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Vom Boom zur Krise: Der deutsche Steinkohlenbergbau nach 1945
Die kulturelle Mentalität sowie die soziale und ökonomische Struktur des Ruhrgebiets sind auch heute noch geprägt durch die Vergangenheit als hochindustrialisiertes „Kohle- und Stahlrevier“. Zukünftigen Generationen bleibt die Verantwortung für die Bewältigung der technischen Herausforderungen des Nachbergbaus an der Ruhr – insbesondere Wasserhaltung - aber auch für die Sicherung, Vermittlung und Erforschung des historischen Erbes des Steinkohlenbergbaus. Durch die Erforschung der historischen Wurzeln der Gewinnung und Nutzung von Steinkohle soll die gesellschaftliche Akzeptanz des Nachbergbaus und der „Ewigkeitsaufgaben“ gefördert werden.

Nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs leiteten alliierte Besatzungsbehörden bis zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl, der Montanunion, 1951 den Ruhrbergbau. Mit Inkrafttreten dieses Wirtschaftsverbandes erfolgte eine Integration der deutschen Steinkohlen- und Stahlindustrie in den europäischen Wirtschaftsraum.

Wichtige Entwicklungen des deutschen Steinkohlenbergbaus der 1950er und 1960er Jahre lassen sich mit den Schlagworten Montanmitbestimmung 1951, Vollmechanisierung, Kohlekrise und Gründung der Ruhrkohle AG 1968/69 skizzieren. Das „Satteljahrzent“ der 1960er Jahre markiert den Wandel von einer boomenden Industrie zu einem schrumpfenden Wirtschaftssektor, der jedoch noch lange eine bedeutende Stellung innerhalb des bundesrepublikanischen Wirtschaftssystems behalten sollte. Gerade die Bereiche Bergbautechnik und Montanwissenschaften erreichten eine bis heute anhaltende international führende Stellung: Das gilt für die gesamten technisch-wissenschaftlichen Forschungsleistungen (z.B. die Westfälische Berggewerkschaftskasse, ab 1990 DMT) und für den medizinischen Bereich (z.B. die Knappschaftsversicherung und die Bergbau-Berufsgenossenschaft) des Steinkohlenbergbaus. Dabei zeigt sich eine hohe Anpassungsleistung des Steinkohlenbergbaus an sich verändernde ökonomische und politische Rahmenbedingungen sowie der Wille der Akteure, einen „sanften“, solidarischen Strukturwandel zu managen, der mit der Schließung der letzten Zeche an der Ruhr Ende 2018 noch lange nicht beendet ist. Vielmehr wurde die von der Montanwirtschaft geprägte Industrielandschaft des Ruhrgebiets einem grundlegenden Transformationsprozess unterworfen. Dieser umfasste die Ansiedlung neuer Gewerbe und Unternehmen, die Entfaltung einer ausdifferenzierten Forschungs- und Wissenschaftsinfrastruktur und die unter dem Begriff der Industriekultur zusammengefasste Umnutzung ehemaliger Produktionsstätten der Montanwirtschaft.

Der Steinkohlenbergbau nach 1945 war und ist also durch tiefgreifende strukturelle, ökonomische, technische, soziale und auch kulturelle Umbrüche und Transformationen geprägt, die in einer ersten Projektphase von 2015 bis 2018 durch je drei Projekte in den Themenlinien Innovationskulturen im Wandel nach 1945 und Transformation von Industrielandschaften erforscht wurden bzw. weiterhin werden.

 

Themenlinie 1: Innovationskulturen im Wandel nach 1945

Teilprojektleiter: Dr. Lars Bluma

In der Themenlinie Innovationskulturen im Wandel nach 1945 werden die bergbauspezifischen Innovationsleistungen in den Feldern Technik, Wissenschaft und Unternehmensorganisation/-strategie untersucht. Zentrale These ist, dass der Steinkohlenbergbau eine eigene Innovationskultur hervorbrachte, die eng mit den ökonomischen, sozialen und politischen Rahmenbedingungen verknüpft war. Aufgabe der drei Teilprojekte in dieser Themenlinie ist es, zentrale Innovationsfelder und deren Charakteristiken auszumachen. Methodisch wird zu klären sein, ob der Begriff der Innovationskultur eine hinreichende analytische Schärfe aufweist, um ökonomische, technische und wissenschaftliche Innovationen gleichsam betrachten zu können.

