Neuer Katalog: Bergmännisches Porzellan des 18. Jahrhunderts
Bergoffizier aus der Großen Bergbande (ABMS 031, Porzellan, Fürstenberg, 1757/1758, Modelleur: Simon Feilner/Georg Leimberger) ©Dt. Bergbau-Museum Bochum/ Achim- und Beate Middelschulte-Stiftung
Hart schuftende Kumpel unter Tage, die sich mit schwerem Gerät durch festen Stein arbeiten und zerbrechliches Porzellan? Das Deutsche Bergbau-Museum Bochum – Leibniz-Forschungsmuseum für Georessourcen zeigt in seiner Ausstellung, dass das kein Widerspruch ist. Denn edle Porzellankunst wurde durch spezifische, bergmännisch gewonnene Rohstoffe erst möglich und reflektierte daher in den Anfängen der Herstellung auch die Tradition und Lebenswelten des Bergbaus.
180 Stücke zu bewundern
Im Jahr 2010 hat die Achim und Beate Middelschulte-Stiftung dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum eine herausragende Sammlung von Porzellan aus dem 18. Jahrhundert zur Präsentation übergeben. Im Fokus stehen kunstvoll gefertigte bergmännische Skulpturen sowie Tafelservices und Galanteriewaren bemalt mit Motiven aus dem Bergbau. Ein weltweit einzigartiger Bestand, der dauerhaft im Middelschulte-Saal des Museums ausgestellt ist. Aktuell sind rund 180 Stücke zu sehen.
Die Sammlung umfasst fantasievolle Darstellungen von bergmännischen Szenen, wie sie ab Mitte der 1740er Jahre vermehrt Gefäße der Königlichen Porzellanmanufaktur Meissen zieren. Noch älter sind plastisch gearbeitete Darstellungen von Bergleuten, von denen sich auch ein sehr frühes noch nicht perfekt gelungenes Exemplar von 1723 in der Sammlung findet. Herausragend sind die Figurenserie der Modelleure George Fritzsche d. Ä. (wohl 1697-1756) und Johann Joachim Kaendler (1706-1775). Auch von anderen Manufakturen im deutschsprachigen Raum, u.a. aus Berlin, Fürstenberg und Wien, sind aussagekräftige Stücke in der Sammlung vertreten.
Im vergangenen Jahrzehnt wurden Teile der Sammlung im Rahmen von Sonderausstellungen bereits an vielen Orten gezeigt, u.a. in Museen in Leogang (Österreich), Freiberg, Chemnitz, Iphofen, Düsseldorf und Aachen sowie zuletzt im Salinenschloss des Salzbergwerks im polnischen Wieliczka.
Vorstellung des neuen Katalogs
Der Bestandskatalog „Glück auf! Bergmännisches Porzellan des 18. Jahrhunderts. Die Sammlung Middelschulte im Deutschen Bergbau-Museum Bochum“ präsentiert neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu bergmännischem Porzellan. Seit Ende 2023 haben führende Fachleute auf dem Gebiet des frühen europäischen Porzellans an der Publikation gearbeitet.
Bei der offiziellen Katalogvorstellung am 27. November war Stifter Dr. Achim Middelschulte Ehrengast. „Unsere Sammlung wurde über drei Generationen aufgebaut. Ich freue mich sehr darüber, dass diese im Deutschen Bergbau-Museum Bochum ihren festen Platz hat und unsere Stiftungs-Arbeit jetzt um den neu erschienenen Katalog ergänzt wird. Dieser trägt neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen Rechnung und ist aufgrund brillanter Fotografien von besonderer Ästhetik.“
Prof. Dr. Sunhild Kleingärtner, Wissenschaftliche Direktorin des Deutschen Bergbau-Museums Bochum, sagte in ihrer Begrüßung: „Wir bedanken uns sehr herzlich bei Herrn Dr. Middelschulte für die langjährige Verbundenheit zu unserem Museum. Wir sind stolz, dass wir die uns anvertraute Sammlung hier dauerhaft der Öffentlichkeit präsentieren können. Der Bergbau prägte ganze Lebenswelten von Generationen und inspirierte auch zu künstlerischen Arbeiten. Unser Kunstrundgang zeigt Zeugnisse unterschiedlicher Epochen und rückt die Motivationen in den Mittelpunkt, Kunst zu schaffen, zu beauftragen und auszustellen.“
Wertvolle Unterstützung
Die Veröffentlichung des neuen Katalogs wurde maßgeblich durch den Förderverein des Museums, die „Vereinigung der Freunde des Deutschen Bergbau-Museums Bochum e.V.“ (VFKK), unterstützt. Beiratsmitglied Prof. Dr. Stefan Brüggerhoff hebt hervor: „Unser Förderverein beschäftigt sich seit seinem Bestehen mit bergmännischer Kunst und Kultur. So widmete sich bereits die erste Ausgabe unserer montanhistorischen Zeitschrift ‚Der Anschnitt‘ im Jahr 1949 bergmännischen Porzellan-Figuren der Manufaktur Meissen. Bis heute setzen wir uns in Veranstaltungen und Fachvorträgen dafür ein, dass das Wissen hierzu weitergegeben wird.“
Der neue Katalog wurde finanziell durch die Ernst von Siemens Kunststiftung Berlin sowie die CERAMICA-Stiftung Basel gefördert. Dr. Martin Hoernes, Generalsekretär der Ernst von Siemens Kunststiftung, erläutert: „Ohne die Erarbeitung von Bestandskatalogen sind Ausstellungen, die Bestandsentwicklung durch Ankäufe oder Provenienzrecherchen im Museum kaum möglich. Deshalb fördert die Ernst von Siemens Kunststiftung seit über 30 Jahren nicht nur Neuerwerbungen für Museen, die im Fokus der Öffentlichkeit stehen, sondern unterstützt auch die Erforschung und Erschließung von Sammlungsbeständen. Die einzigartige Prozellansammlung mit bergmännischen Motiven aus dem 18. Jahrhundert konnte nun im Katalog des Deutschen Bergbau-Museums Bochum erschlossen werden, sodass sie zukünftig sowohl der Forschung als auch der breiten Öffentlichkeit zugänglich ist.“
Erhältlich im Museumsshop
Der Katalog „Glück auf! Bergmännisches Porzellan des 18. Jahrhunderts. Die Sammlung Middelschulte im Deutschen Bergbau-Museum Bochum“ ist beim Kunstverlag arnoldsche Art Publishers, Stuttgart, erschienen. Mit mehr als 300 Seiten und annähernd 400 Farbabbildungen stellt er das Standardwerk zu dem darin vorgestellten bergmännischen Porzellan dar. Der Sammlungskatalog ist im Buchhandel für 48,- € erhältlich sowie über den Shop des Deutschen Bergbau-Museums Bochum zu beziehen.