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Wie sag ich's auf konservatorisch?

Foto: Deutsches Bergbau-Museum Bochum

Dass Kunststoffe nicht für die Ewigkeit geschaffen sind, weiß man in Museen mittlerweile nur zu gut. Davon sind zahlreiche Objekte betroffen. Um Schadensbilder unterschiedlicher Alterungsprozesse zu beschreiben und so zum Beispiel ihr Voranschreiten studieren zu können, braucht man die „richtigen“ Worte. Eine Veröffentlichung des Forschungsbereichs Materialkunde bietet dafür nun einen Diskussionsvorschlag auf Basis vorangegangener Literatur und eigener Erkenntnisse.

Wann spricht man bei Kunststoffen von einer Ausblühung (blooming)? Wie charakterisiert man ein sprödes Polymer (brittleness)? Sind Staub (dust) und Schmutz (dirt) unterschiedlich? Was versteht man unter crazing? Um Mitarbeitende und Forschende der Restaurierungs- und Konservierungswissenschaften sowie Sammlungsbetreuenden ein praktisches Werkzeug an die Hand zu geben, haben Till Krieg, Cristian Mazzon und Dr. Elena Gómez Sánchez, Forschungsbereich Materialkunde, im Rahmen eines Fachartikels einen umfassenden visuellen Schadensbildkatalog publiziert. Grundlage dafür war ein Kunststoff-Survey im Projekt „Bewahrung gefährdeter Zeitzeugen des Steinkohlenbergbaus in den Musealen Sammlungen des DBM/montan.dok und vernetzten Einrichtungen“, das 2019 und 2020 durch die RAG-Stiftung gefördert wurde.

Häufig werden Schadensbilder anhand ihrer Ursachen beschrieben. Diese sind jedoch nicht immer bekannt und viele konservatorische Fachkräfte haben nicht die nötigen analytischen Instrumentarien, um diese in jedem Fall näher ergründen zu können. Die Schadensbilddefinitionen der drei Forschenden orientieren sich daher vor allem an den visuell wahrnehmbaren Phänomenen. Die verschiedensten Schadensbilder konnten an Objekten aus den eigenen Beständen gefunden und studiert werden. Ihre Beschreibungen werden mit Fotos unterstützt, die während des Surveys in den Musealen Sammlungen des Montanhistorischen Dokumentationszentrums aufgenommen wurden.

Der Fachartikel gibt zudem einen Einblick in die Schwierigkeiten, verschiedene Kautschukprodukte auf ihre Zusammensetzung hin zu analysieren. Darüber hinaus werden exemplarisch einzelne Ausblühungsphänomene, sprich kristalline oder pulvrige Ablagerungen an der Objektoberfläche, an Kunststoffobjekten portraitiert und die Bandbreite dieses Schadensphänomens dargestellt.

Um die Forschungserkenntnisse mit der Fachcommunity und der interessierten Öffentlichkeit teilen zu können, wurde der Artikel online und Open Access in englischer Sprache durch das Fachjournal Polymers publiziert.