KultSam - Kulturhistorische Sammlungen als digitaler Wissensspeicher für Forschung, Lehre und öffentliche Vermittlung

KultSam
Foto: Helena Grebe

Was ist KultSam?

Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften liefern Wissen über kulturelle, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen und helfen so, globale Zusammenhänge zu verstehen, Zukunft zu gestalten und zwischen den Kulturen zu vermitteln. Die Sammlungen der kulturhistorischen Museen und Universitäten Deutschlands sind einzigartige Repräsentationen menschlichen Denkens, Schaffens und Handelns. Als Teil des kulturellen Erbes der Menschheit werden sie themenzentriert und dezentral aufbewahrt, sind jedoch für die Öffentlichkeit häufig nur begrenzt zugänglich, in der notwendigen Tiefe noch wenig erschlossen und in Bestand und Erhaltung gefährdet.


In einer zehnjährigen Aufbauphase, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung zielt KultSam auf die Entwicklung, den Aufbau und den Betrieb einer inter- und transdisziplinären virtuellen Umgebung zur Erforschung der materiellen Kultur des Menschen bzw. des in Museen und Objektsammlungen gespeicherten Wissens.

Dabei wird KultSam von vier Forschungszentren mit aufeinander Bezug nehmenden, in ihren Aufgaben jedoch klar konturierten Fachgebieten getragen: Unterstützung bieten die Leibniz-Forschungsmuseen: sowie die Einrichtungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin: Auf den Erfahrungen der Kompetenz- und Forschungszentren aufbauend entsteht in Kooperation mit den Partnerorganisationen eine dezentrale Forschungsinfrastruktur, die neben der digitalen Bereitstellung der eigenen Sammlungsbestände auch weitere kulturhistorische Datensammlungen aufnimmt sowie Standards, innovative Informationsdienste und Werkzeuge für die Digitalisierung von Sammlungsbeständen liefert.

Diese werden im Rahmen von sechs Aktionsfeldern (Wissenschaftliche Reflexion und Methodenkompetenz; Dokumentation und Digitalisierung; Nutzerbezogene Forschungsumgebung; Ausbildung und Lehre; Forschungsdaten und Langzeitarchivierung; Governance, Management, Administration) erarbeitet und – nach intensiver Prüfung – für Analyse- und Forschungsfragen auf dem KultSam-Portal bereitgestellt. Durch die nationale und interdisziplinäre Ausrichtung und Strahlkraft von KultSam können die entwickelten Digitalisierungsstandards institutionenübergreifend umgesetzt werden.

Die in deutschen Museen und Forschungseinrichtungen größtenteils in Depots oder Magazinen gelagerten und für die Öffentlichkeit häufig nicht zugänglichen Sammlungen können mittels Digitalisierung geöffnet und sichtbar gemacht werden.
KultSam stellt sich dieser Herausforderung mit dem Ziel, kulturhistorische Sammlungen, in den beteiligten Museen und darüber hinaus, digital aufzubereiten, sie mithilfe von ForscherInnen und weiterführenden Vernetzungen (Linked Open Data) in der Tiefe zu erschließen und zeit- und ortsungebunden zugänglich zu machen (Open Access). KultSam adressiert eine diversifizierte Forschungscommunity, die sich über die klassischen Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften und die Digital Humanities bis hin zu naturwissenschaftlichen Disziplinen im Umfeld der Restaurierungs- und Konservierungsforschung erstreckt. Hier wird KultSam als Mediator und Impulsgeber für interdisziplinäre Kooperationsmöglichkeiten fungieren.

Für die forschende Lehre stellt KultSam transparent zugängliche, gut erschlossene, mit Metadaten aufbereitete und zitierfähige Objekte zur Verfügung. Dabei ermöglicht die angestrebte Interoperabilität die digitale Zusammenführung heterogener Datenbestände und -qualitäten sowie Verknüpfungen mit anderen Datenbanken.

Nicht zuletzt gibt KultSam über eine intuitive und barrierefreie Bedienoberfläche auch für eine interessierte Öffentlichkeit tiefen Einblick in die herausragenden Sammlungsbestände deutscher Forschungs- und Kultureinrichtungen. Die semantische Erschließung von Sammlungsdaten hilft, den Nutzer durch die stetig wachsende Datenbank zu führen, in welcher er von Datensatz zu Datensatz „flanieren“ kann, um so auf Ergebnisse zu stoßen, die in herkömmlichen relationalen Systemen nicht auffindbar wären.

Durch die Sichtbarkeit der Objekte im Netz wird deren Relevanz im internationalen Kontext erhöht. Das KultSam-Portal wird webbasiert für jeden User mit Internetanschluss zugänglich sein und die Nutzung der Analysetools ohne weitere Installationsvorgänge ermöglichen. Hierdurch sollen technische Schwellen gesenkt und für alle Nutzergruppen eine nutzerfreundliche und intuitive Bedienung ermöglicht werden. Dadurch fördert KultSam zugleich die Partizipation diverser Nutzergruppen durch Crowdsourcing, Social Tagging und weitere Methoden der Digital Humanities.

Durch den steten Austausch und die Interaktion mit der Nutzercommunity, welche die erarbeiteten Standards und Werkzeuge testet, kann die KultSam-Plattform während des Betriebs kontinuierlich angepasst und optimiert werden.

KultSam wird das Kooperationsnetzwerk nach der Aufbauphase vergrößern, um das Angebotsspektrum stetig zu erweitern und auf aktuelle Fragen und Anforderungen aus dem Bereich der Digitalisierung reagieren zu können.

Im Jahr 2016 wurde KultSam auf die Leibniz-Roadmap für Forschungsinfrastrukturen aufgenommen. Im Rahmen der aktuell laufenden Vorphase soll das Konzept weiterentwickelt werden, um in der nächsten Ausschreibung für die Nationale Roadmap der Forschungsinfrastrukturen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung begutachtungsreif eingereicht werden zu können. Nach einer zehnjährigen, ab etwa 2020 beginnenden Aufbauphase soll KultSam in die Betriebsphase übergehen.

Kontakt

Eva Nüsser

DBM-Projektleiter

Projektleitung
Prof. Dr. Stefan Brüggerhoff

Stellvertretende Projektleitung
Dr. Michael Farrenkopf

Projektträger

Deutsches Museum München
(Prof. Dr. Helmuth Trischler)

Kooperationspartner

Deutsches Bergbau-Museum Bochum
(Abteilung Sammlung und Dokumentation/montan.dok)

Förderung

Bundesministerium für Bildung und Forschung