von mehr als 900 Dreifußkesseln in den Heiligtümern entdeckt, vereinzelt aber auch in Gräbern.

Nicht nur die Herkunft des Metalls zu ermitteln, in unserem Falle die des Kupfers in den Bronzen, ist ein wichtiger Baustein in dem Projekt, sondern z. B. auch die Lokalisierung der Werkstätten, in denen all diese Dreifußkessel produziert wurden. Dafür wurden Spurenelementanalysen (NAA) von Gussmantel- und Gusskernresten an Dreifußkesselbeinen und pyrotechnischer Keramik aus einigen Heiligtümern miteinander verglichen, mit dem Resultat, dass Olympia nicht nur als Weihstätte, sondern auch als Produktionsort dieser Votivobjekte von überregionaler bzw. zentraler Bedeutung war.

Im DBM liegt der Focus auf der Spurenelement- und Bleiisotopenuntersuchung der verwendeten Metalle. Insgesamt sind zum Ende des Berichtjahres 260 Bohrproben von Beinen, Henkeln und Kesselpartien analysiert und ausgewertet worden. Die Bleiisotopenmessungen wurden an der Goethe-Universität Frankfurt a. Main durchgeführt. Die auf dem geochemischen Fingerabdruck in den Dreifußkesseln beruhende Erkenntnis, dass die berühmten Kupferlagerstätten des Wadi Arabah (Fenan, Timna) in der frühen Eisenzeit anscheinend über Jahrhunderte das Bezugsgebiet für Kupfer in die Ägäis war, zumindest was die Lieferungen für die gesellschaftliche Elite anging, war bis jetzt so noch nicht bekannt und ist aufgrund der relativ großen Entfernung der Erzreviere zu den griechischen Siedlungsgebieten erstaunlich. Es würde bedeuten, dass auch in der frühen Eisenzeit (den sogenannten „Dark Ages“) Handelskontakte und –strukturen über lange Zeiträume bestehen konnten. Auch eine Umkehr zu anderen (teilweise vielleicht regionalen) Kupfererzen in der Mitte des 8. Jahrhunderts kann an den Messdaten abgelesen werden. Eine genaue Lokalisierung dieser späteren ägäischen Bergbaue steht noch aus.

 


Projektleitung

Dr. Michael Bode (zusammen mit Dr. Moritz Kiderlen)

Teammitglieder

Dr. Moritz Kiderlen, Humboldt-Universität zu Berlin
Dr. Yannis Bassiakos, Dr. Eleni Filippaki, Dr. Giorgos Mastrotheodoros, Dr. Anno Hein, National Center for Scientific Research (NCSR) “Demokritos”
Prof. Dr. Andreas Hauptmann 
Prof. Dr. Hans Mommsen, Helmholtz-Institut der Universität Bonn

Projektträger

Deutsches Bergbau-Museum Bochum, Forschungsbereich Materialkunde (zusammen mit der Humboldt-Universität zu Berlin)

Kooperation

Tel Aviv University, Department of Archaeology and ANE Cultures
Deutsches Archäologisches Institut, Abteilung Athen
Griechische Museen in Agrinion, Atalanti, Athen, Delphi, Delos, Heraklion, Ithaka, Isthmia, Karditsa, Korinth, Lamia, Olympia, Thermos, Vathy (Samos)

Laufzeit

2017 – 2021



Veröffentlichungen

  • Kiderlen, Moritz: Zur Chronologie griechischer Bronzedreifüße des geometrischen Typs und den Möglichkeiten einer politisch–historischen Interpretation der Fundverteilung. Archäologischer Anzeiger, 2010, S. 91–105.
  • Kiderlen, Moritz/Bode, Michael/Hauptmann, Andreas/Bassiakos, Yannis. Tripod cauldrons produced at Olympia give evidence for trade with copper from Faynan (Jordan) to South West Greece, c. 950–750 BCE. Journal of Archaeological Science: Reports 8, 2016, S. 303–313.
  • Kiderlen, Moritz/ Hein, Anno/Mommsen, Hans/Müller, Noémi S.: Production Sites of Early Iron Age Greek Tripod Cauldrons – First Evidence from Neutron Activation Analysis of Casting Ceramics. Geoarchaeology 33, 2017, S. 321-342.