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Wissenstransfer zur Komplexität historischer Materialien und zum Erhalt materieller Industriekultur
Heritage Conservation Center Ruhr (hcc.ruhr)
Ziel des Heritage Conservation Center Ruhr (hcc.ruhr) ist es, die Komplexität des Wissens über Erhaltungstechniken und Erhaltungsethik von Objekten der Industriekultur abzubilden und zu verbreiten. Ein Beispiel der Komplexität: Der wichtigste Teil einer wertvollen historischen Maschine scheint unrettbar korrodiert. Was tun? Neue Konservierungsmethoden entwickeln? Die Maschine ohne das Teil zeigen? Einen 3D-Druck des Teils anfertigen? Um diese Fragen zu beantworten und auf einen adäquaten Umgang mit dem Kulturgut hinzuführen, müssen Fachleute aus Ingenieurwesen und Geschichtswissenschaften in ständiger Interaktion stehen und auf das aktuellste vorhandene Wissen zurückgreifen. Eines der Produkte des hcc.ruhr ist es, derart transdisziplinär erarbeitetes Wissen auf einer strukturierten Domain zur Verfügung zu stellen. So leistet es einen digitalen, weltweiten Wissenstransfer und pflegt darüber hinaus einen direkten Austausch in der Metropole Ruhr.

Das hcc.ruhr beschäftigt sich mit dem Wissen über die materialwissenschaftlich fundierte Erhaltung und Konservierung von Objekten aus der Geschichte von Industrialisierung, Steinkohlenbergbau und Hüttenwesen. Es wird von der Leibniz-Gemeinschaft im Förderprogramm Leibniz-Transfer gefördert. Aus diesem Auftrag heraus geht es um die Verbreitung des Wissens aus den Ingenieurwissenschaften, der Chemie und den Kulturwissenschaften. Das Wissen der mit dem hcc.ruhr verbundenen Institutionen ist dabei ebenso gefragt wie das angrenzender Communities of Practice.

Das hcc.ruhr ist ein Projekt des Deutschen Bergbau-Museums Bochum, Leibniz-Forschungsmuseum für Georessourcen, und dort im Forschungsbereich Materialkunde angesiedelt. Hauptkooperationspartner unter dem Dach der DMT-LB ist die Technische Hochschule Georg Agricola (THGA), ein weiterer Kooperationspartner die Stiftung Zollverein. So liefert das hcc.ruhr Inhalte und Praxiselemente für den Masterstudiengang „Material Engineering and Industrial Heritage Conservation“ (MEIHC), der im Wissenschaftsbereich Maschinenbau und Materialwissenschaften der THGA angeboten werden soll.

Aufbauend auf den bereits über indumap.de zur Verfügung gestellten Daten und ergänzt durch Tagungen, Workshops und weitere Austauschformate sammeln und verbreiten wir Wissen aus der Praxis von Konservierung und Restaurierung. Die Technikerinnen und Techniker sowie Historikerinnen und Historiker im Bereich Erhalt von Kulturgut („Heritage Conservation“) können über diese Formate in einen intensiveren Austausch treten, begünstigt durch strukturierte digitale Angebote, auf kürzesten Wegen und weltweit.

Das hcc.ruhr tritt zudem direkt an die Bevölkerung heran, denn es verfügt über eine Außenstelle auf dem UNESCO Weltkulturerbe Zollverein. Hier bietet das Gelände der ehemaligen Zeche und Kokerei Zollverein die Chance, historische Objekte und deren Substanz exemplarisch zu bearbeiten. Des Weiteren befindet sich dort ein Interaktionsraum für die Vernetzung zwischen Gesellschaft, Bergbauspezialistinnen und -spezialisten sowie Forschenden.

Auch die Entwicklung neuer technischer Verfahren ist Bestandteil des hcc.ruhr. Eine Materialwissenschaflerin des hcc.ruhr arbeitet im Forschungslabor des Deutschen Bergbau-Museums Bochum und im Werkstofflabor der THGA. Für Praxisprojekte und deren Veröffentlichung greifen wir neben der Zeche und Kokerei Zollverein auf weitere Stätten der Industriekultur in der Metropole Ruhr zurück. Diese naturwissenschaftlichen Forschungen dienen der Ergänzung des dem Projekt zugrundeliegenden Transfergedankens: Einerseits werden strukturierte Ehrhaltungspläne, die am Deutschen Bergbau-Museum Bochum in den vergangenen Jahren entwickelt worden sind, auf diese Weise in Praxisanwendung systematisch verifiziert oder falsifiziert. Andererseits werden durch die Strukturierung des Wissens fehlende Verfahren identifiziert, die nun im Projekt ergänzt werden können. So wird durch die Sammlung, Ergänzung und Strukturierung von Wissen ein nachhaltiger Transfer gewährleistet.

Das hcc.ruhr beginnt seine Arbeit mit einer Analyse der Vertretenden der Industriekultur sowie einer Vernetzung mit der Denkmalpflege und der Klima- und Umweltschutzbewegung. In der zweiten Phase nehmen die materialwissenschaftlichen Testfelder ihre Arbeit auf, wobei die Ergebnisse dieser Praxisarbeit zu Forschungsfeldern im neuen Masterstudiengang MEIHC der THGA werden. In der Phase drei werden die Austauschaktivitäten über die Hauptpartner hinaus ausgeweitet, durch Konferenzen und die Einrichtung von Jours Fixes. In der vierten Phase erweitern wir unser Wirkungsfeld weltweit, um in der fünften abschließenden Phase alle Produkte und Aktivitäten zu evaluieren, anzugleichen und so für die Fortführung einzurichten.

Um im Sinne des Transfers die Felder Konservierungswissenschaften, Materialforschung, Technik- und Bergbaugeschichte sowie weitere angrenzende Disziplinen zusammenzuführen, bedarf es einer bewussten Herangehensweise an eine derartige Zusammenarbeit. Sie beruht am hcc.ruhr auf dem Konzept zur Transdisziplinarität von Jürgen Mittelstraß: Vertretende verschiedener Disziplinen stimmen ihre Fragestellungen miteinander ab und tauschen sich während des Forschungsprozesses in ihren Methoden und schließlich in ihren Ergebnissen stetig aus. Diese Art der Interaktion beginnt in unserem Team und strahlt über die Austauschformate auf Nutzerinnen und Nutzer aus.

Informationen zum Projekt

Projektträger

Deutsches Bergbau-Museum Bochum, Forschungsbereich Materialkunde

beteiligte forschende Bereiche
Laufzeit

01.05.2020 – 30.04.2023

Typ des Vorhabens

Transferprojekt

Förderer und Kooperationspartner