„Umweltpolitik, Bergbau und Rekultivierung im deutsch-deutschen Vergleich. Das Lausitzer Braunkohlenrevier, die Wismut und das Ruhrgebiet (1949-1989/2000)“

„Umweltpolitik, Bergbau und Rekultivierung im deutsch-deutschen Vergleich. Das Lausitzer Braunkohlenrevier, die Wismut und das Ruhrgebiet (1949-1989/2000)“
Foto: Wilhelm Knabe

Forschungsverbund der Ruhr-Universität Bochum, des Deutschen Bergbau-Museums Bochum und der Technischen Universität Bergakademie Freiberg

Verbundkoordinator: Prof. Dr. Helmut Maier

Ziel des Vorhabens ist die Untersuchung der Umweltpolitiken der DDR im deutsch-deutschen Systemvergleich am Beispiel dreier Bergbaureviere. Verglichen werden das Lausitzer Braunkohlerevier, der Uranbergbau der Wismut und das Ruhrgebiet. Die gewählten Untersuchungsfelder schließen ein klaffendes umwelthistorisches Desiderat der DDR-Forschung. Das Verbundvorhaben zielt auch darauf ab, die Forschungsergebnisse nachhaltig wirksam werden zu lassen. Dies geschieht durch unterschiedliche Maßnahmen: Zum einen konzipiert und realisiert das Deutsche Bergbau-Museum Bochum (DBM) eine Sonderausstellung zur Forschungsthematik, zum zweiten fließen die Forschungsergebnisse in die universitäre Lehre der Ruhr-Universität Bochum (RUB) sowie der Technischen Universität Bergakademie Freiberg (TU BAF) ein und zum dritten führen die Verbundpartner öffentliche Vortragsreihen durch. Mithin verbindet das Vorhaben wissenschaftliche Grundlagenforschung zur Umweltpolitik der DDR mit konzeptionellen, forschungsbasierten Arbeiten zur öffentlichkeitswirksamen Vermittlung der Forschungsergebnisse. Dadurch trägt es zur strukturellen Stärkung der DDR-Forschung nachhaltig bei. Das Verbundvorhaben gliedert sich in fünf Teilprojekte, die inhaltlich eng miteinander verbunden sind.


I: Teilprojekt zum Lausitzer Braunkohlenrevier

Teilprojektleiter: Dr. Torsten Meyer, Deutsches Bergbau-Museum Bochum

Projektbearbeitung: N. N.

Das erste Teilprojekt erforscht die Akteure und Institutionen, die die Umweltpolitik des Bezirkes Cottbus prägten. Hierzu zählen u. a. der VVB Braunkohle Senftenberg und Cottbus, die HV Braunkohle, die Wasserwirtschaft Obere Elbe, das 1972 gegründete Ministerium für Umweltschutz und die Staatliche Plankommission. Nachgezeichnet werden die Interaktionen zwischen den umweltpolitischen Akteuren, die Spielräume für „erfolgversprechende“ umweltpolitische Konzepte, die Prozesse der Wissensgenerierung und -distribution über die Wiederurbarmachung sowie die internationalen Verflechtungen und Transfers. Zentrales Augenmerk wird dem Spannungsverhältnis zwischen Ökonomie und Ökologie geschenkt, das insbesondere in der Ära Honecker mit dem Konzept der Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik zugunsten der Ökonomie entschieden wurde.

II: Teilprojekt zum Ruhrgebiet

Teilprojektleiter: Prof. Dr. Helmut Maier, Ruhr-Universität Bochum

Projektbearbeitung: N. N.

Anfang der 1970er-Jahre befanden sich im Bereich des Kommunalverbandes Ruhr rund 170 Halden, deren Rekultivierung im Kontext des umweltpolitischen Umbruchs in den 1980er Jahren zum Gegenstand breit angelegter Verbundforschung avancierte. Das zweite Teilprojekt nimmt vor allem deren forschungspraktische Ebene in den Blick, es untersucht aber auch die Rekultivierungspraktiken der vorangegangenen Jahrzehnte. Zentrales Anliegen ist es, die infolge der Wandlungen der Umweltpolitik veränderte institutionenübergreifende Akteurskonstellation zu rekonstruieren und die Triebkräfte der Verwissenschaftlichung zu identifizieren. Neben der Landespolitik rücken die Ruhrkohle AG, der Kommunalverband Ruhr und vor allem die regionalen Hochschulen in den Betrachtungsfokus.


III: Teilprojekt zum Uranerzbergbau der Wismut

Teilprojektleiter: Prof. Dr. Helmuth Albrecht, Technische Universität Bergakademie Freiberg

Projektbearbeitung: N. N.

