Ab Dienstag, 3. November 2020, stellt das Deutsche Bergbau-Museum Bochum seinen Besucherbetrieb ein. Das Museum folgt damit den Maßnahmen von Bund und Ländern zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Informationen zur Wiederaufnahme des Besucherbetriebs erfolgen tagesaktuell gemäß entsprechender Verordnungen. Weitere Infos

Geschichte

Das Deutsche Bergbau-Museum Bochum, Leibniz-Forschungsmuseum für Georessourcen, wurde am 01. April 1930 gegründet. Aus den überschaubaren Anfängen eines „Geschichtlichen Museums des Bergbaus“ ist im Verlauf von inzwischen knapp 90 Jahren das weltweit größte Bergbau-Museum entstanden.

Auf rund 8 000 m² Ausstellungsfläche und in einem auf 2,5 km Länge ausgebauten Anschauungsbergwerk – 1,2 km sind für die Besucher zugänglich - bietet das Museum eine Übersicht zahlreicher Formen der Rohstoffgewinnung. Dabei geht es nicht nur um Kohle, sondern auch um Salz, Gold, Silber, Kupfer und schließlich um seltenere Rohstoffe wie Lithium und Molybdän.

Forschung und museale Präsentation zeigen auf der Basis weltweit herausragender Sammlungsobjekte die Zusammenhänge von Rohstoffgewinnung, nachfolgender Verarbeitung sowie die gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen. Die Erforschung und Darstellung des Bergbaus als Urproduktion der Menschheit und als bis heute unverzichtbarer, weltweit tätiger Wirtschaftszweig tragen entscheidend zum Verständnis der Entwicklung sowie des gegenwärtigen Standes unserer Gesellschaft und Kultur bei.

Mitte des 19. Jahrhunderts gehörte der Bergbau zu den bedeutendsten Wirtschaftszweigen Deutschlands. Bereits 1868 gründete in Bochum die Westfälische Berggewerkschaftskasse (WBK), ein Gemeinschaftsunternehmen des Ruhrbergbaus, eine Lehr- und Schausammlung „Bergbaulicher Utensilien“. Jungen Bergleuten, nicht der breiten Öffentlichkeit, sollte hier die Technik des Bergbaus und die Natur des Steinkohlengebirges vermittelt werden. Pläne für ein öffentlich zugängliches Bergbau-Museum in Bochum wurden zwar diskutiert, jedoch wegen der schlechten Wirtschaftslage bis 1927 nicht umgesetzt. Dann aber ergriffen die Stadt Bochum und die WBK die Initiative, und Heinrich Winkelmann, Bergingenieur und späterer erster Museumsdirektor, konzipierte die Umgestaltung des ehemaligen Schlachthofes in ein Museum. Es entstand also keineswegs aus den Anlagen einer ehemaligen Zeche, wie es heute noch viele Besucher annehmen.

Der Startschuss war die Gründung am 01. April 1930 durch die Stadt Bochum und die Westfälische Berggewerkschaftskasse. Das in der ehemaligen Bochumer Großviehschlachthalle entstandene Museum wurde zunächst durch einen Direktor, einen Modellmeister und einen Modellwärter betrieben und wuchs schrittweise.

Für das heutige Erscheinungsbild maßgeblich prägend ist der 1935 beschlossene, repräsentative Museumsneubau nach Entwürfen des renommierten Industriearchitekten Fritz Schupp. Um den Besuchenden ein möglichst echtes Arbeitsleben unter Tage zu vermitteln, war von Anfang an der Bau eines Anschauungsbergwerks vorgesehen. Ende Juni 1937 wurde hierzu ein Schacht abgeteuft, damit die erste Strecke aufgefahren werden konnte. 1940 waren im Anschauungsbergwerk in etwa 17 Meter Tiefe bereits 600 Meter Strecke und Querschläge aufgefahren sowie größtenteils ausgebaut.

