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Die Kelten kommen

Foto: LWL-Archäologie für Westfalen

Schon länger ist dank archäologischen Forschungen bekannt, dass das Siegerland im Süden Nordrhein-Westfalens eine Sonderstellung in der Eisenzeit innehatte: Hier rauchten tausende der größten Verhüttungsöfen ihrer Zeit in Europa, hier wurden enorme Mengen Eisen erzeugt und verarbeitet. Aber wie?

Eisen ist auch heute noch eines der bedeutenden Metalle für die Menschheit. Es findet sich nahezu überall und ist unverzichtbar, z. B. bei der Herstellung von Maschinen und Autos oder im Bauwesen. Das Metall wurde in Mitteleuropa seit ungefähr 800 v. Chr. zunehmend genutzt und verdrängte Bronze – die Eisenzeit begann.

Eine Forschungskooperation des Deutschen Bergbau-Museums Bochum , Leibniz-Forschungsmuseum für Georessourcen, der Ruhr-Universität Bochum und der LWL-Archäologie für Westfalen erforscht seit mittlerweile 20 Jahren das Siegerland. Forschende widmen sich den eisenzeitlichen Verhüttungs- und Schmiedeplätzen, analysieren Schlacken oder werten ausgegrabene Gräber und Siedlungen aus. Zu den wesentlichen Forschungsergebnissen zählt die Erkenntnis, dass vor über 2500 Jahren Menschen die Region des heutigen Siegerlandes besiedelten, die bis dahin nahezu siedlungsleer war. Die Neuankömmlinge stammten zumeist aus dem benachbarten hessischen Raum. Dort bildeten sich ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. allmählich stadtartige Zentren und vorstaatliche Gemeinschaften – Stämme. Diese Stämme traten sogar um 50 v. Chr. in das Rampenlicht der Geschichte, als nämlich Gaius Julius Cäsar mit zwei Feldzügen östlich des Rheins vergeblich versuchte, die lokalen Machtstrukturen zu beeinflussen.

Die Neuankömmlinge im Siegerland brachten umfassendes Knowhow mit: Nahezu ohne Vorentwicklung wuchsen im Siegerland ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. einheitlich organisierte Verhüttungswerkstätten wie Pilze aus dem Boden. In großen birnenförmigen Verhüttungsöfen wurde unter Einsatz der reichen lokalen Eisenerze und Holz Eisen gewonnen. Die Produktionsmengen müssen erheblich gewesen sein: Berechnungen der Forschungskooperation lassen annehmen, dass pro Verhüttungsvorgang sogar über 50 kg Stahl erzeugt werden konnten – eine Produktionsmenge, die bis zu unseren Forschungen allenfalls für das ausgehende Hochmittelalter als wahrscheinlich galt.

Da die eisenzeitliche Montanlandschaft Siegerland europaweit von Bedeutung ist und eben gerade der genaue Ablauf der Eisengewinnung unbekannt ist, fokussierte sich darauf die Forschungskooperation unter Federführung der LWL-Archäologie für Westfalen. In archäologischen Experimenten 2017 und 2018 mit zahlreichen wissenschaftlichen Kooperationspartnern im LWL-Freilichtmuseum Hagen gelang es, die eisenzeitlichen Betriebsabläufe nachzuvollziehen, zu verstehen und völlig unerwartete Erkenntnisse zu einer der frühesten Hüttentechnologien Europas zu sammeln.

Diese Experimente wurde von Anfang an filmisch begleitet, denn eines der Kernanliegen der Forschungskooperation war es, die Forschungsergebnisse nachhaltig nutzen und sie populär vermitteln zu können. Gero Steffens (Forschungsbereich Montanarchäologie | Deutschen Bergbau-Museum Bochum) übernahm dabei die Aufgabe, die Filmarbeiten zu realisieren, ein Darstellungskonzept zu entwickeln und immer wieder beide an den veränderten Forschungsstand anzupassen. Gleich zu Beginn entwickelte Steffens zusammen mit Peter Thomas (beide Forschungsbereich Montanarchäologie | Deutsches Bergbau-Museum Bochum) und in Abstimmung mit Dr. Jennifer Garner (Forschungsbereich Montanarchäologie | Deutsches Bergbau-Museum Bochum) sowie Dr. Manuel Zeiler (LWL-Archäologie für Westfalen) einen ganzheitlichen Ansatz, der eben nicht „nur“ das archäologische Experiment fokussiert, sondern auch das Siegerland zur Eisenzeit erklärt. Ergebnis ist, dass neben der eisenzeitlichen Technologie der Eisenverhüttung auch die eisenzeitlichen Menschen sowie Lebensbereiche außerhalb der Eisenerzeugung, wie zum Beispiel Wallburgen, thematisiert werden.

Steffens Arbeiten wurden unterstützt durch filmenden Mitwirkenden und bereichert durch Animationen. Hier kommen wir an den Punkt der Vermittlung, denn endlich liegt das ganze Projekt auch in Form eines attraktiven Films zur Experimentreihe vor – erstmalig in Deutschland kann ein derartig aufwändiges archäologisches Experiment filmisch gezeigt werden.

Allerdings möchten wir einen kleinen Spannungsbogen aufbauen, weshalb der Film in Gänze erst am Tag des offenen Denkmals, dem 11.09.2022, zu sehen sein wird. An diesem Tage finden zudem Führungen an der Ausgrabungsstätte „Gerhardsseifen“ bei Siegen-Niederschelden statt. Die archäologischen Ausgrabungen hier und die Experimente standen in enger Wechselwirkung und beeinflussten die jeweilige wissenschaftliche Auswertung.

Hier geht es zum Trailer.