Resources in Societies (ReSoc) – Leibniz Postdoc-Schule

Inauguration Meeting ReSoc
Foto: Peter Thomas (DBM)

In der heutigen politischen Debatte spielen Rohstoffe und Ressourcen eine zunehmend wichtige Rolle – besonders stehen Zugänglichkeit und Sicherung von Grundstoffen und der Shareholder-Value von Lagerstättenbewertungen im Mittelpunkt der zumeist ökonomischen Interessen. Dabei kommt zu kurz, dass Rohstoffe und Ressourcen zutiefst in kulturellen Kategorien gedacht werden: Ihre Nutzung basiert auf Bedürfnissen und technischem Wissen, das Menschen im Umgang mit ihrer Umwelt erworben haben. Ressourcen sind also weitaus mehr als nutzbringende Rohstoffe: Sie spiegeln die gesellschaftliche und kulturelle Praxis des Menschen und sind somit Ausdruck eines mehrschichtigen Aneignungsprozesses, der als solcher in verschiedene Veränderungen eingebettet ist. Mit diesen Veränderungen im Umgang mit Ressourcen und den daraus resultierenden Auswirkungen auf Gesellschaften beschäftigt sich das Projekt „Resources in Societies“ (ReSoc) – eine Kooperation zwischen dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum (DBM) und der Ruhr-Universität Bochum (RUB).

Die „Verstrickung“ des Menschen mit seiner Umwelt und den Ressourcen sowie den damit zusammenhängenden gesellschaftlichen Veränderungen sind nach wie vor Desiderat theoretischer Ansätze. In ReSoc werden solche ressourcenbasierte Transformationsprozesse auf theoretischer und empirischer Basis untersucht. Praxistheoretische Ansätze (nach A. Giddens und P. Bourdieu) sollen dabei helfen, die Einbettung sozialer Institutionen und ihrer ressourcengesteuerten Handlungsweisen zu analysieren. Darüber hinaus werden aktuelle Bezüge des Materialitätsdiskurses in den Sozial- und Geisteswissenschaften berücksichtigt. ReSoc zielt auf eine multivokale Perspektive, in der die Verstrickung des Menschen mit seiner materialisierten Umwelt durch verschiedene Praktiken offenbar wird. Dazu gehört auch, wie soziale Institutionen durch solche Prozesse entstehen und sich wandeln.

Wie haben sich zunächst kleinräumige Handlungsprozesse der Rohstoffaneignung zu kulturellen Konstrukten entwickelt (z.B. durch technisches Wissen und Lernprozesse; durch die Praxis der Gewinnung etc.)? Wie finden sich dieses Vorgänge in der Aneignung und Konstruktionen sozialer Räume und letztlich in gesellschaftlichen Transformationsprozessen wieder? Welche Wechselwirkungen lassen sich dabei beobachten?

Diese Fragen sollen auf theoretischer und empirischer Ebene in drei Forschungsfeldern untersucht werden:
1. Aneignen von (Roh)Stoffen ‒ Überführen und Wandeln von Dingen: Ressourcen und Materialien in der Praxis
2. “Raum machen”, das Wachsen von Wissen und Innovation durch Ressourcen und als Ressource
3. Verändern von Gesellschaften: Akteure in materialisierten Asymmetrien

Im Rahmen von ReSoc werden fünf Postdoc-Projekte aus den Feldern Archäologie, Volkswirtschaftslehre, Archäometallurgie und Montanarchäologie gefördert. Neben ihren eigenen Forschungen übernehmen die Postkoktorand*innen Lehrveranstaltungen und praktische Anteile im Rahmen der wissenschaftlichen Administration und der musealen Praxis. Mit dieser Öffnung der Karrierewege plant das DBM, eine nachhaltige Postdoc-Strategie aufzubauen.

English Proposal (pdf)

Einzelprojekte


DBM-Projektleiter

Prof. Dr. Thomas Stöllner

DBM-Projektkoordination

Dr. Petra Eisenach

Postdoktoranden

Dr. Maja Gori, People, Ruhr-Universität Bochum/Institut für Archäologische Wissenschaften

Dr. Yiu-Kang Hsu, DBM/Forschungsbereich Archäometallurgie

Dr. Frederik Schaff, Ruhr-Universität Bochum/ Lehrstuhl für Makroökonomie

Peter Thomas M.A., DBM/Forschungsbereich Montanarchäologie

Arne Windler M.A., DBM/Forschungsbereich Montanarchäologie

Principal Investigators (PIs)

Prof. Dr. Sabine Klein, Forschungsbereich Archäometallurgie

Prof. Dr. Michael Roos, Ruhr-Universität Bochum/ Lehrstuhl für Makroökonomie

Prof. Dr. Constance von Rüden, Ruhr-Universität Bochum/Institut für Archäologische Wissenschaften

Prof. Dr. Thomas Stöllner, DBM und Ruhr-Universität Bochum/Institut für Archäologische Wissenschaften

Advisory Board

Prof. Dr. Roland Hardenberg, Frobenius-Institut für kulturanthropologische Forschung

Prof. Dr. Frank Hillebrandt, FernUniversität Hagen/Institut für Soziologie

Prof. Dr. Marc Pearce, University of Nottingham/Department of Archaeology

Prof. Dr. Susan Pollock, Freie Universität Berlin/Institut für Vorderasiatische Archäologie

Projektträger

Deutsches Bergbau-Museum Bochum