Der noch nicht vollständig fertige Museumsneubau wurde durch Luftangriffe der Alliierten stark beschädigt; 1943 musste das Museum wegen des Krieges geschlossen werden. Die wenigen verbliebenen Museumsmitarbeitenden brachten wertvolle Stücke der Sammlung in Sicherheit und bauten das Anschauungsbergwerk zum Luftschutzbunker um, der zum meist beanspruchten Schutzraum Bochums wurde. 1945 fanden hier täglich zwischen 580 und 760 Menschen Schutz vor den Luftangriffen.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs standen zunächst Aufräum- und Restaurierungsarbeiten an, bevor 1946 eine erste kleine Ausstellung eröffnet wurde. Ab 1948 war auch das Anschauungsbergwerk wieder zugänglich. Bereits 1947 gründete sich die „Vereinigung der Freunde von Kunst und Kultur im Bergbau e.V.“. Der Förderverein des Museums ist auch heute äußerst engagiert und fördert tatkräftig zahlreiche Aktivitäten rund um den Bergbau. Das Bergbau-Museum erhielt 1953 mit dem „Mittelbau“ ein neues Gebäude mit einer zusätzlichen Ausstellungsfläche von 1 000 m². Das mächtige, dreiflügelige Bronze-Portal mit 30 Reliefs der Düsseldorfer Künstler Otto Bussmann und Maria Schlüter wurde gestiftet. In den 1950er-Jahren führten die Bergbauspezialisten des Museums die bereits 1942 begonnenen Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Montanarchäologie fort.

Unter dem Museumsdirektor Hans Günter Conrad, der 1962 seinen Dienst antrat, wurde das historisch ausgerichtete Museum erweitert. Es wurde zu einem „Forschungsmuseum“ umgestaltet, das heißt, zu einem von Bund und Ländern mitfinanzierten, außeruniversitären Forschungsinstitut. 1969 wurde das Bergbau-Archiv Bochum gegründet. Seine Aufgabe ist, Schriften, Akten und Fotos – also Zeugnisse aller Art aus dem gesamten deutschen Bergbau – zu sammeln, zu sichern und zu erschließen. Gegenwärtig beherbergt es über 330 Bestände und über 30 Sondersammlungen, die über 6,5 Regalkilometer belegen. Die Bestände von Bergbau-Archiv Bochum, Bibliothek und Fotothek sowie sämtlichen musealen Objektsammlungen sind seit 2001 im Montanhistorischen Dokumentationszentrum (montan.dok) zusammengefasst.

1973 erhielt das Bergbau-Museum sein Wahrzeichen. Das ehemalige Doppelbock-Fördergerüst der stillgelegten Schachtanlage „Germania“ mit seinen 71,4 m Höhe und 650 t Gewicht geht wie das Museumsgebäude auf Entwürfe des Industriearchitekten Fritz Schupp zurück. Ein Fahrstuhl wurde eingebaut, der Anschauungsbergwerk, Aussichtsplattform und Museum miteinander verbindet. Mit der Bewahrung des Gerüstes setzte das Bergbau-Museum die Diskussion über die Konservierung von technischen Industrieanlagen als erhaltenswerte Denkmäler in Gang. Die Pflege technischer Denkmäler gehört seitdem zu den Forschungsaktivitäten des Museums. In der Bewertung seiner Bedeutung als Fach- und Spezialmuseum in der Museumslandschaft in Deutschland und im internationalen Rahmen wurde das Bergbau-Museum am 01. März 1976 in Deutsches Bergbau-Museum Bochum umbenannt.

1977 wurde das Deutsche Bergbau-Museum Bochum von der Bund-Länder-Kommission (BLK) als Forschungsmuseum anerkannt und in die gemeinsame Forschungsförderung durch Bund und Länder aufgenommen. Es gehört seither zu den Instituten der „Blauen Liste“, heute Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e.V. oder kurz Leibniz-Gemeinschaft. 1979 wurde das Deutsche Bergbau-Museum Bochum in die Arbeitsgemeinschaft außeruniversitärer historischer Forschungseinrichtungen in der Bundesrepublik Deutschland aufgenommen.

