Das älteste Goldbergwerk der Welt ist von der Zerstörung bedroht

Rettet Sakdrissi

Gemeinsam mit georgischen Archäologen erforscht das Deutsche Bergbau-Museum Bochum (DBM) seit 2004 das Goldbergwerk von Sakdrissi. Es liegt ca. 50 Kilometer südwestlich der georgischen Hauptstadt Tiflis, in einem Hügel mit dem Namen Katschagiani (in dem Gebiet Sakdrissi). Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass dieses Bergwerk gut 5.000 Jahre alt ist. Somit ist es das älteste untertägige Goldbergwerk der Welt. Dieses herausragende kulturhistorische Denkmal soll einem Tagebau zur Goldgewinnung zum Opfer fallen.

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Katschagiani Hügel in dem das 5000 Jahre alte Goldbergwek liegt (2007)
Katschagiani Hügel, in dem das 5000 Jahre alte Goldbergwek liegt (2007)

Was bisher geschah

Aufgrund der herausragenden Bedeutung verlieh die Georgische Regierung im Jahre 2006 den Status eines nationalen Kulturdenkmals. Im Juli 2013 wurde dieser umfassende Schutz dann von Seiten des Ministeriums für Kultur und Denkmalpflege sowie dem Präsidenten Georgiens aufgehoben und in den geringeren Status eines „normalen“ archäologischen Denkmals abgestuft. Im Oktober 2013 wurde durch den damaligen Ministerpräsidenten schließlich auch dieser Status aberkannt. Der Lizenzinhaber „Bergbaugesellschaft RMG Gold Ltd“ (RMG) erhielt seine seit 1994 bestehenden Rechte, Goldvorkommen in Georgien abbauen zu dürfen, zurück. RMG hat nun mit dem Betrieb eines Tagebaus im Bereich Sakdrissi begonnen.

Der Stand der Dinge

Deutsche und georgische Forscher, aber auch Zivilpersonen richteten daraufhin zahlreiche schriftliche Apelle an die georgische Regierung.

Zur Petition

Es finden regelmäßige Demonstrationen und Kundgebungen in der Hauptstadt Tiflis und in Sakdrissi statt. Aktivisten haben vor Ort Stellung bezogen und campieren in einiger Entfernung zu dem begonnenen Tagebau. Da weder Zugang noch Aufenthalt im näheren Umfeld des Gebiets um den Hügel geduldet werden, haben sie eine Plattform errichtet, von der aus sie die Arbeiten der RMG „überwachen“. Dabei stehen die Aktivisten unter reger medialer Begleitung. Versorgt und unterstützt werden sie zudem von der örtlichen Bevölkerung.

Sakdrisi

Hintergrund

Der Ursprung dieser ganzen Entwicklung liegt in dem Entzug des Kulturdenkmal Status begründet. Es wurde von Seiten der Regierung eine Kommission eingerichtet, welche die wissenschaftlichen Aussagen unserer 10-jährigen, international anerkannten Forschung, nicht berücksichtigt hat. Seitens der Bergbaufirma wurde „festgestellt“, dass es sich nicht um Goldbergbau handele. Auch erkannten sie vor Ort keinen alten Bergbau, sondern lediglich moderne Prospektionsstollen (aus dem Jahr 1987).

Diese modernen Stollen waren es, die es uns bereits im Jahre 2004 ermöglichten, in einer Tiefe von knapp 20 Metern unter der Erdoberfläche auf die Spuren „alten“ Bergbaus zu stoßen, den sogenannten „Alten Mann“. Wie alt dieser tatsächlich war, ergaben mehrere 14C Analysen von Holzkohleresten, die aus ungestörten Schichten der engen Abbaue entnommen wurden. Sie datierten bereits in die erste Hälfte des 3. Jahrtausends vor Christus. Zahlreiche weitere Untersuchungen bestätigen und ergänzen diesen Sachverhalt. Dazu wurden von uns in den vergangenen 10 Jahren regelmäßig Berichte abgeliefert und diverse Artikel publiziert. Diese wurden seinerzeit hoch gelobt. Plötzlich werden sie bei Entscheidungsprozessen nicht mehr berücksichtigt. Darüber sind das DBM und die georgischen Kollegen sehr enttäuscht und empört.

Zum Forschungsprojekt

Kundgebung georgischer Aktivisten in der georgischen Hauptstadt Tiflis für den Erhalt des Goldbergwerks
Kundgebung georgischer Aktivisten in der georgischen Hauptstadt Tiflis für den Erhalt des Goldbergwerks

Rettet Sakdrissi - georgische Aktivisten demonstrieren vor Ort in Sakdrissi
„Rettet Sakdrissi“, georgische Aktivisten demonstrieren vor Ort in Sakdrissi

Rettet Sakdrissis

Rettet Sakdrissi


Sakdrisi
Bild links: Die Stollen aus den 1980er Jahren (oberer Teil) haben den alten Bergbau angeschnitten (unten rechts). Diese Bereiche graben wir aus. - Bild rechts: Verfüllung im alten Bergwerk in erkennbarer Schichtung. Hierin ist deutlich die schwarze Holzkohle sichtbar, die datiert wurde.


Wie geht es weiter?

Auf nationalen und internationalen Druck hin, ist eine neue Kommission mit Sachverständigen aus verschiedenen Ländern einberufen worden. Herr Prof. Dr. Albrecht Jockenhövel (Leiter der Abteilung Ur- und Frühgeschichte des historischen Seminars an der Universität Münster i.R.) ist Mitglied dieser neuen Kommission, die zu Sakdrissi einberufen wurde. Ziel ist es, alle Aktivitäten, die Zerstörung des Bergwerks betreffend, zunächst zu stoppen, die wissenschaftlichen Ergebnisse anzuerkennen und in den Entscheidungsprozess um den Erhalt des Bergwerks von Sakdrissi einzubeziehen. Es muss eine faire Diskussion geführt werden.

Bericht der wissenschaftlichen Kommission

Offener Brief von Prof. Dr. Thomas Stöllner vom 07. Mai 2014

Derweil gehen die Aktivitäten und Proteste vor Ort (in der Hauptstadt Tiflis und Sakdrissi) weiter. Täglich berichten die großen georgischen Zeitungen (z.B. http://www.ttimes.ge/archives/19737) und TV Sender in ihren Hauptnachrichten über das älteste Goldbergwerk der Welt, die Firma RMG Gold und das Deutsche Bergbau-Museum Bochum mit seinen n Partnern.


Sakdrisi
Schweres Gerät wird nach Sakdrissi gebracht und der Abbau vorbereitet.


Interview

Prof. Dr. Thomas Stöllner im Interview mit BBC News, Tiflis

Mittwoch, 28. Mai

„Das Dilemma um Georgiens Goldbergwerk“


Weiterführende Links

Zur Facebook Gruppe

www.ai-ia.info

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