Das westliche Slowakische Erzgebirge und sein Vorfeld im Gran und Žitavatal

Das westliche Slowakische Erzgebirge
Foto: DBM

Nutzungsstrategien eines sekundären Wirtschaftsraumes während der Bronzezeit

Seit dem späten 5. Jahrtausend v. Chr. war das Slowakische Erzgebirge offenbar ein wichtiger Lieferant für Metallerze. Dies konnten unsere archäometallurgischen Forschungen in den letzten Jahrzehnten hinreichend belegen. Viele Fragen zur Nutzung der montanen Räume und der Lagerstätten blieben bislang unbeantwortet. Hier soll eine von der Römisch-Germanischen Kommission unter der Leitung von Dr. K. Rassmann koordinierte Projektgruppe weiter helfen. Wir wollen verstehen, wie der Bergbau funktionierte, wo die kupfer- und bronzezeitlichen Siedlungen lagen und wie die Ressourcen erschlossen wurden.

Das Deutsche Bergbau-Museum Bochum übernimmt in diesem Projekt die montanarchäologischen Untersuchungen, die den Nachweis einer prähistorischen Rohstoffausbeutung zum Ziel hat. Unsere Forschungen konzentrieren sich beispielsweise auf die Goldseifen im Žitava- und Grantal, welche für die bronzezeitliche Bevölkerung bereits eine Rolle gespielt haben könnten, und auf die Kupferlagerstätten bei Banská Bystrica in L’ubietova und Poniky, die aufgrund materialkundlicher Analysen an prähistorischen Artefakten mögliche Kupferquellen darstellten. Zudem erforschen wir die Kupferlagerstätte von Špania Dolina (Herrengrund) mit modernen Untersuchungsmethoden wie etwa der Geoelektrik. Ausgrabungen fanden hier von 1971-1972 an der Fundstelle Piesky (Sandberg) statt: Etwa 150 Rillenschlägelfunde, ein Kupferkuchen sowie vorgeschichtliche (Ludanice-Gruppe) und mittelalterliche Keramik kamen zum Vorschein. Somit stellt Špania Dolina die bislang einzige Lagerstätte mit einer nachgewiesenen prähistorischen Rohstoffgewinnung dar. Das Beispiel von Špania Dolina lässt somit hoffen, dass nicht alle prähistorischen Bergbauspuren durch jüngere Abbauphasen teilweise oder vollständig zerstört worden sind.


Weitere Informationen im Jahresbericht 2012 des Deutschen Bergbau-Museums Bochum


Abgeschlossene Bachelorarbeit

Daniel Demant
Metallurgisches Gerät aus Siedlungen der Bronzezeit in der Mittel- und Westslowakei


Projektträger

Deutsches Bergbau-Museum Bochum, Forschungsbereich Montanarchäologie



Veröffentlichungen

  • Diana Modarressi-Tehrani, Jennifer Garner, Martin Kvietok, Copper Production in the Slovak Ore Mountains – New Approaches. In: G. Körlin, M. Prange, Th. Stöllner, Ü. Yalcin (Hrsg.): From Bright Ores to Shiny Metals. Festschrift Andreas Hauptmann. Der Anschnitt, Beiheft 29 (Bochum 2016) 109-123.
  • Diana Modarressi-Tehrani, Jennifer Garner, New Approaches on Mining Activities in the Slovakian Ore Mountains. In: Argenti Fodina 2014 (Banska Štiavnica 2015), 45-57.
  • Jennifer Garner, Michal Cheben, Daniel Demant, Uwe Enke, Rainer Herd, Jozef Labuda, Diana Modaressi-Tehrani, Thomas Stöllner, Peter Tóth, Neue montanarchäologische Untersuchungen im Slowakischem Erzgebirge. Der Anschnitt 66, 2-3, 2014, 66-77.
  • Jennifer Garner, Neue Untersuchungen zur Montanarchäologie im Slowakischen Erzgebirge. In: 17. Internationaler Bergbau- und Montanhistorik –Workshop, Freiberg in Sachsen, 1. bis 5. Oktober 2014 (Freiberg2014), 218-226.