1980 feierte das Museum sein 50-jähriges Bestehen. 1986 wurde der „Erweiterungsbau Süd“ eröffnet. In dem 3 000 m² großen Anbau fanden neue Ausstellungsbereiche, ein Hörsaal und ein Seminarraum sowie die Cafeteria und das Restaurant Platz. Der damalige Museumsdirektor Prof. Dr. Rainer Slotta initiierte große Sonderausstellungen, welche die überregionale Ausstrahlung des Museums förderten. Seit 2012 hat Prof. Dr. Stefan Brüggerhoff das Amt des Museumsdirektors inne.

Im Anschauungsbergwerk, das bislang ausschließlich den Betrieb in einem Steinkohlenbergwerk an der Ruhr demonstriert hatte, setzten Arbeiten an der Präsentation eines damals modernen Eisenerzbergwerks ein. Dieses konnte 1987 eingeweiht werden. Im Jahr 2003 wurde nach 10-jähriger Bauzeit ein moderner Schildstreb im Anschauungsbergwerk eröffnet. 2005 feierte das Deutsche Bergbau-Museum Bochum sein 75-jähriges Bestehen. Die Musealen Sammlungen umfassten nun mehr als eine Viertelmillion Objekte. Mit dem DBM+ konnte 2009 ein architektonisch moderner Anbau eröffnet werden, um Sonderausstellungen zeitgemäß zu präsentieren.

Ab 2014 startete am Deutschen Bergbau-Museum Bochum ein umfassender Strukturierungsprozess unter der Bezeichnung „Masterplan DBM 2020“. Neben Restrukturierungen des Organisationsaufbaus gehörten dazu ein umfassender Umbauprozess sowie die Konzeption einer neuen Dauerausstellung. In diesem Zusammenhang wurde das Museum in einem logistischen Kraftakt mit seinen Musealen Sammlungen, Bibliothek/Fotothek und dem Bergbau-Archiv Bochum komplett beräumt und ausgelagert. Mitarbeitende und Objekte zogen zum Teil an Interimsstandorte. Zeitgleich wurde die neue Dauerausstellung konzipiert. Vier neue Rundgänge sollten zukünftig die Bandbreite des Leibniz-Forschungsmuseums für Georessourcen darstellen.

2018 kooperierten das Deutsche Bergbau-Museum Bochum und das Ruhr Museum in Essen erstmals für eine große Gemeinschaftsausstellung. „Das Zeitalter der Kohle. Eine europäische Geschichte“ wurde in der Mischanlage der Kokerei Zollverein gezeigt.

Die Konzeption der neuen Dauerausstellung wurde in einem ersten Teil zeitgleich mit dem Ende des deutschen Steinkohlenbergbaus abgeschlossen: Am 28. November 2018 wurden die ersten beiden Rundgänge „Steinkohle“ und „Bergbau“ im Nordflügel eingeweiht. Sie vermitteln epochen- und spartenübergreifend die Geschichte der deutschen Steinkohle sowie die weltweiten Beziehungen zwischen Mensch und Bergbau. Im Sommer 2019 wurde die Eröffnung der neuen Dauerausstellung mit einem großen Museumsfest gefeiert. Seit Juli 2019 präsentiert sich das Deutsche Bergbau-Museum Bochum, Leibniz-Forschungsmuseum für Georessourcen, nun mit vier thematischen Rundgängen: Steinkohle, Bergbau, Bodenschätze und Kunst.

Privatsphäre Einstellungen

Diese Website verwendet Cookies, um die Kernfunktionalität zu ermöglichen und den Inhalt zu personalisieren und die Besuche auf der Website zu analysieren. Einige dieser Cookies sind unerlässlich, während andere uns helfen, Ihre Erfahrungen zu verbessern, indem sie uns einen Einblick in die Nutzung der Website geben. Weitere Informationen über die von uns verwendeten Cookies finden Sie auf unserer Datenschutzerklärung.

Statistik Cookies

Privatsphäre Einstellungen

Diese Website verwendet Cookies, um die Kernfunktionalität zu ermöglichen und den Inhalt zu personalisieren und die Besuche auf der Website zu analysieren. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzerklärung.

Einstellungen