 

Themenlinie 2: Transformation von Industrielandschaften

Teilprojektleiter: Dr. Michael Farrenkopf

In der Themenlinie Transformation von Industrielandschaften werden die Konversionsprozesse montanindustriell geprägter Industriereviere unter vorrangig politischen und ökonomischen Gesichtspunkten sowie den daraus abgeleiteten Strategien der (industrie-)kulturellen In-Wert-Setzung untersucht. Zentrale These ist, dass die ökonomische Dimension des sukzessiven Rückzugs des aktiven Steinkohlenbergbaus dem Strukturwandel an der Ruhr eine Pionierrolle bei der Etablierung industriekultureller Transformationsleistungen im nationalen Kontext zugewiesen hat. Diese These soll durch aufeinander aufbauende Vergleichsstudien der westdeutschen, sächsischen und schließlich britischen Steinkohlenreviere geprüft werden. Somit ist vorgesehen, die Rolle und Bedeutung des Steinkohlenbergbaus in Bezug auf die Ausprägung industrieller Kulturlandschaften im UNESCO-Welterbe zu historisieren.

Assoziierte Projekte

Veranstaltungen

Informationen zum Projekt

Kontakt
Projektleitung

Dr. Lars Bluma (bis 04/2018)

Dr. Michael Farrenkopf (seit 05/2018)

 

Stellvertrender Projektleiter: 

Dr. Michael Farrenkopf (bis April 2018)

Dr. Torsten Meyer (seit Mai 2018)

Team

Dr. Lars Bluma

Jun.-Prof. Dr. Juliane Czierpka

Daniel Dören

Dr. Michael Farrenkopf

Jana Tarja Golombek

Nikolai Ingenerf

Kathrin Kruner

Dr. Torsten Meyer

Martha Poplawski

Eva Schulte

Daniel Trabalski

Projektträger

Phase 1: Deutsches Bergbau-Museum Bochum, Forschungsbereich Bergbaugeschichte

Phase 2: Deutsches Bergbau-Museum Bochum, montan.dok

beteiligte forschende Bereiche
Laufzeit

Phase 1: 01.11.2015 – 31.10.2018

Phase 2: 01.11.2018 – 31.10.2021

Förderung
Kooperation

Ruhr-Universität Bochum, Historisches Institut und Institut für soziale Bewegungen

TU Bergakademie Freiberg, Technikgeschichte und Industriearchäologie

Lena Asrih/Nikolai Ingenerf/Torsten Meyer: Bergbau als techno-naturales System – Ein Beitrag zur modernen Bergbaugeschichte, in: Der Anschnitt 71 (2019), S. 2-18.

Lena Asrih/Torsten Meyer: Tagungsbericht: Boom – Crisis – Heritage. King Coal and the Energy Revolutions after 1945. Internationale Tagung am DBM, in: Der Anschnitt 70 (2018), S. 166-169.

Andreas Benz: Tagungsbericht: Authentizität und industriekulturelles Erbe – Identitäten, Grenzen, Objekte und Räume. 27.04.2017–29.04.2017, Freiberg, in: HSoz-Kult, 03.07.2017.

Stefan Berger/Jana Golombek/Christian Wicke (Hrsg.): Deindustrialization, Heritage, and Representations of Identity, Berkeley 2017 (The Public Historian, Special Issue).

Stefan Berger/Jana Golombek/Christian Wicke (Hrsg.): Industrial Heritage and Regional Identities: A Historical Comparison of Coal and Steel Producing Regions, New York 2018.

