Neuentdeckte Werke von Bernt Rösel im montan.dok gesichert
Bernt Rösel: Schaufelradbagger im Tagebau Fortuna (montan.dok 037002376001)
Der Nachlass des Künstlers mit einem umfangreichen Bestand an Drucken, Entwürfen, Fotografien und Gemälden wurde bis 2025 in einem Fotostudio in Oberhausen aufbewahrt. Nach dessen Auflösung gelangten viele Werke in das Stadtteilbüro Sterkrade. Um eine sachgerechte Unterbringung sicherzustellen, wurden dorthin Museen aus Nordrhein-Westfalen eingeladen, den Bestand zu sichten und mögliche Übernahmen zu prüfen.
Bedeutende Motive aus dem Bergbau
Besonders hervorzuheben ist Rösels Mappenwerk „Von der Arbeit unter Tage“, das sich bereits seit längerer Zeit im montan.dok befindet. Dabei handelt es sich um Lithografien, die Arbeitsszenen überwiegend aus dem Untertagebetrieb der 1950er-Jahre zeigen. Das Mappenwerk gilt als künstlerisch bedeutsam, da der Künstler nach Studien auf der Zeche Königin Elisabeth in Essen Bildmotive entwickelte, die im Vergleich zu Werken anderer Kunstschaffender innovativ waren und bis heute einzigartig sind. Rösel füllt ikonografische Leerstellen und bricht das klassische Bergmann-Stereotyp auf.
Die neu aufgefundenen Arbeiten und Gespräche mit Rösels Sohn zeigen nun, dass diese Mappe keineswegs sein einziges Auftragswerk für den Bergbau war. Der in Essen geborene Künstler arbeitete vielfach für die Montanindustrie und beschränkte sich dabei nicht auf den Steinkohlenbergbau. In den 1950er- und 1960er-Jahren entstanden Illustrationen und Zeichenreportagen aus dem Steinkohlen-, Braunkohlen- und Erzbergbau sowie aus Stahlindustrie und Erdölraffinerie. Zu seinen Auftraggebern gehörten unter anderen Mannesmann, Shell und die Hüttenwerk Oberhausen AG.
Die überlieferten Unterlagen wie Briefe und Zeitungsausschnitte machen zugleich deutlich, dass Rösel sich intensiv bemühte, seine Arbeiten bekannt zu machen und neue Aufträge zu gewinnen. Ebenso zeigt sich jedoch, dass das Interesse an seiner bergbaubezogenen Kunst ab den 1970er-Jahren deutlich nachließ.
Neue Perspektive auf Bernt Rösels Werk
Neben zahlreichen bislang unbekannten Motiven sind auch Vorskizzen, Entwürfe, Probedrucke und Druckvorlagen erhalten. Sie erlauben einen neuen Blick auf Rösels künstlerisches Schaffen. Heute ist klar, dass der an der Folkwangschule ausgebildete Künstler nicht nur Lithograf war. Er beherrschte auch Radierung, Zeichnung, Collage und Malerei. Die neu entdeckten Werke machen daher eine Neubewertung seiner Bedeutung für die Kunst mit Industrie- und Bergbaumotiven erforderlich.
Viele Arbeiten belegen zudem, dass Rösel ein besonderes künstlerisches Gespür für Maschinen und Betriebsabläufe hatte – für Motive also, die andere Kunstschaffende nur selten aufgriffen. Beispiele dafür sind das Acrylgemälde des Schaufelradbaggers 260 im Tagebau Fortuna (montan.dok 037002376001) oder der Siebdruck „Vortriebsmaschine ‚Nashorn‘“ (montan.dok 037002426001). Neben freien Kunstwerken gestaltete Rösel außerdem Gebrauchsgrafiken wie Knappen- und Hauerbriefe, Jubiläumsurkunden, Postkarten, Lehrtafeln, Illustrationen oder Kalendermotive.
„Die neu entdeckten Werke ermöglichen es, die Bedeutung Bernt Rösels für die künstlerische Auseinandersetzung mit Bergbau- und Industriemotiven deutlich präziser einzuordnen“, sagt Dr. Michael Farrenkopf, Leiter des montan.dok. „Der Nachlass macht sichtbar, mit welcher thematischen Breite und künstlerischen Eigenständigkeit Rösel industrielle Arbeitswelten dargestellt hat. Eine besondere Bereicherung für das montan.dok stellen dabei seine Arbeiten zum Braunkohlentagebau dar, da dieses Sujet in der Kunstgeschichte bislang nur von vergleichsweise wenigen Künstler:innen aufgegriffen wurde.“
Werke von Bernt Rösel mit Bezug zu Bergbau und Industrie sind in der Online-Datenbank des Montanhistorischen Dokumentationszentrums unter www.montandok.de recherchierbar.
Über das montan.dok
Das Montanhistorische Dokumentationszentrum (montan.dok) gehört zum Deutschen Bergbau-Museum Bochum. Es verwahrt die Sammlungsbestände des Museums, sorgt für ihre Restaurierung und Konservierung und macht sie für Forschung und Recherchen zugänglich. Zum Bestand gehören rund 350.000 Objekte, mehr als 370 archivische Bestände und über 30 Spezialsammlungen auf etwa sieben Regalkilometern. Hinzu kommen 85.000 Bücher und Zeitschriften sowie mehr als 150.000 Fotografien.
Derzeit entsteht in der Nähe der Jahrhunderthalle in Bochum ein neues Forschungs- und Depotgebäude. Es wird ausreichend Platz und optimale Bedingungen für die Lagerung der Objekte bieten. Gleichzeitig schafft es eine moderne Infrastruktur für die Erforschung und Digitalisierung der montanhistorischen Überlieferungen und Sammlungen. Die Fertigstellung ist für Ende 2026 geplant.