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Digitalisierungsprojekt abgeschlossen: Über 2000 Stereofotografien online

Foto: montan.dok

Mit der Onlinestellung von über 2000 historischen Stereofotografien ist jetzt eine wichtige Sammlung in der Fotothek des montan.dok weltweit recherchierbar. Die Digitalisierung der Sammlung wurde im Rahmen des Projekts „NEUSTART KULTUR“ der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) durch die Deutsche Digitale Bibliothek ermöglicht.

Mit der retrospektiven Digitalisierung der „Fotosammlung Stereofotografien“ des Deutschen Bergbau-Museums Bochum konnte Wissenschaft und Öffentlichkeit ein historisch relevanter und in der Vergangenheit bereits des Öfteren angefragter Quellenfundus endlich online verfügbar gemacht werden. Im Rahmen des Projekts wurde zudem eine systematische Prüfung und Anreicherung der vorhandenen Erschließungsdaten durchgeführt und damit deren Qualität optimiert. Über die Online-Stellung der eigentlichen Fotosammlung hinaus konnte damit die digitale Verfügbarkeit und Sichtbarkeit des im montan.dok bewahrten kulturellen Erbes insgesamt nachhaltig verbessert werden.

Die „Fotosammlung Stereofotografien“ ist bereits seit den 1930er-Jahren im damaligen Bergbau-Museum angelegt und bis in die 1980er-Jahre immer wieder erweitert worden. Den Grundstock bildete offenbar die Übernahme von gut 600 Aufnahmen vom Verein für die bergbaulichen Interessen im Oberbergamtsbezirk Dortmund (Bergbau-Verein) zur Präsentation ausgewählter Fotos in eigens angefertigten Kastenpanoramen. Sie sollten den Museumsbesuchenden einen Einblick in die unzugängliche Arbeitswelt des Bergmanns vermitteln, wobei dieser Einblick natürlich vorrangig die Sicht der bergbaulichen Funktionseliten und der von ihnen beauftragten Fotografen auf die Branche widerspiegelte. Gleichwohl erfreuten und erfreuen sich die Kastenpanoramen bis heute großer Beliebtheit bei den Museumsbesuchenden und zeugen von der anhaltenden Faszination, die von diesem Medium bis heute ausgeht, wenn sich auch die Gründe dafür gewandelt haben mögen.

Die Sammlung ist bis in die 1980er-Jahre hinein immer wieder ergänzt worden durch Aufnahmen der Fotografen des Deutschen Bergnai-Museums Bochum und der Westfälischen Berggewerkschaftskasse sowie durch weitere Erwerbungen von externen Fotografen. Die Fotografien zeigen dabei nicht allein den Steinkohlenbergbau im Ruhrgebiet, es finden sich auch zahlreiche Aufnahmen aus anderen Bergbausparten, dem Erz-, dem Kali- und dem Braunkohlenbergbau sowie aus dem Museumsbetrieb, dem Anschauungsbergwerk und den Ausstellungen, von Sammlungsobjekten oder von Exkursionen der Museumsmitarbeitenden in andere Bergreviere.

Für die Digitalisierung wurden die Vorlagen zunächst auf ihren konservatorischen Zustand und ihre Digitalisierbarkeit hin geprüft, einer Trockenreinigung unterzogen, mit einer hochwertigen Repro-Kamera im Aufsichtsverfahren vorlagenschonend digitalisiert und für jede Vorlage ein digitales Archiv-Master (TIFF unkomprimiert, 2000 dpi), ein Production-Master (TIFF unkomprimiert, 1200 dpi) und ein Nutzungsderivat (JPG, 300 dpi) erzeugt. Zur Qualitätssicherung wurden chargenweise Kontrollaufnahmen mit einem Target angefertigt und analysiert. Auf Basis der Digitalisate sind in einem weiteren Schritt die vorhandenen Erschließungsdaten systematisch geprüft, überarbeitet und auch mit Normdaten aus der Gemeinsamen Normdatei (GND) angereichert worden. Im Ergebnis konnten so die Erschließungsqualität sowie die Interoperabilität und Anschlussfähigkeit der Metadaten entscheidend verbessert werden.

Insgesamt wurden 2069 Vorlagen (1759 Glasplatten-Positive und 307 Glasplatten-Negative) bearbeitet, geplant waren 1900. Im Zuge der Projektdurchführung konnten jedoch über 170 weitere Negative zu den Stereo-Dias identifiziert, der Sammlung zugeordnet und ebenfalls digitalisiert werden. Da einige Positive durch regelmäßige Nutzung oder unsachgemäße Handhabung im damaligen Museumsbetrieb so beschädigt oder zerstört worden waren, dass ihre Digitalisierung nicht möglich war, bieten die Negative hier eine willkommene Ersatzüberlieferung. Deren Digitalisierung und Online-Stellung erlaubt zudem einen quellenkritischen Abgleich zwischen dem ursprünglichen Negativ und dem zu Präsentationszwecken angefertigten Positiv sowie die Identifizierung von späteren Retuschen und Bearbeitungen.

Allerdings konnte die Sammlung im Rahmen des vorliegenden Projekts nicht, wie ursprünglich beabsichtigt, in Gänze digitalisiert und bearbeitet werden. Vorerst unbearbeitet bleiben musste ein weiteres Konvolut mit etwa 150 Stereoaufnahmen, das aus bislang unbekannten Gründen damals separat magaziniert worden ist und erst im Projektverlauf der „Fotosammlung Stereofotografien“ des Deutschen Bergnau-Museums Bochum zugeordnet werden konnte. Deren Umfang ist damit auf nunmehr etwa 2300 Fotografien angewachsen. Ebenso wie zahlreiche weitere Stereofotografien in anderen Sammlungen und Beständen der Fotothek wie auch des Bergbau-Archivs Bochum wird auch dieses Konvolut erst nach Projektende und auf längere Sicht im Rahmen der etatmäßigen Erschließungs- und Digitalisierungstätigkeiten im montan.dok bearbeitet werden können.

Fotos und Erschließungsdaten wurden Ende März 2022 in der Online-Datenbank des montan.dok und im Portal museum-digital:Westfalen hochgeladen, die Onlinestellung in der Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB) soll durch die Fachstelle Museum der DDB zeitnah erfolgen. Dies ist das Ergebnis des Projekts zur „Digitalisierung historischer Stereofotografien als Quellen musealer Sammlungs- und Vermittlungsstrategien“, das durch die DDB im Rahmen des von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) geförderten Programms NEUSTART KULTUR ermöglicht worden ist.

Der Beitrag ist auch in der aktuellen Ausgabe der montan.dok-news 01|2022 erschienen. Die gesamte Ausgabe finden Sie online hier.

Details zu den Stereofotografien und ihren Motiven bietet zudem das Objekt des Monats auf der Seite www.bergbau-sammlungen.de. Die Geschichte, wie die Stereofotografien in das Montanhistorische Dokumentationszentrum kamen, finden Sie hier.