Ab Dienstag, 3. November 2020, stellt das Deutsche Bergbau-Museum Bochum seinen Besucherbetrieb ein. Das Museum folgt damit den Maßnahmen von Bund und Ländern zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Informationen zur Wiederaufnahme des Besucherbetriebs erfolgen tagesaktuell gemäß entsprechender Verordnungen. Weitere Infos
Digitalisierung und Erschließung von Porträtbeständen in Archiven der Leibniz-Gemeinschaft
DigiPortA
Die Biografik gehört als „kulturelle Universalie“ zum Kernbestand der historischen Forschung. Biografien wurden in den 1960er- und 1970er-Jahren von einer stark sozialgeschichtlich akzentuierten Forschung kritisch gesehen und als rückwärtsgewandtes Format ohne gewichtigen Beitrag zur geschichtswissenschaftlichen Debatte angesehen. Seit den späten 1980er-Jahren ist mit der Entstehung der „Neuen Kulturgeschichte“ weltweit ein deutlicher Aufschwung biografischer Ansätze zu beobachten. Gerade in der deutschsprachigen Wissenschaft ist ein Trend „zurück zur Biografie“ feststellbar. Historiografie und Soziologie widmeten sich zudem im Zuge der Wende zur Alltagsgeschichte wieder verstärkt der Analyse einzelner, als exemplarisch erachteter Lebensläufe. Diese wurden individuell- oder auch kollektiv-biografisch untersucht – das Individuum als wichtiger Akteur in geschichtlichen Prozessen wurde aufgewertet. In der breiten Öffentlichkeit blieb der Fokus auf berühmte Persönlichkeiten besonders durch das Medium des Fernsehens weitgehend ungebrochen.

Das neue Interesse an biografischen Forschungen verknüpft sich seit ca. 15 Jahren mit dem „Pictorial (Iconic) Turn“ und den vielfältigen Untersuchungen um unser Bildwissen. Das Hauptinteresse gilt hier der Generierung von Bildwissen, seinen Entstehungsbedingungen und vielfältigen Funktionen. Diesem gesteigerten Interesse an Biografien steht aber noch immer eine diffuse und für den Forscher schwer zu überschauende Quellenlage gegenüber. Dementsprechend entwickelten sich seit den 1990er-Jahren an unterschiedlichen Stellen Ansätze zu einer „elektronischen Biografik“. Da Nachlässe und Handschriften von Persönlichkeiten nur in verstreuten und teilweise veralteten Printpublikationen nachgewiesen waren, gewannen elektronische Nachweissysteme von Handschriften wie „Kalliope“ und die „Zentrale Datenbank Nachlässe“ beim Bundesarchiv an Bedeutung.

Inzwischen ist die Forderung nach wissenschaftlich überprüften biografischen Informationen groß. Unlängst wurde anlässlich einer Jahresversammlung der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften gefordert, dass die Zeit für die elektronische Bereitstellung biografischer Informationen reif sei. Hier genau setzt das Projekt DigiPortA an, indem es Porträts aus Druckgrafik und fototechnischen Verfahren zur Verfügung stellt. Auf gerasterte, aus Zeitungen und Zeitschriften stammende Vorlagen wird verzichtet.

Hauptanliegen des Projekts ist es, am Beispiel der Quellengattung „Porträts“ die Potenziale der kooperativen Erschließung, Digitalisierung und Präsentation von Bildquellen für die „elektronische Biografik“ zu demonstrieren und die Bedeutung der Archivbestände in den Leibniz-Einrichtungen aufzuzeigen. Zusammen mit acht weiteren Leibniz-Archiven wollen wir zu den von der forschenden Öffentlichkeit häufig nachgefragten 33.000 Porträts neuartige und vielseitig kombinierbare Daten zur Verfügung stellen, diese im Internet mit den Images der Porträts verlinken (soweit rechtlich zulässig) und durch zahlreiche Rechercheinstrumente neue Forschungsressourcen schaffen.

www.digiporta.net

  • Michael Farrenkopf: Bergbau-Archiv archiviert und reproduziert historisch wertvolle Fotografien aus der Vereinsgeschichte, in: Mitteilungsblatt des Berg- und Hüttenmännischen Vereins Aachen – Berlin – Clausthal, Nr. 112, Juni 2009, S. 49-51.
  • Michael Farrenkopf: Oberberghauptmann Albert Ludwig Serlo und Oberbergamtsdirektor Walter Serlo: Archivische Pflege und wissenschaftliche Erforschung zweier Bergbeamten-Nachlässe im Bergbau-Archiv Bochum, in: Hoheisel, Peter/Merchel, Michael (Red.): Bibliotheken – Archive – Museen – Sammlungen. Beiträge des 10. Internationalen Symposiums Kulturelles Erbe in Geo- und Montanwissenschaften, hrsg. v. Sächsischen Staatsarchiv, Halle (Saale) 2010 (= Veröffentlichungen des Sächsischen Staatsarchivs, Reihe A: Archivverzeichnisse, Editionen und Fachbeiträge, Bd. 14), S. 24-41.
  • Michael Farrenkopf: “Below and above ground” – Photo stocks of mining companies in the Documentation centre for mining history in Bochum, in: The European Association for Banking and Financial History e.V. (Hrsg.): Documents for the Archival Workshop “Companies in the Picture”. Photography Collections of (financial) Companies, a corporate historical view, Amsterdam 2011, o.S.
  • Michael Farrenkopf: Mythos Kohle. Der Ruhrbergbau in historischen Fotografien aus dem Bergbau-Archiv Bochum, Münster, 2. Auflage, 2013.
  • Michael Farrenkopf: Prussia’s Highest-Ranking Mining Official, in: Brogiato, Heinz Peter/Kiedel, Klaus-Peter (Hrsg.): Research, Travel, Exploration. The Lifeworlds of the Leibniz Association Archives, Halle/Saale 2014, S. 48-49.
  • Philipp Hentschel: „Die Botschaft des Porträts – Potenziale des Gemeinschaftsprojekts DigiPortA“. Workshop im Deutschen Bergbau-Museum Bochum, in: Forum Geschichtskultur Ruhr 2/2014, S. 64-66.
  • Stefan Przigoda: DigiPortA. Historische Porträts aus dem montan.dok online recherchierbar, in: montan.dok-news 1, 2015, Heft 1, S. 2.
  • Stefan Przigoda: www.digiporta.net – Historische Porträts aus dem montan.dok online recherchierbar, in: Forum Geschichtskultur Ruhr 1/2015, S. 46-47.

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