Untersuchungen an Goldobjekten aus den Königsgräbern von Ur

Untersuchungen an Goldobjekten aus den Königsgräbern von Ur

Das Pennsylvania University Museum for Archaeology and Anthropology in Philadelphia (Penn Museum) besitzt eine große Sammlung von Metallartefakten aus Kupfer, Bronze, Silber und Gold, die Sir Leonard Woolley zwischen 1922 und 1934 in den Königsgräbern von Ur (Mitte 3. Jahrtausend) ausgegraben hatte. Je ein Viertel der Funde gelangte nach Philadelphia in das Archäologische Museum der Universität und ins Britische Museum nach London, die andere Hälfte der Funde kam ins Baghdad-Museum. Dort wurden sie zusammen mit vielen anderen Goldartefakten vor dem 1. Golfkrieg 1991 in den Safe der Nationalbank geschafft, wo man sie erst kürzlich „wiederentdeckte“.

Die ersten Arbeiten des DBM an den Funden begannen 2009. Das Museum hatte einem Antrag zugestimmt, analytische Untersuchungen an den Metallfunden durchzuführen. Zunächst wurden mit einem tragbaren Röntgenfluoreszenz-Spektrometer zerstörungsfrei 31 der schönsten und bekanntesten Goldobjekte auf ihre chemische Zusammensetzung hin analysiert.
Die Messungen ergaben hoch interessante Ergebnisse, darunter vor allem den Nachweis der Abstrich-Vergoldung aus einer Tumbaga-Legierung: Um Gold „vorzutäuschen“ – also eine goldreiche Oberflächenschicht zu erzeugen –, wurde die ursprüngliche Kupfer-Silber-Goldlegierung mit Säuren behandelt. Dieses raffinierte Verfahren wurde demnach nicht erst, wie bisher vermutet, in Südamerika im 15. Jahrhundert n. Chr. erfunden, sondern war bereits um 2500 v. Chr. in der Alten Welt bekannt. Aus diesen Vorarbeiten entstand ein Forschungsprojekt des Deutschen Bergbau-Museums Bochum mit mehreren Partnern. Nach vorliegenden Angeboten, die Untersuchungen auf die Funde vom British Museum auszuweiten, wird eine Fortsetzung der aktuellen Projektphase in Betracht gezogen.


Projektträger

Deutsches Bergbau-Museum Bochum

Goethe-Universität Frankfurt


Veröffentlichungen

  • Hauptmann, A., Kirchner, D., Klein, S. & Zettler, R. 2013, Golden Hair Ribbons from King Puabi’s and other Royal Tombs of Ur, 2600 / 2500 BCE. In: A. Hauptmann & D. Modarressi-Tehrani (Hrsg.), Archaeometallurgy in Europe III. Der Anschnitt, Beiheft, in Vorb.
  • Hauptmann, A., Kirchner, D., Klein, S. & Zettler, R. 2014, Golden Hair Ribbons from King Puabi’s and other Royal Tombs of Ur, 2600 / 2500 BCE. In: A. Hauptmann & D. Modarressi-Tehrani (Hrsg.), Archaeometallurgy in Europe III. Der Anschnitt, Beiheft, in Vorb.
  • Hauptmann, A., Klein, S., Baumer, U., Bode, M., Dietemann, P. & Zettler, R. 2013, Composition and Provenance of Pigments from the Early Dynastic Royal Tombs of Ur, Mesopotamia. In: A. Hauptmann, O. Mecking & M. Prange (Hrsg.), Archäometrie und Denkmalpflege, Jahrestagung an der Bauhaus Universität Weimar, 25.-28. September 2013. Metalla, Sonderheft 6, 298-304.