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100 Jahre Hauptstelle für das Grubenrettungswesen des Ruhrbergbaus
Am 4. Oktober 1909 fand im Essener Geschäftsgebäude des Vereins für die bergbaulichen Interessen im Oberbergamtsbezirk Dortmund (Bergbau-Verein) eine erste Sitzung der Kommission zur Regelung des Rettungswesens unter Vorsitz von Bergrat Hermann Lüthgen (1862-1920), dem Generaldirektor der Bergwerksgesellschaft Dahlbusch, statt. Teilnehmer waren die Bergwerksdirektoren Bergrat Paul Johow (geb. 1864), Dr. Hold, Dr. Pattberg und Dr. Georg Albrecht Meyer sowie Dr. Richard Forstmann. Aufgabe dieser Kommission war es, Vorschläge für eine systematische Ordnung des bis dahin unkoordiniert gewachsenen Rettungswesens an der Ruhr zu erarbeiten, um dessen Leistungsfähigkeit und Schlagkraft zu erhöhen. Das Resultat war die Gründung der Hauptstelle für das Grubenrettungswesen beim Bergbau-Verein am 30. Juli 1910.

Zu den wesentlichen Aufgaben der Hauptstelle gehörten die Prüfung vorhandener und neuer Geräte für das Grubenrettungswesen, die Ausbildung und Überwachung der Grubenwehren sowie die Aufstellung eines einheitlichen Rettungsplans für den Bezirk. Die Tätigkeit der Hauptstelle konzentrierte sich in den ersten Jahren darauf, die Aufstellung und Einübung von Grubenwehren auf den Zechen zu überwachen. Außerdem wurden Gerätewarte und Grubenwehrführer in speziellen Ausbildungskursen in ihren Aufgabenbereich eingeführt. In der Zwischenkriegszeit wurden die Untersuchung von Gasschutzgeräten und die Entwicklung geeigneter Prüfeinrichtungen verstärkt. Ein weiterer Schwerpunkt lag in der Schulung und im Training, galt es doch, den Ausbildungsstand der Mannschaften an die fortschreitende Gerätetechnik anzupassen. Im Jahr 1929 übernahm die Hauptstelle auch die Organisation des Gasschutzes auf Kokereien und Nebenproduktengewinnungsanlagen. Seit den 1930er-Jahren befasste sie sich darüber hinaus insbesondere mit Fragen der Grubenbrandbekämpfung und des vorbeugenden Brandschutzes. Während des Zweiten Weltkriegs forderten zahlreiche Grubenbrände und Explosionen die Mitwirkung der Hauptstelle bei den Rettungsarbeiten. Im März 1945 wurde das Dienstgebäude der Hauptstelle in Essen bei einem Fliegerangriff zerstört.

Nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs fand nicht nur ein Wiederaufbau des Dienstgebäudes der Hauptstelle stand, auch ihre Einrichtungen und Aufgaben sollten den zunächst wachsenden Anforderungen des Steinkohlenbergbaus als Motor des so genannten Wirtschaftswunders der Bundesrepublik Deutschland Rechnung tragen. Dies galt schließlich auch für die zahlreichen Anpassungen und Modernisierungen des bergbaulichen Rettungswesens in den Jahren der planmäßigen strukturellen Rückführung der Branche seit Ende der 1950er-Jahre.

Am 8. Dezember 2010 hat die Hauptstelle für das Grubenrettungswesen ihr 100-jähriges Bestehen mit einer zentralen Feierstunde im DBM begangen. Das Jubiläum sollte zugleich Gegenstand einer modernen, historisch-kritischen Aufarbeitung der Geschichte der Institution sowie des Grubenrettungswesens im Allgemeinen sein. Hierzu förderte die RAG Aktiengesellschaft das unter anderem am 01. August2009 für die Dauer von einem Jahr auf Basis eines Volontariats im DBM durchzuführende Projekt finanziell. Die Hauptziele des gesamten Projekts bestanden in der Erarbeitung einer eigenständigen Publikation sowie einer thematisch konzentrierten Sonderausstellung im Deutschen Bergbau-Museum Bochum.

Informationen zum Projekt

Projektträger

Deutsches Bergbau-Museum Bochum, montan.dok

beteiligte forschende Bereiche
Laufzeit

01.08.2009 – 31.12.2010

Förderung
Kooperation

Hauptstelle für das Grubenrettungswesen im Ruhrbergbau, Herne

RAG Aktiengesellschaft

  • Michael Farrenkopf: „Zugepackt – heißt hier das Bergmannswort“. Die Geschichte der Hauptstelle für das Grubenrettungswesen im Ruhrbergbau, unter Mitarbeit von Susanne Rothmund, Bochum 2010 (= Veröffentlichungen aus dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum, Nr. 178; = Schriften des Bergbau-Archivs, Nr. 22).
  • Michael Farrenkopf: Das Explosionsrisiko im Steinkohlenbergbau am Ende des (langen) 19. Jahrhunderts – Aspekte eines europäischen Problems, in: Michael Farrenkopf/Peter Friedemann (Hrsg.): Die Grubenkatastrophe von Courrières 1906. Aspekte transnationaler Geschichte, Bochum 2008, S. 14-24.
  • Michael Farrenkopf: Grubenunglück Stolzenbach 1988 – Über eine Sonderausstellung in Borken, in: DER ANSCHNITT 60, 2008, S. 178-181.
  • Michael Farrenkopf: „Katastrophentourismus“ um 1900? – Unternehmerische Konkurrenz in den Anfängen der Grubenrettungstechnik, in: Christian Kleinschmidt (Hrsg.): Kuriosa der Wirtschafts-, Technik- und Unternehmensgeschichte. Miniaturen einer „fröhlichen Wissenschaft“, Essen 2008, S. 194-197.
  • Michael Farrenkopf: 100 Jahre Hauptstelle für das Grubenrettungswesen, in: DER ANSCHNITT 62, 2010, S. 268-271.