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Funktionsanalysen an makrolithischen Werkzeugen der altpaläolithischen Ockergruben von Tzines (Thasos, Griechenland)
Tzines ist ein Bergbauareal auf Thasos, einer griechischen Insel in der nördlichen Ägäis. Die in den 80er und 90er Jahren durchgeführten archäologischen Ausgrabungen konzentrierten sich hauptsächlich auf zwei Bergwerke, die sogenannten Gruben T1 und T2. Sie lieferten Belege für alte Bergbauaktivitäten, die auf die Ausbeutung von Ocker abzielten, wie Hämatit und Goethit. Ein AMS-Radiocarbondatum, das von einem Knochen aus der Grube T1 stammt, ergab ein Datum von 20.350±160 Jahren BP (ETH-11573). Diese außergewöhnliche Entdeckung machte Tzines zum ältesten Untertagebergbau Europas.

Neben Hirschgeweih- und Feuersteinwerkzeugen fanden Archäologen über 300 Gerölle, die als Klopfsteine verwendet wurden und offenbar vor dem Einsatz nicht modifiziert wurden oder Spuren einer Schäftung zeigten (Koukouli-Chrysanthaki & Weisgerber 1999; Weisgerber, Cierny, & Koukouli-Chrysanthaki, 2008). Ihre Klassifizierung ist nicht einfach vorzunehmen, denn in erster Linie sind es nicht Spuren ihrer Produktion, sondern Nutzungsspuren, die sie von natürlichen Geröllen unterscheiden. Sie gehören in die weiter zu fassende Kategorie der sogenannten makrolithischen Artefakte, für die Adams et al. (2009) kürzlich eine spezifische Gebrauchsspurenanalyse entwickelt haben. 

Die Autoren schlugen eine Definition von Verschleiß sowie eine Klassifizierung der entsprechenden Mechanismen (Anhaftungen, Ermüdung, Abrieb und tribochemischer Verschleiß) vor, die der Tribologie entlehnt sind, der Wissenschaft und Technologie der interagierenden Oberflächen abhängig von der relative motion. Anhand dieser Kategorien und der makroskopischen und mikroskopischen Untersuchung eines Objekts ist es möglich zu verstehen, wie es verändert wurde, indem man die durch Herstellungstechniken und Veränderungen nach der Einlagerung verursachten Schadensmuster von denen unterscheidet, die durch den Gebrauch verursacht wurden (Adams, 2014).

Die Gewinnung von Ocker in Grube T1 erfolgte mit Hirschgeweih- und Steinwerkzeugen, meist aus Marmor und Gneis. Die Grube T2 zeigt die Anwendung einer anderen Abbautechnik, die hauptsächlich auf der ausschließlichen Verwendung von Geräten aus Gneis beruht. Der Unterschied zeigt sich anhand der Form, Erhaltung, des Gewichts und Verschleißes. Andere metamorphe Gesteine, wie Amphibolit und Quarz, sind ebenfalls in beiden Bergbauen zu finden, wenn auch in geringerem Umfang.

Die wichtigsten Forschungsfragen sind:

1. Zeugen die verschiedenen Abbautechniken in T1 und T2 von einer Anpassung an unterschiedliche geologische Bedingungen?

2. Sind sie abhängig von der petrographischen Charakteristik der Steinwerkzeuge?

3. Spiegeln die Gesteinsarten der Werkzeuge, ihre Morphologie und Gebrauchsspuren ein unterschiedliches technologisches Wissen wider?

Die geologische Lage des Gebietes sowie die mineralogische Zusammensetzung der Erze werden untersucht, unterstützt durch das 3D-Modell des Tzines-Hügels. Die Untersuchung der Steinwerkzeuge basiert auf einer Funktionsanalyse. Es beinhaltet petrographische Klassifizierungs- und Provenienzstudien, morphologische Beschreibungen, Experimente und Gebrauchsspurenanalysen. Dazu wird eine Kombination von makro- und mikroskopischen Untersuchungen durchgeführt, zusammen mit hochauflösenden Silikonformen für den EpoxidharzRezingussHarzguss. Das 3D-Modell der Bergbaue ermöglicht es, die an den Werkzeugen beobachteten Gebrauchsspuren mit den Gezähespuren und der Morphologie der Minen zu verbinden.

Zum Verständnis des alten Bergbaus wird schließlich die Rekonstruktion der chaîne opératoire der Werkzeuge mit der Rekonstruktion der chaîne opératoire der untertägigen Ockergewinnung kombiniert.

 

Zugehöriges Teilprojekt

Prähistorischer Rötelbergbau auf Thasos

Abgeschlossene Dissertation

Chiara Levato

Funktionsanalysen an makrolithischen Werkzeugen der altpaläolithischen Ockergruben von Tzines (Thasos, Griechenland)

Video

Bergbau auf Thasos

Informationen zum Projekt

Projektträger

Deutsches Bergbau-Museum Bochum, Forschungsbereich Montanarchäologie

beteiligte forschenden Bereiche
Laufzeit

10/2016 – 3/2020

Förderung

Deutsches Bergbau-Museum Bochum

Gerda Henkel Stiftung
 

Kooperation

Dr. Chaido Koukouli-Chryssanthaki (Director Emerita of the Ephorate of Antiquities of Kavala)

Dr. Dimitra Malamidou (Director of the Ephorate of Antiquities of Serres)

Dr. Caroline Hamon, Laboratoire UMR 8215 Trajectoires (CNRS - Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne)

  • Adams, J. L. (2014). Ground stone use-wear analysis: A review of terminology and experimental methods. Journal of Archaeological Science, 48,129-138..
  • Adams, J., Delgado, S., Dubreuil, L., Hamon, C., Plisson, H., & Risch, R. (2009). Functional Analysis of Macro-Lithic Artefacts: A Focus on Working Surfaces. In F. Sternke, L. Eideland, & L. J. Costa (Eds.), Non-Flint Raw Material Use in Prehistory. Old prejudices and new directions, Vol. 11. BAR International Series 1939 (pp. 43-66). Oxford: Archaeopress.
  • Koukouli-Chrysanthaki, C., & Weisgerber, G. (1999). Prehistoric Ochre Mines on Thasos. In C. Koukouli-Chrysanthaki, A. Müller, & S. Papadopoulos (Eds.), Thasos: Matières Premières et Technologie de la Préhistoire à nos jours (pp. 129-144). Paris: De Boccard.
  • Weisgerber, G., Cierny, J., & Koukouli-Chrysanthaki, C. (2008). Zu paläolithischer Gewinnung roter Farbmineralien auf der Insel Thasos. In Ü. Yalcin (Ed.), Anatolian Metal IV, Der Anschnitt, 21, 179-190.