Zentrales Anliegen des dritten Teilprojekts ist die Beseitigung des Forschungsdefizits im Bereich der Umweltgeschichte des Uranerzbergbaus in der DDR-Zeit. Ausgehend von den Forschungsansätzen von Harm Schröter und Rainer Karlsch wird durch eine umfassende Analyse bislang unausgewerteten Quellenmaterials der Wismut GmbH, des sächsischen Bergarchivs sowie einschlägiger Quellen zum Uranerzbergbau der DDR (Bundesarchiv Berlin) und in russischen Archiven die Umweltpolitik der Wismut erforscht und im spezifischen DDR-Kontext dargestellt.

IV: Querschnittteilprojekt Biografik/Biografisches Lexikon

Teilprojektleiter: Dr. Michael Farrenkopf, Deutsches Bergbau-Museum Bochum & Prof. Dr. Helmut Maier, Ruhr-Universität Bochum

Projektbearbeitung: N. N.

Seit Ende der 1990er-Jahre erlebt die historische Biographik eine Renaissance, aktuell ist gar vom biographical turn die Rede. Methodisch auf die Generationen- und Kohortenanalyse zurückgreifend, ordnet sich das Teilprojekt in diesen turn ein. Voraussetzung übergreifender Analysen bleibt die umfassende Beschreibung der Einzelbiographie, die im vierten Teilprojekt als Zusammenstellung der umwelt-politisch und -wissenschaftlich hervortretenden Personen erfolgt. Die damit sichtbaren Kontinuitäten und Brüche über die klassischen Epochengrenzen hinweg, erlauben die Rekonstruktion von Transferprozessen, denn neben dem gedruckten „gesicherten“ Wissen bilden Erfahrungswissen und tacit knowledge maßgebliche Elemente des Wissenstransfers. Im Fall der DDR kommt ihm eine herausragende Stellung zu, da durch die Wanderungsbewegung wissenschaftlich-technischer Expertise von Ost nach West bis zum Mauerbau 1961 rund 700 Natur- und Technikwissenschaftler die DDR verließen.


V: Sonderausstellung zu Bergbau und Umwelt

Teilprojektleiter: Dr. Michael Farrenkopf, Deutsches Bergbau-Museum Bochum

Projektbearbeitung: N. N.

Im fünften Teilprojekt werden Inhalte und Ergebnisse aus den Teilprojekten 1 bis 4 in einer großangelegten, forschungsbasierten Sonderausstellung zum Themenkomplex Bergbau und Umwelt aus nationaler Warte zusammengeführt. Die Ausstellung wird in der letzten Projektphase im Sonderausstellungsbau DBM+ gezeigt. Diese ergänzend werden diverse Vermittlungsformate für unterschiedliche Zielgruppen entwickelt und angeboten werden. Im TP 5 werden daher die Bereiche Ausstellungskonzeption, Objektrecherche und -management sowie weitere kuratorische Aufgaben angesiedelt sein. Zum wissenschaftlichen Ausstellungskonzept zählen auch die Erstellung eines Ausstellungskataloges sowie die Konzeption eines umfassenden Begleitprogramms.

 

Der Forschungsverbund „Umweltpolitik, Bergbau und Rekultivierung im deutsch-deutschen Vergleich. Das Lausitzer Braunkohlenrevier, die Wismut und das Ruhrgebiet (1949-1989/2000)“ wurde durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des BMBF-Förderprogramms zur Stärkung der DDR-Forschung ausgewählt. Verbundpartner sind die Ruhr-Universität Bochum (RUB), das Deutsche Bergbau-Museum Bochum (DBM), Leibniz-Forschungsmuseum für Georessourcen sowie die Technische Universität Bergakademie Freiberg (TU BAF). Teil des Verbundprojektes sind neben drei Dissertationen auch Lehrveranstaltungen, Tagungen und mehrere Fachpublikationen sowie eine Sonderausstellung. Die Projektlaufzeit beträgt zunächst vier Jahre.


Kontakt

Prof. Dr. Helmut Maier, Ruhr-Universität Bochum

DBM-Projektleiter

Dr. Michael Farrenkopf

Dr. Torsten Meyer

Teammitglieder DBM

N. N.

N. N.

Projektträger

Deutsches Bergbau-Museum Bochum, Montanhistorisches Dokumentationszentrum (montan.dok)



Typ des Vorhabens

Verbundprojekt

Laufzeit

01.03.2019 – 28.02.2023

 

Aktuelles aus dem Projekt