Lars Bluma: Moderne Bergbaugeschichte, in: Der Anschnitt 69 (2017), S.138-151.

Lars Bluma: „Vom Boom zur Krise: Der deutsche Steinkohlenbergbau nach 1945“. RAG-Stiftung fördert Forschungsprojekt am Deutschen Bergbau-Museum Bochum, in: „Schicht im Schacht“. Planungen zum Ende des deutschen Steinkohlenbergbaus, 6. Geschichtskonvent Ruhr, 25. November 2016, Beilage zum forum GESCHICHTSKULTUR RUHR 01 (2017), S. 14-15.

Lars Bluma/Michael Farrenkopf/Stefan Przigoda: Geschichte des Bergbaus, Berlin 2018 (= Veröffentlichungen aus dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum, Nr. 225; = Schriften des Bergbau-Archivs, Nr. 31).

Wiebke Büsch: Authentizität und industriekulturelles Erbe. Gemeinsame Tagung der TU Bergakademie Freiberg, des DBM und des Leibniz-Forschungsverbundes Historische Authentizität, in: montan.dok-news 3 (2017) 1, S. 4.

Wiebke Büsch/Torsten Meyer: Tagung „Authentizität und industriekulturelles Erbe” in Freiberg, in: forum GESCHICHTSKULTUR RUHR 01 (2017), S. 60.

Juliane Czierpka: Montanindustrielle Führungsregionen der Industrialisierung in Europa im Vergleich. Das Black Country und das Borinage, Stuttgart 2017.

Jana Golombek/Torsten Meyer: Das (post-)industrielle Erbe des Anthropozän, in: Der Anschnitt 68 (2016), S. 198-215.

Nikolai Ingenerf: „Vom Boom zur Krise – Erster Workshop des neuen Forschungsprojektes im DBM“, in: Der Anschnitt 68 (2016), S. 116-117.

Jens Kellershohn: Tagungsbericht: Der Steinkohlenbergbau in Boom und Krise nach 1945. Das Ruhrgebiet als Vergleichsfolie für Transformationsprozesse in der Schwerindustrie. 22.03.2017-24.03.2017, Bochum, in: H-Soz-Kult, 29.04.2017.

Kathrin Kruner: „Vom Boom zur Krise: Der deutsche Steinkohlenbergbau nach 1945“ – Zweiter Workshop des Forschungsprojektes am DBM, in: Der Anschnitt 68 (2016), S. 256-258.

Torsten Meyer: Die „Ökonomie der Georessourcen“ im 18. Jahrhundert – Das Beispiel der Baumaterialien, Baukosten und die Emergenz des Genres der Bauanschläge, in: Der Anschnitt 70 (2018), S. 216-234.

Torsten Meyer u. a. (Hrsg.): Alltag und Veränderung – Praktiken des Bauens und Konstruierens. Tagungsband der Zweiten Jahrestagung der Gesellschaft für Bautechnikgeschichte vom 23. bis 25. April 2015 in Innsbruck, Dresden 2017 (Schriftenreihe der Gesellschaft für Bautechnikgeschichte, Bd. 1).

Torsten Meyer u. a. (Hrsg.): „Mit den wohlfeilsten Mitteln dauerhaft, feuersicher und bequem“ – Sparsamkeit als Prinzip, Rationalität als Weltsicht? Tagungsband der Dritten Jahrestagung der Gesellschaft für Bautechnikgeschichte vom 4. bis 6. Mai 2017 in Potsdam, Dresden 2019 (= Schriftenreihe der Gesellschaft für Bautechnikgeschichte, Bd. 2).

Daniel Trabalski: Tagungsbericht: Boom – Crisis – Heritage. King Coal and the Energy Revolutions after 1945. 14.03.2018–16.03.2018, Bochum, in: H-Soz-Kult, 04.06.2018.

Lisa Wand: „Vom Boom zur Krise: Der deutsche Steinkohlenbergbau nach 1945“, in: Der Anschnitt 69 (2017), S. 121-128.

Aktuelles aus dem Projekt

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